Anschlag auf Somalias neuen Präsidenten: "Es wird Angriffe geben"
Er ist erst zwei Tage im Amt, trotzdem muss Somalias neuer Präsident Hassan Scheich Mohamoud um sein Leben bangen. Der ehemalige Universitätsprofessor entging am Mittwoch nur knapp einem Sprengstoff-Anschlag.

-
Bild 1 vergrößern
+
Somalias neuer Präsident: Hassan Scheich Mohamoud bei seiner Vereidigung
Der erst am Montag (10.09.2012) gewählte Präsident wurde durch die beiden Explosionen nahe des von ihm bewohnten Hotels in Mogadischu nicht verletzt, teilte ein Sprecher der Mission der Afrikanischen Union in Somalia (AMISOM), Ali Houmed, am Mittwoch mit. Alle Menschen im Hotel seien unversehrt. Kurz nach den Explosionen bekannte sich die islamistische Shebab-Miliz zu dem Anschlag und drohte mit weiterer Gewalt.
Schebab-Milizen bekennen sich zu Anschlag
Diese hatte die Wahl am Dienstag (11.09.2012) als "feindlichen Akt" verurteilt, den neuen Präsidenten selbst aber explizit ausgenommen. "Wir sind verantwortlich für den Angriff auf den sogenannten Präsidenten und die Delegation", die bei ihm war, sagte ein Sprecher der Miliz, Ali Mohahmoud Rage, der Nachrichtenagentur AFP. "Es wird mehr derartige Angriffe geben, bis Somalia befreit ist".
Vom Parlament gewählt
- Audio: Hoffnung für Somalia: Präsidentenwahl endet mit Überraschungssieger (11.09.2012) Antje Diekhans / Stefan Vogt, WDR 2 Mittagsmagazin
Internationale Beobachter hatten das Ergebnis der Wahl begrüßt: "Ein Wechsel war überfällig", kommentiert der Somalia-Experte von "Brot für die Welt", Helmut Hess, "ein so klares Ergebnis könnte tatsächlich zur Stabilisierung Somalias beitragen". Emmanuel Kisangani vom Institut für Sicherheitsstudien sagt: "Viele Somalier sind von der Wahl begeistert." Mohamoud, bisher Dekan einer privaten Universität in Somalias Hauptstadt Mogadischu, wurde am Montagabend mit überwältigender Mehrheit von dem neuen somalischen Parlament gewählt. Eine allgemeine Wahl unter Beteiligung des Volkes war aus Sicherheitsgründen nicht möglich.
"Überraschend transparent"
Im Vorfeld der Wahl waren Korruption und Stimmenkauf immer wieder kritisiert worden. Vor allem der amtierende Präsident Scheich Scharif Achmed versuchte offenbar, seine Wiederwahl durch Stimmenkauf zu sichern. Ganz anders als befürchtet, sei der Wahlvorgang dann überraschend transparent gewesen, lobte Emmanuel Kisangani. "Deshalb kann keiner der Verlierer den Wahlsieg anfechten." Der geregelte Ablauf der Wahl ist für die Zukunft Somalias von großer Bedeutung. Denn die Möglichkeit, dass unterlegene Kandidaten Milizen mobilisieren, um ihre Machtansprüche durchzusetzen, gilt als eine der größten Herausforderungen für den neuen Präsidenten.
Stand: 12.09.2012, 16.17 Uhr
Seite teilen
Über Soziale Medien