Europäischer Reaktor-Stresstest: Schlechtes Zeugnis
Bei den Atomkraftwerken in Norddeutschland sieht die EU in puncto Erdbebenwarnung Handlungsbedarf. Als Ergebnis eines EU-Stresstests empfahlen die Experten am Donnerstag (04.10.2012) in Brüssel, auf den Anlagen Erdbebenwarnsysteme zu installieren. Von den sechs betroffenen Anlagen in Niedersachsen und Schleswig-Holstein sind nur noch Brokdorf, Emsland und Grohnde aktiv.

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Auch den deutschen Atomkraftwerken bescheinigen die EU-Kommissare Sicherheitsmängel
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- Audio: Nach AKW-Stresstest durch die EU: Es muss nachgebessert werden (04.10.2012) Wolfgang Landmesser, WDR 2 Der Tag
Die Betreiber müssten nach Ansicht der EU-Kommission nachrüsten - vorschreiben kann Brüssel dies aber nicht. Für die gesamte EU schätzen die Experten die Nachrüstungskosten für alle aktiven Meiler auf 10 bis 25 Milliarden Euro. Der Löwenanteil entfällt dabei auf Frankreich, das besonders viel Strom aus Atomkraft erzeugt. Der Test deckte bei französischen Kernkraftwerken zahlreiche Mängel auf.
Beunruhigende Ergebnisse
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- Audio: Nach AKW-Stresstest: EU-Kommission bemängelt fehlende Erdbebenmessgeräte und Notfallpläne (04.10.2012) Wolfgang Landmesser / Annette Wieners, WDR 2 Mittagsmagazin
Mit dem EU-weiten Sicherheitscheck hatte EU-Energiekommissar Günther Oettinger auf die Atomkatastrophe in Fukushima reagiert. Der abschließende Bericht wurde am Donnerstag vorgestellt, doch schon Tage vorher waren beunruhigende Ergebnisse durchgesickert. Der Bericht bescheinigt fast allen 145 europäischen Atomreaktoren Sicherheitsmängel.
Greenpeace: "Reaktoren sofort herunterfahren"
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- Audio: Greenpeace-Experte Schinerl: "Der Stresstest ist mangelhaft" (04.10.2012) Helmut Rehmsen / Niklas Schinerl, WDR 2 Morgenmagazin
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace dringt auf eine schnellere Abschaltung der deutschen Kernkraftwerke. "Bestätigt sich, dass Warnsysteme unzureichend sind und die Umsetzung von Leitlinien für schwere Unfälle mangelhaft ist, müssen die betreffenden Reaktoren sofort heruntergefahren werden", sagte Greenpeace-Atomexperte Tobias Münchmeyer. Der Stresstest der EU-Kommission sei ein "Fanal für einen ganz-europäischen Atomausstieg". Der Europaabgeordnete Jo Leinen (SPD) forderte: "Jetzt heißt es nachrüsten oder lieber gleich abschalten." Die veranschlagten 10 bis 25 Milliarden Euro sollten besser in nachhaltige Energieversorgung investiert werden.
Altmaier will schrittweise nachrüsten
Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) will schrittweise auf die Überprüfung der Atommeiler reagieren. Altmaier sagte, der Umfang der Nachrüstung sei abhängig von der Laufzeit der Reaktoren. In Deutschland sollen ab 2015 weitere Atomkraftwerke abgeschaltet werden. Acht sind bereits vom Netz, neun laufen noch. Es gebe aber beispielsweise Reaktoren in Frankreich, die "noch unbegrenzt und sehr lange am Netz bleiben", sagte der Bundesumweltminister.
Die schwierigen Fälle Tihange und Doel
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- Audio: Mängel im AKW im belgischen Tihange: Gefährdung auch für NRW? (04.10.2012) Steffi Neu / Karin Schneider, WDR 2 Westzeit
Die belgischen Atomkraftwerke Tihange und Doel seien nur 60 beziehungsweise 120 Kilometer von der nordrhein-westfälischen Grenze entfernt, hieß es. Bei einem schweren nuklearen Unfall würde je nach Windverhältnissen die radioaktive Belastung in NRW in kürzester Zeit ansteigen. Auch das dicht besiedelte Ruhrgebiet könnte betroffen sein. Bereits in Vergangenheit habe es im Kraftwerk Tihange Leckagen im Abklingbecken und in Doel Risse im Reaktorbehälter gegeben. Die Blöcke Tihange 2 und Doel 3 seien vorübergehend nicht am Netz.
Stand: 04.10.2012, 12.53 Uhr
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