Versuchte Einflussnahme: Offenbar kein Einzelfall
Die Medien-Affäre in Bayern dauert an: Diesmal geht es um einen Fall von 2011, um das CSU-geführte Umweltministerium und den Bayerischen Rundfunk. Der Sender sieht keine Einflussnahme, doch die Opposition fordert Konsequenzen.
Die Sprecherin des bayerischen Finanzministeriums, Ulrike Strauß, bestätigte am Samstag (27.10.2012) einen Bericht einer Tageszeitung, wonach sie im März 2011 beim BR einen Fernsehbericht monierte.

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Schatten auf der CSU: Der Umgang mit den Medien führte zur Strepp-Affäre
Strauß: "Eigenständig entschieden"
Sie habe "eigenständig entschieden", beim BR anzurufen, sagte Ulrike Strauß. "Ich hatte keinen Auftrag und habe niemanden informiert." Außerdem habe sie nicht gedroht, ergänzte Strauß. Die Sprecherin betonte, dass ihr Anruf am 17. März 2011 erst nach der BR-Nachrichtensendung "Abendschau" erfolgt sei.

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Der Journalist Werner Sonne am Telefon
Werner Sonne: "Journalisten müssen Unabhängigkeit bewahren"
Audio
- Audio: Journalist Werner Sonne zum Fall Strepp: "Wir Journalisten müssen Rückrat zeigen" (27.10.2012) Werner Sonne / Uwe Schulz, WDR 2 am Samstag
Journalist Werner Sonne, ehemaliger ARD-Hauptstadt-Korrespondent, erklärte in WDR 2 am Samstag, er fühle sich an die 1970er und 80er Jahre erinnert, da zwischen der CSU und manchen bayerischen Medien eine sehr enge Verflechtung bestanden habe. Doch eigentlich sei diese Zeit überwunden, betonte Sonne. Es sei sicher nicht der Alltag, dass es deutliche Versuche der Einflußnahme von Politikern gebe, dennoch wisse er, dass es durchaus immer wieder Beschwerden bei Redaktionen gebe. "Das ist bis zu einem gewissen Grad normal und sogar legitim. Auch diejenigen, die sich von uns, den Journalisten, angegriffen fühlen, haben durchaus das Recht, sich zu beschweren, sich dazu kritisch zu verhalten", hob Sonne hervor. Wichtig sei, dass sich Vorgesetzte vor ihre Mitarbeiter stellten. Das alles Entscheidende sei jedoch: "Wie reagieren wir, die Journalisten, die wir doch ein großes Maß an Freiheit haben?" Der Fall Strepp sei ein nicht zulässiger Versuch, die Pressefreiheit einzuschränken. In solchen Fällen müssten Journalisten Rückrat zeigen und ihre Unabhängigkeit bewahren, so Sonne.
SPD: Kein Einzelfall
- Audio: Neue Medienaffäre in Bayern sorgt für Schlagzeilen (27.10.2012) Sissi Pitzer, WDR 2 Der Tag
- Stepp-Affäre: Fragen nach dem Rücktritt [BR]
Am Donnerstag hatte CSU-Sprecher Hans Michael Strepp seinen Posten niedergelegt, nachdem bekannt geworden war, dass er beim ZDF Einfluss auf die Berichterstattung über die Wahl von Christian Ude zum SPD-Spitzenkandidaten für die bayerische Landtagswahl im Jahr 2013 nehmen wollte. Der Anruf von Söders Sprecherin zeige, "dass der Fall Strepp kein Einzelfall ist", erklärte der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion Thomas Oppermann.
Stand: 27.10.2012, 14.17 Uhr
Audios zur Strepp-Affäre
- Audio: Rücktritt von CSU-Sprecher Strepp: Aussage steht gegen Aussage (25.10.2012) Peter Kveton., WDR 2 Der Tag
- Audio: Michael Konken (DJV-Bundesvorsitzender): Strepps versuchte Einflussnahme ist Angriff auf die Pressefreiheit (25.10.2012) Tom Hegermann, WDR 2 Mittagsmagazin
- Audio: CSU-Sprecher Strepp: Rückzug, aber kein Schuldeingeständnis (25.10.2012) Rudolf Erhard / Tom Hegermann, WDR 2 Mittagsmagazin
- Audio: CSU-Sprecher soll mit Anruf gegen Bericht über SPD interveniert haben (25.10.2012) Nikolaus Neumaier, WDR 2 Morgenmagazin
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