WDR 2 Klartext zu Peer Steinbrück: Steinbrück will Beinfreiheit
Steinbrück verlangt Beinfreiheit. Er könnte auch Basta sagen. Die Partei wird es schon schlucken. Denn der Machthunger ist womöglich doch größer als das soziale Gewissen, meint Lioba Werrelmann im WDR 2 Klartext.

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Die SPD nominiert ihren Kanzlerkandidaten: Peer Steinbrück am 1. Oktober 2012 vor Journalisten
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- Audio: WDR 2 Klartext zum SPD-Kanzlerkandidaten Steinbrück: Beinfreiheit und Basta (02.10.2012) Lioba Werrelmann, WDR 2 Morgenmagazin
Peer Steinbrück ist eine wandelnde Wundertüte. Um das zu sehen, brauchte man sich nur die Pressekonferenz nach seiner Nominierung durch den Parteivorstand anzusehen. Steinbrück kann den verantwortungsbewussten Parteifunktionär geben, den fürsorglichen Familienvater, den Kasper. Er ist machthungrig, er ist selbstironisch, er ist ein Vollblut-Politiker, der mal eben so eine glänzende Analyse der derzeitigen politischen Umstände aus dem Ärmel schüttelt.

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Lioba Werrelmann
Peer Steinbrück ist unvorhersehbar und unsteuerbar. Der Politiker Steinbrück ließ sich noch nie bändigen, der Wahlkämpfer Steinbrück wird das erst recht nicht zulassen. Und das ist es, was Steinbrück meint, wenn er von seinen Genossen Beinfreiheit verlangt - die Freiheit, Wege einzuschlagen, die ihm richtig erscheinen. Voran zu stürmen, gerne auch allein. Zugleich beansprucht er die Freiheit, stur stehen zu bleiben, zu beharren auf dem, was ist. Steinbrück steht zur Agenda 2010, er steht zur Rente mit 67. Viele in der Partei, vor allem die Linken, die Jungen und die Frauen würden die Rente mit 67 gerne weiter abmildern. Am Tag von Steinbrücks Nominierung aber wurde das Thema Rente fix in eine Arbeitsgruppe abgeschoben. Ein Kompromiss wird schwierig.
Der SPD-Vorstand hat Steinbrück trotzdem einstimmig nominiert. Auch die Linken in der Partei setzen auf Steinbrück, und das aus einem einzigen Grund: Sie trauen ihm zu, die nächste Bundestagswahl für die SPD zu gewinnen. Steinbrück spricht von Beinfreiheit, er könnte auch Basta sagen. Das hat die Partei schon einmal geschluckt, und sie schickt sich an, es noch einmal zu tun. Der Machthunger ist womöglich doch größer als das soziale Gewissen.
Stand: 02.10.2012, 06.50 Uhr
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