Gesundheits-Check-up Wenig sinnvoll

Von Christina Sartori

Ein regelmäßiger Check-up beim Hausarzt bringt weniger als erhofft. Das haben dänische Forscher bei der Auswertung von 14 Studien mit mehr als 180.000 Menschen festgestellt.

Wer in Deutschland gesetzlich versichert ist, dem bezahlt die Krankenkasse ab dem 35. Geburtstag alle zwei Jahre einen "Gesundheits-Check-up", quasi eine Inspektion: Neben der körperlichen Untersuchung werden Urin und Blut unter anderem auf Zucker- und Cholesteringehalt getestet und der Blutdruck wird kontrolliert. Das klingt vernünftig, schließlich kommt auch das Auto regelmäßig zur Inspektion. Aber jetzt kommt eine skandinavische Studie zu einem anderen Ergebnis.


Stethoskop auf einem EKG-Ausdruck in einer Arztpraxis
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Kassen zahlen den Gesundheits-Check-Up ab 35, aber eine dänische Langzeitstudie zweifelt jetzt dessen Sinnhaftigkeit an

"Generelle Untersuchungen von Gesunden haben keinen Nutzen"


Die Übersichtsarbeit der renommierten Cochrane Collaboration (Nordic Cochrane Centre, Dänemark), die mehrere Studien zusammen auswertet, kommt zu dem Ergebnis: Generelle Untersuchungen von gesunden Menschen, die keine Beschwerden haben, scheinen keinen Nutzen zu haben. "Gesundheits- Check-ups" haben weder dazu geführt, dass Menschen länger leben, noch dass sie seltener ins Krankenhaus müssen oder dass sie seltener invalide sind.

Wie kann das sein?

Die Autoren nennen mehrere Gründe: Zum Einen gehen zu solchen Gesundheits-Check-ups meistens gerade die Menschen, die sowieso auf ihre Gesundheit achten und ein geringeres Risiko haben, zu erkranken. Menschen, die z.B. rauchen, oder trinken, oder großes Übergewicht haben, deren Gesundheit also eher gefährdet ist, gehen dagegen eher selten zum Arzt. Zum Anderen: Wenn man einen gesunden Menschen gründlich untersucht, dann findet man immer etwas, was von der Regel abweicht. Aber in vielen Fällen kann der Betroffene damit gut leben – auch ohne Behandlung. Eine dritte Erklärungsmöglichkeit der Autoren: Patienten, bei denen etwas Ernsthaftes vorliegt, werden oft schon beim normalen Arztbesuch genauer untersucht, nicht erst beim Gesundheits-Check-up – weil der Arzt oder der Patient einen Verdacht haben.

Gilt das auch für Krebsfrüherkennung?

NEIN! In der skandinavischen Studie wurde die Wirkung von regelmäßigen Untersuchungen auf verschiedene, mehrere Besonderheiten hin untersucht. Das ist etwas anderes, als z.B. zur Darmkrebs-Früherkennung zu gehen: Bei der Darmkrebs-Früherkennung in Deutschland wird eine bestimmte Gruppe von Menschen – nämlich alle älter als 55 Jahre – die aufgrund des Alters ein erhöhtes Risiko für Darmkrebs haben, untersucht. Solche spezifischen Untersuchungen, auf eine konkrete Krankheit hin, wurden nicht mit in die skandinavische Studie einbezogen. Da geht es um Untersuchungen, die mehrere Faktoren gleichzeitig abklären: Abtasten des Körpers, Blutzuckerspiegel, Proteingehalt im Urin, usw. Für die Darmkrebsfrüherkennung gibt es Studien, die darauf hinweisen, dass sie die Sterblichkeit senkt.

Zeit für ein neues Denken?

Die dänische Studie widerlegt eine heutzutage typische Annahme: Dass in der Medizin "viel" bzw. "mehr" Untersuchungen besser sind und helfen gesund zu bleiben. Das ist ein recht neuer Gedanke in der Medizin – und anscheinend stimmt er so nicht. Wer viel sucht, der findet auch viel – aber oft kommt der Körper mit den Abweichungen gut klar. Kein Körper ist perfekt, alle Körper weichen etwas vom Durchschnitt ab – ohne deswegen gleich krank zu sein.

Die Konsequenz

Die Autoren der Studie halten solche generellen Gesundheits-Check-ups von gesunden Menschen für überflüssig. Sie betonen aber, dass damit nicht gemeint ist, dass ein Patient genauer untersucht wird, wenn er Beschwerden hat oder wenn dem Arzt etwas auffällt. Ihre Schlussfolgerungen gelten auch nicht für Untersuchungen der Krebsfrüherkennung, bei der nach einer spezifischen Krankheit gesucht wird.

Ausnahme: Senioren

Es gibt noch eine Ausnahme: Die Ergebnisse und Schlußfolgerungen der skandinavischen Studie gelten nicht für Senioren: Dazu, ob Senioren solche Gesundheitsprüfungen nutzen, haben die Autoren einige Studien extra ausgewertet – und da zeigte sich sehr wohl ein Nutzen: Hier führten solche Check-ups dazu, dass Senioren länger zu Hause wohnen konnten, seltener ins Pflegeheim umziehen mussten und dass sie seltener stürzten.

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Stand: 17.10.2012, 16.49 Uhr