Nationaler IT-Gipfel in Essen Sorgen um Datensicherheit

Zahlreiche Spitzenpolitiker waren am Dienstag (13.11.2012) in Essen zum nationalen IT-Gipfel erschienen. Auf Einladung von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) diskutieren Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft über Deutschland als Standort von Informationstechnologie.


Schwerpunkte bei dem Treffen sind die Themen Digitalisierung, Vernetzung und Internet-Start-Ups. Ein weiteres wichtiges Thema ist auch der Fachkräftemangel in der IT-Wirtschaft. Über 40 000 Stellen sind aktuell unbesetzt. Auch das Problem Sicherheit in Netzwerken wird diskutiert werden.


IT-Gipfel in Essen: Ausschnitt des Logos

Ulrich Lepper, NRW-Datenschutzbeauftragter, bei WDR 2:
"Datenschutz funktioniert nicht, wenn Nutzer nichts tun"


Ein wichtiges Thema beim IT-Gipfel ist die Datensicherheit beim mobilen Surfen mit Smart- und Iphones. Ein Beispiel für die Problematik stellen die so genannten Kompaktprogramme für Smartphones dar, die Standorte melden oder auf das Telefonbuch des Nutzers zugreifen, ohne dass dieser davon Kenntnis hat. Ulrich Lepper, Datenschutzbeauftragter des Landes NRW, fasste das Problem im WDR 2 Morgenmagazin so: "Da sind die Apps, von denen beim Herunterladen Daten abgefragt werden, die für das Bestellen gar nicht notwendig sind." Auch bei Spielen müssten mitunter, um Spieler zu aktivieren, Daten preisgegeben werden, worüber die Nutzer beim Kauf nicht informiert werden. "Das hat mit Transparenz überhaupt nichts zu tun, und es ist die entscheidende Frage, dass dies nun geregelt wird", so Lepper. Ein dringender Appel des Datenschutzbeauftragten richtet sich jedoch auch an die Nutzer: "Die Vorkehrungen, die man selbst treffen kann, sind natürlich ganz wichtig. Datenschutz funktioniert überhaupt nicht, wenn die Betroffenen selbst nichts tun", betonte er. "Deswegen legen wir auch großen Wert auf Kentnisse über Einstellungen [...], dass bekannt ist, wie man damit umgehen kann." Es gehe nicht darum, die Verarbeitung von Daten zu verhindern, es müsse nur sichergestellt sein, dass derjenige, dessen Daten verarbeitet werden, auch eine Entscheidung darüber treffen kann, dass er aufgeklärt und informiert ist. Das setzt auch Vorkehrungen in eigener Verantwortung voraus." Daher seien gesetzliche Regelungen notwendig, die die Richtung aufzeigen.

Digitale Revolution als Wachstums-Motor für Deutschland?


Mit dem IT-Gipfel will die Bundesregierung in Zusammenarbeit mit Wirtschaft und Forschung den Standort Deutschland stärken. Bei dem Treffen sollen Konzepte vorgestellt werden, wie die IT-Branche als Wachstums-Motor gestärkt wird. Das Potential dafür durchaus da ist, erklärte im WDR 2 Mittagsmagazin DR. Christian Nagel, der als Mitbegründer und Partner der Risikokapital-Firma "Earlybird Venture Capital" die so genannte digitale Revolution noch lange nicht am Ende sieht. Deutschland hinke noch hinterher, doch Berlin sei bereits nach dem kalifonischen Silicon Valley der Ort mit den zweitmeisten Neugründungen weltweit. Das müsse die deutsche Politik nur zu Nutzen lernen, so Nagel.

Merkel will für Telemedizin werben

Deutschland sollte nach der Ansicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) unter anderem ein Standort für Telemedizin sein. "Ich glaube, diese Branche hat ein Riesenpotenzial, noch entwickelt zu werden", so Merkel. Dafür müsse der Ausbau schneller Breitbandverbindungen vor allem im ländlichen Raum weitergehen. "Aber die Telemedizin muss auch akzeptiert werde von den Ärzten." Dafür wolle sie in Essen werben. Sie wird auch zum zum Abschluss des Kongresses sprechen.

Spitzenpolitiker kommen zum IT-Gipfel


Beim Gipfel stellen sich neben Merkel, zudem Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP), Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) und Justizministern Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) dem Dialog.

Mehr Sicherheit im Netz schaffen

Im Kampf gegen Angriffe auf staatliche und private Netzwerke kündigte Innenminister Friedrich gesetzliche Melde- und Kommunikationspflichten für Netzbetreiber und Dienste-Anbieter an. "Deutschland wird - wie jedes Land - immer mehr abhängig von der Funktionsfähigkeit von Netzen", so Innenminister Friedrich.


Stand: 13.11.2012, 08.45 Uhr