WDR 2 Klartext zum EU-Gipfel Kleinliche Krisenpolitik

Von Leon Stebe

Ach, Europa. Noch vor einer Woche wurdest Du für Deine Visionen ausgezeichnet. Jetzt dauerte es gerade einmal eine Woche, bis der Glanz Deines Friedensnobelpreises fast komplett verschwunden ist.


Zwei Männer jubeln unter einer extrem großen EU-Fahne.
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Verleihung des Friedensnobelpreises an die EU - große Sache?


Die Staats- und Regierungschefs sind wieder im Klein-Klein der Krisenpolitik angekommen. Und sie schaffen es gerade einmal, sich zu einem Scheinkompromiss durchzuringen. Jetzt soll also die Bankenaufsicht kommen. Merkel und Hollande haben sich aufeinander zu bewegt, heißt es. Ist doch alles gut?!

Ist es leider nicht! Denn: Wann genau die Bankenkontrolle steht, weiß niemand. Irgendwann im Jahr 2013 – vielleicht. Oder auch nicht.

Denn: Berlin und Paris interpretieren den Beschluss höchst unterschiedlich. Und der Kompromiss verdeckt den alten Streit: Deutschland fordert zunächst strenge Regeln und bietet erst dann Solidarität an.

Frankreich will es umgekehrt. Erst das Geld – und dann vielleicht mehr Kontrolle. Hätten sich die Gründungsväter der EU so gestritten, so verfranzt und gegenseitig so blockiert – wahrscheinlich wäre nie etwas aus der Europäischen Gemeinschaft geworden.

Übrigens: EU-Ratspräsident Van Rompuy hat vorgeschlagen, dass alle 27 EU-Regierungschefs an der Verleihung des Friedensnobelpreises teilnehmen sollen. Eine gute Idee finde ich das – möglicherweise gewinnen die EURO-Retter ja während der Zeremonie in Olso die Erkenntnis, dass Europa eine neue Vision braucht. Eine gemeinsame Idee gegen die Dauerkrise, EINE Strategie – hinter der alle stehen. Sowohl die Reichen, als auch die klammen Staaten.

Doch Europa ist weit davon entfernt – und das ist alles andere als preisverdächtig!

 


Stand: 19.10.2012, 17.02 Uhr