Tag der Deutschen Einheit Festakt, Erinnern, Ausblick

Aufrufe zu mehr Solidarität und einer verstärkten Zusammenarbeit in Europa prägten in diesem Jahr die Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit. WDR 2 schaut aus verschiedenen Blickwinkeln auf diesen Tag.


Eine Menschenmenge auf dem Volksfest zum Tag der Deutschen Einheit in Berlin

Unterschiedliche Kommunikationsstrukturen in Ost und West


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Olaf Georg Klein, Coach und Kommunikationstrainer, ist auch Autor des Bestsellers "Ihr könnt uns einfach nicht verstehen - warum Ost- und Westdeutsche aneinander vorbeireden". Klein schreibt in seinem Buch: "Ich hoffe, dass sich in den nächsten Jahren ein größeres Verständnis zwischen den unterschiedlichen Kommunikationskulturen herausbildet." Immer noch gibt es Vorurteile von beiden Seiten: Denn oft bewegen sich Ost und West in ihrer jeweiligen Kommunikationskultur. "Schwierigkeiten gibt es erst wenn sich beide Kommunikationsstrukturen begegnen", so Klein. Auch Körpersprache spiele eine Rolle. Im Osten schaue man sich öfters und länger in die Augen, im Westen werde mehr Abstand gehalten. Olaf Georg Klein gibt aber auch Annäherungstipps: Akzeptieren, dass Andere anders sind und das Anders-Sein als Bereicherung empfinden. Gehe man vom Westen in den Osten, solle man etwas langsamer sprechen und in Gesprächen nicht so dominant auftreten.

Einheit auch für Menschen mit Migrationshintergrund?


Der Buchautor von "Kein Döner Land", Cem Gülay, sagte auf WDR 2 auf die Frage, ob Migranten die Einheit auch als ihre Einheit wahrnehmen: "Ja". Eine direkte Vernachlässiging Migranten gegenüber, weil viel Geld und Energie in die Einheit gesteckt wurde, sehe er nicht. "Das ist in Ordnung. Trotzdem haben sich Parallelwelten entwickelt, die außer Acht gelassen wurden – beispielsweise hat man zuwenig Generationen gesehen, nämlich nur drei. Es gibt aber schon sieben Generationen," sagte der Autor. Wichtig sei, die Sprache hundert Prozent zu beherrschen, da sehe er noch Probleme, die aber zu lösen seien. "Wenn man will, gibt es für alles einen Wendepunkt – mit den richtigen Leuten," so Gülay.

Fortschritte seit dem Fall der Mauer hervorgehoben


Beim offiziellen Festakt in München warnte Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) vor einer neuen Rivalität von Nationalstaaten als Reaktion auf die Euro-Schuldenkrise. Die Weiterentwicklung Europas liege "im deutschen Interesse". An dem Festakt in der Bayerischen Staatsoper nahmen auch Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angea Merkel (CDU) teil. Lammert hob die Fortschritte seit dem Fall der Mauer hervor. Zwar bleibe noch manches zu tun - "aber die Erfolge und Errungenschaften der Deutschen Einheit sind deutlich sichtbar".

Viele Blicke auf die Deutschen

Typisch deutsch - Korrespondenten haben nachgefragt: Für die Polen sind Wurst, Bier, Zweiter Weltkrieg typisch deutsch, aber auch Handel und Aufschwung assoziieren die Polen mit Deutschland. Und die positiven Ansichten überwiegen auch. So denken junge Polen nicht mehr an den Krieg, wenn sie Deutschland hören, sondern eher an einen Wirtschaftspartner. Viele Klischees gibt es in Amerika: Für US-Amerikaner sind wir sind Pünktlichkeitsfanatiker, effizient, steif und humorlos – lieben gutes Bier und schnelles Autofahren und - David Hasselhoff. Die Franzosen sind sogar etwas neidisch auf uns: Weil die Deutschen jetzt in der Krise etwas weniger Sorgen haben. Auch Angela Merkel punktet als sympathische Kanzlerin – und mit ihrem Arbeitsplatz: Berlin ist das Nonplusultra bei jungen Franzosen.

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Stand: 03.10.2012, 15.57 Uhr