Steigende Lebensmittelpreise "Ende der Fahnenstange erreicht"

Ob Gemüse, Obst oder Butter: Beim Einkauf müssen Verbraucher in Deutschland für ihre Nahrungsmittel deutlich tiefer in die Tasche greifen als vor einem Jahr.

Ulrich Schneider ist der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. Auf WDR 2 foderte er angesichts der stark gestiegenen Preise mehr Geld für Hartz IV-Empfänger.


Symbolbild: Das Wort 'Arm' aus Nudelbuchstaben auf einem Holzlöffel

Schneider: "Regelsätze anheben"


"Für Hartz IV-Empfänger heißt das im Klartext: Kein frisches Gemüse, kein frisches Obst, noch mehr Einschränkungen, noch mehr Spaghetti mit Eiern und was man so billig essen kann", erklärte Schneider die Lage der Sozialhilfe-Empfänger. "Das ist die bittere Realität." Er wies darauf hin, dass ein erwachsener Hartz-IV-Bezieher im Moment gerade 4,30 Euro am Tag für seine gesamten Mahlzeiten im Regelsatz erhalte, bei einem Sechzehnjährigen, der nicht viel weniger esse, seien es 3,60 Euro pro Tag und bei Kindern 2,30 Euro. "Schon damit kommt man nicht hin, wenn nun solche Preissteigerungen kommen, ist das Ende der Fahnenstange erreicht." Als Konsequenz forderte er mehr Geld für die Betroffenen: Der Regelsatz müsse daher von derzeit 382 Euro auf 437 Euro erhöht werden.

Spürbar teurer: Butter, Milch, Kartoffeln, Äpfel

Die höheren Lebensmittelpreise trieben die Inflationsrate im Juli auf den höchsten Stand seit Dezember 2012. Sie stieg von 1,8 Prozent im Vormonat auf 1,9 Prozent. Dabei müssen Verbraucher für Lebensmittel von Obst über Gemüse und Milch bis zum Fleisch deutlich mehr bezahlen als ein Jahr zuvor. Spürbar teurer wurden etwa Butter (plus 30,8 Prozent), Kartoffeln (plus 44,4 Prozent), Äpfel (plus 22,3 Prozent) oder H-Milch (plus 18,2 Prozent).

Ursache: Hiesiges Wetter, Veränderungen auf dem Weltmarkt

Als Ursache für die Preissteigerungen gelten der lange kalte Winter, das verregnete Frühjahr und auch die Überschwemmungen im Frühsommer. Auch Missernten und Schwankungen am Weltmarkt dürften eine Rolle spielen. Nach Angaben des Handelsverbandes HDE ist nicht damit zu rechnen, dass der Druck auf die Lebensmittelpreise in den kommenden Monaten nachlassen wird: "Wir haben nicht nur Wetterkapriolen, die die Ernten beeinträchtigen, sondern durch den wachsenden Wohlstand in Schwellenländern wie China auch eine steigende Nachfrage nach Agrar-Rohstoffen".


Stand: 14.08.2013, 12.23 Uhr