Juso-Vorsitzender Sascha Vogt bei WDR 2 "Rentenniveau beibehalten"

Zuschussrente oder Solidarrente - wie kann Altersarmut am besten verhindert werden? Bei WDR 2 kritisierte der Juso-Vorsitzende Sascha Vogt das von SPD-Chef Sigmar Gabriel vorgestellte Konzept einer Solidarrente.


Juso-Vorsitzender Sascha Vogt
Bild 1 vergrößern +

Will sich in die Rentendebatte einmischen: Juso-Vorsitzender Sascha Vogt


Audio

Gabriel hatte unter anderem vorgeschlagen, die betriebliche Altersvorsorge massiv auszubauen. Das beinhaltet, dass jeder Arbeitnehmer zwischen zwei und sechs Prozent seines Einkommens in den Betriebstopf für seine Rente zahlt. Diese Idee kritisierte Vogt im WDR 2 Gespräch scharf: "Mit dem Vorschlag sagt man, die Lasten des demografischen Wandels, die zusätzlichen Kosten, die entstehen, sollen alleine die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer tragen." Sein Vorschlag sei dagegen: "Lasst es uns über die gesetzliche Rentenversicherung machen." Da müssten Arbeitgeber und Arbeitnehmer paritätisch - also beide zu gleichen Teilen - diese Lasten tragen.

Vogt bei WDR 2: "Kapitaldeckung ist eine unsichere Anlage"

Vogt kritisierte zudem, dass die Betriebsrenten alle kapitalgedeckt seien. Dazu sagte er im Gespräch mit WDR 2 Moderatorin Katrin Schmick: "Ich glaube, gerade die Krise der vergangengen Jahre hat ja gezeigt, dass Kapitaldeckung auch immer eine sehr unsichere Anlage ist." Eventuell stünden die Beschäftigten am Ende des Tages ganz ohne Geld da. Ein weiterer Kritikpunkt der Jusos sei, dass für Gabriels Rentenmodell möglicherweise wieder "eine Riesen-Bürokratie" nötig sei: "Kriegt man das dann wirklich kontrolliert, dass es dann auch alle tun?"

Juso-Vorschlag: Rentenniveau nicht absenken

Sein Gegenvorschlag zur Betriebsrente sei, das gesetzliche Rentenniveau beim derzeitigen Stand zu belassen und nicht wie geplant bis 2030 auf 43 Prozent abzusenken. Man traue sich in der SPD offensichtlich nicht, eine Debatte darüber zu führen, wie man das dann finanzieren könne. "Es geht um die Frage: Sind wir bereit, dass im Jahr 2030 die Beitragssätze dann um zwei oder drei Prozentpunkte höher sind", so Vogt bei WDR 2.

Von der Leyen kompromissbereit


Im Streit um die richtigen Maßnahmen gegen Altersarmut hatte die SPD ihr Konzept der "Solidarrente" vorgestellt. Sozialministerin Ursula von der Leyen (CDU) zeigt sich bereits kompromissbereit und begrüßt den Vorschlag grundsätzlich. Sie schlägt eine parteiübergreifende Initiative gegen Altersarmut vor.

SPD für Mindestrente von 850 Euro


Sigmar Gabriel

Ähnlich wie die CDU will auch die SPD langjährig Versicherte mit einer Mindestrente von 850 Euro vor der Altersarmut bewahren. Hierfür plant sie einen massiven Ausbau der betrieblichen Altersvorsorge. Ein von einer Arbeitsgruppe um Parteichef Sigmar Gabriel erstelltes 33-seitiges Rentenkonzept sieht eine "Solidarrente" für Vollzeitbeschäftigte vor, die 30 Jahre Beiträge gezahlt haben. Die Kosten werden mit zunächst weniger als einer Milliarde Euro jährlich angegeben und sollten zusätzlich im Bundeshaushalt erwirtschaftet werden.


Stand: 10.09.2012, 07.10 Uhr