Gewalt wegen islamfeindlichem Film: USA ziehen Botschaftspersonal ab
Die gewalttätigen Proteste gegen den anti-islamischen Schmähfilm könnten weitreichende Folgen haben. Die US-Regierung geht offenbar nicht davon aus, dass sich die Lage schnell beruhigt. Auch Berlin hat reagiert und einen Teil des Botschaftspersonals abgezogen.
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Frauen halten den Koran in der Hand und protestieren vor der Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem gegen den Film "Innocence of Muslims" (Fotostrecke 1)
Nach gewaltsamen Angriffen auf ihre Vertretungen in Tunesien und dem Sudan ziehen die USA bis auf eine Notbesetzung alles Personal aus den dortigen Botschaften ab. Zugleich warnte das US-Außenministerium am Samstag (16.09.2012) vor "Reisen nach Tunesien zum jetzigen Zeitpunkt" und der"anhaltend kritischen" Lage im Sudan.
Auch Deutschland reagiert
Nach dem Angriff radikaler Muslime auf die deutsche Botschaft im Sudan zieht die Bundesregierung einen Teil der Mitarbeiter ab. Das Personal in der Hauptstadt Khartum werde ausgedünnt, teilte das Auswärtige Amt mit. Zudem würden zusätzliche Sicherheitskräfte entsandt. Derzeit sei die Lage zwar gespannt, aber ruhig, erklärte eine Sprecherin. Die Reisehinweise für das Land wurden verschärft. Es werde zu besonderer Vorsicht geraten und empfohlen, den Bereich um die deutsche Botschaft zu meiden, sagt die Sprecherin.
Friedrich will Aufführung in Deutschland verhindern
Bundesaußenminister Guido Westerwelle forderte die Regierung in Khartum in scharfer Form auf, die Sicherheit deutscher Staatsbürger zu gewährleisten. Unterdessen will Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich eine Aufführung des islamfeindlichen Films, der die weltweiten Proteste ausgelöst hatte, in Deutschland verhindern.
Tagelange Gewalt
Aus Wut über den in den USA produzierten Film, in dem der Prophet Mohammed verunglimpft wird, hatten gewalttätige Demonstranten in vielen islamischen Ländern seit vergangenem Dienstag US-Botschaften und Vertretungen anderer westlicher Länder angegriffen. Im libyschen Bengasi waren der US-Botschafter und drei weitere Amerikaner getötet worden. Am Freitag war die deutsche Botschaft in der sudanesischen Hauptstadt Khartum angegriffen und zum Teil in Brand gesteckt worden. Nach einem Zeitungsbericht war der deutsche Botschafter in Khartum vor den bevorstehenden Krawallen gewarnt worden.
US-Polizei verhört mutmaßlichen Macher des Films
Die US-Polizei vernahm am Samstag den mutmaßlichen Macher des islamfeindlichen Internetvideos, das in der muslimischen Welt heftige Proteste und Gewalt auslöste. Zu seiner Tarnung verhüllte sich der Mann mit Mantel, Hut, Schal und Brille, als er für das Verhör von Polizisten aus seinem Haus im kalifornischen Cerritos abgeholt wurde. Der Polizei zufolge sollte geprüft werden, ob Nakoula gegen Gesetze verstoßen habe. Die Vernehmung dauerte demnach aber nur kurz. Was dabei herauskam, war zunächst nicht klar.
Stand: 16.09.2012, 17.48 Uhr
- Audio: Der Tag nach den schweren Auseinandersetzungen in der arabischen Welt (15.09.2012) Peter Steffe, WDR 2 Der Tag
- Audio: Krawalle gegen den islamfeindlichen Film: Aufruhr von Tunesien bis in den Jemen (15.09.2012) Peter Steffe, WDR 2 Morgenmagazin
- Audio: Außenminister Guido Westerwelle verurteilt Angriff auf deutsche Botschaft im Sudan (14.09.2012) Jochen Zierhut, WDR 2 Der Tag
- Audio: Nahost-Experte: "Hasspropaganda fundamentalistischer Christen in den USA" (14.09.2012) Günter Meyer, Nahost-Experte an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz / Katrin Schmick, WDR 2 Morgenmagazin
- Audio: Proteste gegen islamfeindlichen Film: Gewaltsame Demonstrationen gehen weiter (13.09.2012) Gerd Tille / Peter Steffe, WDR 2 Der Tag
- Audio: Unruhen in Ägypten und Lybien: US-Botschafter stirbt bei Protesten gegen islamfeindlichen Film (12.09.2012) Tom Hegermann / Björn Blaschke, WDR 2 Mittagsmagazin
- Audio: Proteste gegen islamfeindlichen Film: Deutsche Botschaft im Sudan gestürmt (14.09.2012) Ulrich Leidholt, WDR 2 Der Tag
- Audio: US-Reaktionen auf Ermordung des Botschafters in Lybien (12.09.2012) Martin Ganslmeier, WDR 2 Der Tag
- Audio: Proteste gegen islamfeindlichen Film: Demonstranten stürmen deutsche Botschaft im Sudan (14.09.2102) Cathrin Brackmann / Peter Steffe, WDR 2 Zwischen Rhein und Weser
- Audio: Proteste gegen islamfeindlichen Film: US-Botschaft im Jemen gestürmt (13.09.2012) Annette Wieners / Peter Steffe, WDR 2 Mittagsmagazin
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