WDR 2 Klartext zu "Luxusghettos" in NRW Appelle reichen nicht

Von Leo Flamm

NRW-Bauminister Michael Groschek beklagt einen Mangel an bezahlbarem Wohnraum und "Luxus-Ghettos" in Innenstadtlagen vieler NRW-Großstädte. Appelle reichen nicht, meint Leo Flamm im WDR 2 Klartext.


Häuserfassaden im Düsseldorfer Stadtteil Oberkassel
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Schöner wohnen? Schön wär's

In Nordrhein-Westfalen fehlen preiswerte Wohnungen. Der Bedarf wird auf über eine Million geschätzt. Trotzdem tut sich im sozialen Wohnungsbau fast nichts. Und die Politik reagiert hilflos oder desinteressiert. In Köln versucht man verstärkt alte Versäumnisse aufzuholen. Und Düsseldorfs OB Elbers schickt weniger zahlungskräftige Mieter einfach ins Umland.


Grund für die Misere ist einmal das historisch billige Baugeld am freien Markt. Investoren rufen deswegen die günstigen Fördergelder des Landes nicht ab. Und zweitens können Wohnungsbaugesellschaften, als Konsequenz daraus, im freien Wohnungsbau weit höhere Gewinne einstreichen.


Leo Flamm
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Dass Bauminister Groschek an die Städte appelliert, mehr preiswerten Wohnraum zu schaffen, ist richtig. Aber Appelle reichen nicht. Denn hier sind beide gefragt: Kommunen und Land. Den Städten muss Bauminister Groschek klar machen, dass ihre Wohnungsbaugesellschaften eine soziale Verantwortung haben, die sie auch wahrnehmen müssen. Geringverdiener und Studenten brauchen dringend bezahlbare Wohnungen. Die Konsequenz wäre, dass die Städte vor allem in den rheinischen Ballungszentren anders mit ihrem Bauland und ihren Liegenschaften umgehen, und dabei nicht nur auf Renditen schielen. Notfalls braucht es eine soziale Wohnungsquote.

Außerdem ist der Bauminister selbst gefragt: Er muss erstens mehr Fördergeld zu besseren Konditionen zur Verfügung stellen. Und, wichtiger noch, zweitens eine intelligente Stadtförderungspolitik entwickeln. Sie muss Verkehr, Städtebau und Wohnungsbau vernetzen und zusammen denken. Der Bauminister muss seine Rolle hier wahrnehmen – bisher geschieht das nicht.


Stand: 10.09.2012, 15.45 Uhr