Islamfeindliches Mohammed-Video Kopfgeld ausgesetzt

Pakistans Eisenbahnminister hat zum Mord am Macher des Schmäh-Videos aufgerufen. Er spreche damit aber nicht für die Mehrheit der Pakistaner, sagte Pakistan-Kenner Hasnain Kazim bei WDR 2.


Eisenbahnminister Ghulam Ahmad Balor setzte ein Kopfgeld in Höhe von 100.000 Dollar auf den "Gotteslästerer" aus. Er rief die Kämpfer der radikalislamischen Taliban und des Terrornetzwerks Al-Kaida dazu auf, "ihre heilige Pflicht" zu erfüllen, den Produzenten des Videos ausfindig zu machen und zu töten. Die Regierung distanzierte sich inzwischen von den Äußerungen des Ministers. Dies spiegele nicht die offizielle Haltung der Regierung wider, hieß es am Montag (24.09.2012) in einer Stellungnahme des Außenministeriums. Auch Bilours Nationale Partei Awami (ANP) hatte sich von den Äußerungen des Ministers distanziert.


Anhänger der pakistanischen Jamiat Ahl e Hadith-Partei protestieren gegen das Anti-Islam-Video in Karachi

Spiegel-Korrespondent Kazim bei WDR 2: Großer Immageschaden


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Der Aufruf von Minister Balor sei Kalkül gewesen, denn dieser sei vermutlich selbst von den Protesten seiner Landsleute in den vergangenen Tagen betroffen gewesen, sagte Spiegel-Korrespondent Hasnain Kazim im WDR 2 Morgenmagazin. Balor sei nicht nur Eisenbahnminister, sondern auch noch ein reicher Geschäftsmann, der unter anderem Kinos betreibe. Eines seiner Kinos sei bei den Protesten in Flammen aufgegangen. Deshalb, so die aktuellen Spekulationen, habe Balor aus der Wut heraus diese Aussage gemacht. Der Großteil der pakistanischen Bevölkerung sei angesichts des Mordaufrufs ihres Minister sprachlos gewesen, berichtete Kazim weiter. Denn die Mehrheit der Pakistaner befürworte keine Gewalt, auch wenn der Mohammed-Film als Beleidigung empfunden werde. Mit dem Vorstoß des Eisenbahnministers sei auch das Bemühen der Regierung in Islamabad diskreditiert worden, sich von den Taliban und von Al-Kaida zu distanzieren. Das sei ein riesiger Immageschaden, der entstanden sei, betonte der Pakistan-Kenner.

Kritik an der pakistanischen Regierung

Obwohl die Regierung nach dem Mordaufruf Balors um Schadensbegrenzung bemüht war, riss die Kritik an ihrem Vorgehen nicht ab: Angesichts der stundenlangen Straßenkämpfe zwischen Demonstranten und Polizei mit 21 Toten am vergangenen Freitag hinterfragten viele in Pakistan die Krisenarbeit der Regierung. Unterdessen gingen die antiwestlichen Proteste als Reaktion auf das Schmäh-Video In Bangladesch und Nigeria weiter.

Pakistan nicht fallen lassen


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Der Mordaufruf des Ministers ist nach Einschätzung von WDR 2 Korrespondent Kai Küstner nicht Regierungslinie. Balor werde aber im Vorfeld der anstehenden Wahlen von seiner "hasenfüßigen Regierung" nicht entlassen, da man die Reaktion der Straße fürchte. Dem Westen bleibe indes keine andere Wahl, als das Land weiter zu unterstützen. Ließe man Pakistan fallen, würde es noch mehr in die Hände der "religiösen Rattenfänger" geraten.

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Stand: 24.09.2012, 14.10 Uhr