Digitaler Wahlkampf in den USA: Mit App auf Stimmenfang
Am 6. November wird in Amerika gewählt. Anders als in früheren Wahlkämpfen müssen die Wahlkampfhelfer an der Basis nicht mehr ewig von Haustür zu Haustür tingeln, um mit Politik-Interessierten ins Gespräch zu kommen. Wahlkampf-Apps auf dem Smartphone machen es möglich - sie sind Info-Börse, Spendenplattform und Datensammelstelle in einem - und aus dem amerikanischen Wahlkampf nicht mehr wegzudenken.

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US-Präsident Barack Obama (l) und Mitt Romney
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- Audio: Apps im US-Wahlkampf: Obama und Romney kämpfen digital um Wähler (29.10.2012) Martin Ganselmeier, WDR 2 Westzeit
Vor vier Jahren war Barack Obama der erste Politiker, der mit E-Mails, SMS und coolen Internet-Angeboten ganz neue Wählerschichten für sich gewann. Eher altbacken wirkte damals der republikanische Kandidat John McCain, als er gestand, nicht einmal E-Mails zu schreiben. Vier Jahre später ist der digitale Wahlkampf nicht nur bei hippen Jungwählern, sondern mitten im Volk angekommen. Und eine wichtige Unterstützung für die Partei-Basis: "Wenn Du helfen willst, dass der Präsident gewinnt, musst Du diese App herunterladen!", werben die Demokraten für die App "Obama for America". Die bietet Videoclips aus Reden des Präsidenten, aktuelle Infos zu seinen Standpunkten und Veranstaltungstipps - alles auf die Region des Smartphone-Nutzers zugeschnitten: "Alle Fakten, die Du brauchst, lokalisiert für Dich!"
Praktischer Spende-Button
Wahlkampf mit dem Smartphone wird in wenigen Jahren Alltag sein, ist Michael Scherer, der Washington-Korrespondent des "Time Magazine" überzeugt: "Man spendet Geld mit dem Smartphone. Man registriert sich als Helfer und telefoniert damit". Besonders interessant findet der Korrespondent von Time Magazine den Spende-Button der Obama-App: Wer einmal seine Kreditkarten-Infos eingegeben hat, kann weitere Spenden zwischen 10 und 1.000 Dollar mit einem einfachen Tasten-Klick auslösen. "Das hat enormes Potential", sagt Scherer: "Man muss die Kreditkarten-Angaben nicht neu eingeben, sondern nur die Tastatur des Smartphones bedienen."
Romney setzt mehr auf das Fernsehen
Auch mit der Romney-Ryan-App kann man spenden, allerdings etwas umständlicher. Wie überhaupt die App der Republikaner weniger interaktiv, sondern text- und infolastiger ist. Romney setze eher auf das traditionelle Medium Fernsehen, sagt der Washington-Korrespondent des "Time Magazine", dort investiere er große Summen in Werbespots: "Romney ist einfach nicht der Typ, der Leute motiviert, eine App herunterzuladen, um damit Klinken zu putzen, es sei denn, sie gehören zu seinem Wahlkampfteam."
Obama führt im digitalen Wahlkampf
Auch wenn Romney aufgeholt hat - Barack Obama ist immer noch Meister des digitalen Wahlkampfes. Romneys Vorsprung bei Großspendern gleicht Obama durch Millionen Kleinspender aus. 20 Millionen folgen Obamas Botschaften auf Twitter. Romney hat nur eine Million Follower.
Was geschieht später mit den Daten?
Auch für diejenigen, die sich keinem Kandidaten zugehörig fühlen, gibt es nützliche Wahlkampf-Apps: zum Beispiel "Polltracker", eine App, die aktuelle Umfragen abbildet oder eine App namens "Ad Hawk" - zu deutsch "Werbungs-Falke". "Diese App nimmt den Ton eines Wahlspots vom Fernsehen auf", erklärt Tom Lee von der "Sunlight"-Stiftung für mehr Transparenz, "und gleicht ihn dann mit tausenden Spots in unserer Datenbank ab". Funktioniert also wie Apps, die Musiktitel erkennen. Daran werden auch Datenschützer keinen Anstoß nehmen. Wohl aber an den Apps von Obama und Romney. Denn was mit den vielen Daten später mal geschieht, das wollen sie kritisch beobachten.
Stand: 29.10.2012, 00.00 Uhr
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