Der Blitzmarathon: Nachhaltige Wirkung
Mit dem Blitzmarathon wird nicht nur eine abschreckende Wirkung erzielt – er kann auch einen allgemeinen Sinneswandel des Verkehrverhaltens anregen, so der Verkehrspsychologe Bernhard Schlag im Interview mit WDR 2.

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"Nachhaltige Wirkung": Prof. Dr. Bernhard Schlag von der TU Dresden sagt, dass Blitzkontrollen das Verkehrsverhalten auch nachträglich beinflussen können.
WDR 2 Moderator Helmut Rehmsen: Sind solche Blitzmarathonaktionen sinnvoll – oder wäre es nicht sinnvoll, grundsätzlich ans "Rasen" ranzugehen, beispielsweise mit Tempolimits?
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- Audio: Verkehrspsychologe zum Blitzmarathon: "Die Aktion kann das Verkehrsverhalten ändern" (24.10.2012) Helmut Rehmsen / Prof. Dr. Bernhard Schlag, WDR 2 Morgenmagazin
Professor Dr. Bernhard Schlag: Tempolimits machen solche Überwachungen nicht überflüssig. Manche meinen, sie würden die Notwendigkeit von verstärkter Überwachung noch einmal unterstützen. Aber man kann sich natürlich zusätzlich zu Überwachungen und Kontrollen, die Strafen von vorneherein so zu gestalten, dass es gar nicht möglich ist, die Geschwindigkeit zu sehr zu übertreten.
Beispielweise durch Bremsschwellen?
Schlag: Das sind eigentlich schon relativ grobmaschige Maßnahmen. Man kann das auch geschickter angehen, durch stärker auf die Wahrnehmung der Menschen abzielende Maßnahmen. Wir gehen ja zum Beispiel eine Kurve als Autofahrer enger oder weiter an, schneller oder langsamer – je nachdem, wie wir diese Kurve wahrnehmen. Man kann die Kurven so gestalten, dass die Autofahrer diese Kurven vorsichtiger angehen.
Genau so haben sie im innerstädtischen Bereich die Möglichkeit, durch gestalterische und bauliche Maßnahmen das Verhalten beeinflussen – möglicherweise nachhaltiger als mit negativen Sanktionen.
Prävention wäre also eine Alternative. Gäbe es nicht auch die Möglichkeit, Bürger stärker einzubinden, um für bestimmte Geschwindigkeitslimits auch mehr Verständnis zu wecken?
Schlag: Genau. Ich denke, wir sind auch auf dem Weg dahin. Wir haben ja in Deutschland durchaus eine Diskussion, die über die Sinnhaftigkeit von hohen Geschwindigkeiten geführt wird. Und ich denke, diese Diskussion hat starke aufklärerische Wirkung. Und es melden sich auch die zu Wort, die sagen: Sind wir nicht viel zu schnell unterwegs? Da wird also auch im Straßenverkehr auf eine gewisse Entschleunigung gedrängt, weil man die Städte auch lebbarer gestalten will. Wir sind ja weit weg von der autogerechten Stadt, aber wir haben noch kein richtiges Alternativmodell: Wie sollte denn die Stadt aussehen, wenn die Autos nicht die erste, sondern eine ganz nachgeordnete Rolle spielen?
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- Audio: 3. Blitzmarathon: Geschwindigkeit entscheidet oft über Leben und Tod (23.10.2012) Heike Knispel / Michael Mertens, WDR 2 Zwischen Rhein und Weser
Da kann man sicherlich viel machen, aber ich möchte betonen, das dies alles keine Alternativen sind, sondern das hier alles vielmehr zusammen gehört. Es gehört Überwachung dazu, sicherlich, es gehört die Gestaltung des Verkehrsumfeldes dazu, und es gehört auch das Bewusstsein der Menschen dazu: Was wollen sie eigentlich in den Städten, und was wollen sie eigentlich für eine Mobilität haben.
Kann der Blitzmarathon auch in der Hinsicht hilfreich sein, als dass der ja auch Menschen auf Gefahren hinweist und man damit sagt, hier, wo geblitzt wird - müsste man diese Straße, diesen Gefahrenpunkt nicht besser abfedern?
Schlag: Ich würde das sogar betonen. Wir haben ja gar nicht so viele Übertreter erwischt, auch, weil natürlich vorher Öffentlichkeit über die Blitzaktion hergestellt wurde und die Leute darüber informiert wurden, wo geblitzt wird. Das ist gar nicht die einzige Absicht, die diese Art der Überwachung hat, sondern sie soll das Thema in den Köpfen verankern. Sie soll eine andere Einstellung zur Regelbeachtung, aber auch zum Geschwindigkeitsverhalten insgesamt mit sich bringen.
Stand: 24.10.2012, 07.22 Uhr
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