WDR 2 Klartext zum Rückgang bei Organspenden Tragischer Vertrauensverlust

Von Horst Kläuser

Durch den Organskandal ist viel Vertrauen erschüttert worden, die tragische Konsequenz zeigt sich in einem drastischen Rückgang von Spenden. Doch neues Vertrauen können nur Ärzte schaffen, nicht Gesetze.

Ein neues Gesetz schafft noch kein Vertrauen. Ab morgen gilt die Entscheidungslösung bei der Organspende. Ich muss aktiv "ja" sagen, wenn ich nach meinem Tod ein Organ zur Verfügung stellen möchte. Glauben Sie bloß nicht, dadurch sei das Thema vom Tisch. Im Gegenteil.


Eine Mitarbeiterin der Deutschen Stiftung für Orantransplantation transportiert ein Spenderorgan in einer Kühlbox
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Spenderorgan in der Kühlbox


Vor einigen Monaten haben wir erfahren, dass verantwortungslose, vielleicht überehrgeizige Ärzte sich über alle Regeln hinweggesetzt haben. Sie implantierten Patienten Organe, meistens die Leber, die nach medizinischen Kriterien noch gar nicht dran waren. Man hatte sie künstlich kränker gemacht, Akten gefälscht, die klaren Regeln der Bundesärztekammer und von Eurotransplant umgangen. Das ist Betrug. Kriminell. Unethisch.

Der weitere Verdacht, dass andere Krankenhäuser sich selbst begehrte Spenderorgane verschafften oder gar Privatversicherten bevorzugt wurden, ist unerträglich. Er tut weh, schadet den todkranken Patienten, die vergeblich warten. Die Quittung haben wir schon: anstatt 100 Transplantation werden momentan nur 60  im Monat durchgeführt. Spender zögern, sagen "nein". Das heißt Tausende hoffen vergebens, sterben auf der Warteliste. Wer je in die gelben Augen eines schwerkranken Leberpatienten geblickt hat, seine dröge Papierhaut befühlte, das Elend erlebte, wenn sich ein Nierenkranker dreimal in der Woche zur Dialyse schleppt oder ein todkranker Herzpatienten verzweifelt nach Luft schnappt, weiß, dass wir handeln müssen. Denn morgen kann ich, können Sie, ihre Mutter, ihr Sohn ein neues Organ brauchen. Und dann?

Wir brauchen Vertrauen. Das können nur die Ärzte schaffen, nicht Gesetze. Sie müssen deutlich machen, dass sie mit schwarzen Schafen nichts zu tun haben wollen: Sie müssen sich strengen ethischen Regeln unterwerfen und ein Vier-, besser Sechs-Augen-Prinzip bei Untersuchungen und Vergaben einführen. Dann bin ich der erste, der wieder einen Spenderausweis unterschreibt.


Stand: 31.10.2012, 18.40 Uhr