WDR 2 Klartext zum Wehrbericht Eine einzige Anklage

Von Jochen Zierhut

Der Wehrbericht spricht eine deutliche Sprache, meint Jochen Zierhut. Er zeigt die Unfähigkeit von Verteidigungsministerium und Bundeswehrführung und die gravierenden Mängel in der Struktur der Bundeswehr.


Gruppe Bundeswehr Soldaten
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Alles ordentlich bei der Bundeswehr? Der Wehrbericht zeigt, dass viele Soldaten überlastet sind.

Er ist eine einzige Anklage – der Bericht des Wehrbeauftragten. Eine Anklage gegen die Unfähigkeit von Verteidigungsministerium und Bundeswehrführung wenigstens die schlimmsten Folgen der zu ehrgeizigen Bundeswehrreform und der Abschaffung des Wehrdienstes nicht auf dem Rücken der Soldatinnen und Soldaten lasten zu lassen.

Das Schlimme: Schon das Fazit der beiden Jahre davor war ähnlich ernüchternd. Die Grenzen der Belastbarkeit der Truppe sind erreicht, die Stimmung ist mies. Nicht, weil alle Weicheier sind oder weil manche Ausbilder die freiwilligen Wehrdienstler immer noch unzeitgemäß zu hart anfassen oder weil die Stube nicht schön genug ist.


Jochen Zierhut
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Jochen Zierhut

Nein, es sind gravierende Mängel in der Struktur und bei der Truppenführung unter denen alle leiden müssen. Verteidigungsminister de Maizière hat aus Kostengründen zahlreiche Standorte schließen lassen – die Folgen tragen wieder die Soldatinnen und Soldaten: Dramatische 70 Prozent von Ihnen sind zur Pendelei zwischen Wohn- und Dienstort - schon im Normaldienst - gezwungen. Die Trennungs- und Scheidungsrate ist extrem Hoch. Familie und Dienst sind kaum zu vereinbaren. Verteidigungsminister de Maizière forciert das Prinzip der Bundeswehr als Armee im Auslandseinsatz ohne jedoch gewährleisten zu können, dass das die Truppe nicht überfordert; weil die Einsatzführung es nicht schafft, etwa die Häufigkeit und die Dauer der Einsätze verträglich zu reduzieren.


Die Zahl der im Auslandseinsatz traumatisierten Truppenangehörigen hat im vergangenen Jahr einen traurigen Höchststand erreicht – und die Bundeswehr ist nicht einmal in der Lage, für ausreichend psychologischen Betreuung zu sorgen. Hört man all das, ist das Werbeversprechen "Bundeswehr – Karriere mit Zukunft" - etwa mit reißerischen Kampf-Videos - blanker Hohn.


Stand: 30.01.2013, 00.40 Uhr