Neues Organspendegesetz Was sich für Spender ändert

Seit Donnerstag (01.11.2012) gilt bundesweit das neue Transplantationsgesetz. Zuletzt hatten Ärzte einen deutlichen Rückgang der Spendenbereitschaft beobachtet. Was sich für potentielle Spender ändert, erfahren Sie hier.


Eine Person im grünen Kittel trägt einen Styropor-Behälter mit der Aufschrift "Human Organ for Transplant" über einen Krankenhausflur
Bild 1 vergrößern +

Rund 12.000 Menschen warten in Deutschland auf ein Spenderorgan

Bisher musste man sich um einen Organspendeausweis bemühen oder sich gegenüber seinen Angehörigen erklären, wollte man zum Spender werden. Nun werden alle Versicherten ab 16 Jahren angeschrieben, informiert, mit einem Ausweis ausgestattet und zur Entscheidung aufgefordert.

Bis wann kommt die Post zur Organspende?


Mehr zum Thema

Die Krankenkassen haben ein Jahr Zeit. Die Techniker Krankenkassen will ihre Versicherten bis Ende des Monats versorgt haben. Andere Kassen halten sich noch zurück, denn das Thema Organspende erscheint derzeit nicht gerade imagefördernd.

Was sind die derzeitigen Probleme?


Der Verdacht auf eine regelwidrige, kriminelle und ungerechte Organvergabe in den Unikliniken Regensburg, Göttingen und München ist noch nicht völlig aufgearbeitet. Infolgedessen ist die Verunsicherung groß. In fast allen Regionen gibt es einen Rückgang bei den Organspendern - in den ersten drei Quartalen von 900 im Vorjahreszeitraum auf 829.

Muss man sich entscheiden?


Audio

Nein, man kann die Unterlagen auch ungelesen in den Müll werfen, ohne Sanktionen fürchten zu müssen. Das Ziel ist aber, dass sich mehr Menschen zur Spende nach dem Tod bereiterklären und dies auch dokumentieren. Denn täglich sterben drei von den 12.000 Patienten auf der Warteliste. In den kommenden Jahren sollen alle zwei Jahre weitere Massensendungen folgen. Später kann die Bereitschaft auch auf der elektronischen Gesundheitskarte dokumentiert werden - dann gilt ein Fünf-Jahres-Rhythmus.

Was ist zu bedenken


Audio

Man sollte sich vor Augen halten, was die Organspende für das Ende auf der Intensivstation bedeutet. Hirntote sind noch warm, das Herz schlägt noch, die Brust hebt und senkt sich. Wenn der Todkranke vorher eingewilligt hat, seine Organe zu spenden, müssen sich die Angehörigen jetzt - vor dem Eingriff - verabschieden. Ohne Organspende können Angehörige beim letzten Moment dabei sein. Dann können aber die Organe kein anderes Leben retten. Auch Patientenverfügungen müssen gegebenenfalls angepasst werden: Wer rundheraus ausschließt, dass er Apparatemedizin bekommen soll, schließt im Grunde auch die Organspende aus. Denn ist der Hirntod eingetreten, müssen Betroffene an Apparate angeschlossen werden, damit die Organe bis zur Entnahme funktionsfähig bleiben.

Wie viele Organe werden gespendet?


Mehr zum Thema

In Deutschland kommen auf eine Million Einwohner knapp 15 Spender. International liegt die Bundesrepublik damit im unteren Drittel. 2011 wurden 1200 Menschen nach dem Tod 3917 Organe entnommen - das waren 7,4 Prozent Spender weniger als im Vorjahr. Ein Spender kann bis zu sieben Kranken helfen. Nach dem Hirntod können Niere, Herz, Leber, Lunge, Dünndarm, Bauchspeicheldrüse und Gewebe gespendet werden. Auf dem Spenderausweis können bestimmte Organe angegeben werden. Es gibt aber auch Lebendspenden, etwa von Nieren.

Was soll gegen Manipulationen bei Spenderorganen helfen?

Ärzteschaft, Kliniken, Krankenkassen, Länder und Bundesregierung setzen auf verstärkte Kontrollen und Sanktionen - allerdings weitgehend im bisherigen System, in dem nicht der Staat, sondern die Selbstverwaltung im Gesundheitswesen die Fäden in der Hand hat. Kritiker fordern mehr staatliche Aufsicht über die Kliniken und die Organisationen, die für Organspende und -vergabe verantwortlich sind.


Stand: 02.11.2012, 00.00 Uhr