WDR 2 Bücher - Mechthild Borrmann Der Geiger

Von Christine Westermann

Kein Kriminalroman im engeren Sinn, eher eine spannende historische Erzählung. Es geht um das Schicksal eines genialen Geigers in der Sowjetunion nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs - und das seiner Stradivari.

Die Handlung beginnt im Jahr 1948 in Moskau und endet mehr als 60 Jahre später in Köln. Am Anfang steht das Konzert des begnadeten und berühmten russischen Geigers Ilja Grenko. Als er nach tosendem Applaus in seine Garderobe zurückkehrt, wird er verhaftet. Und nie mehr gesehen. Auch seine wertvolle Geige, eine Stradivari, verschwindet auf Nimmerwiedersehen. Jahrzehnte später nimmt der Enkel Sascha die Spurensuche nach seinem Großvater auf. Unfreiwillig und notgedrungen, weil seine Schwester, von der er gar nicht wusste, dass sie noch am Leben ist, ihn dringend bittet, ihr zu helfen. Als er bei ihr ankommt, ist sie tot. Ermordet. Nein, mehr werde ich einfach nicht erzählen, es sei denn, wir machen diesen WDR 2 Buchtipp einfach einmal in Überlänge...


Ein Geiger allein in einer Philharmonie, im Hintergrund das Buchcover zu "Der Geig
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"Der Geiger" von Mechthild Borrmann

Die Bewertung


Deutscher Krimipreis 2012, dieser grüne Aufkleber fiel mir als erstes auf. Ich hatte große Lust, einen Krimi zu lesen, irgendwas nicht so Anspruchsvolles, einfach rein in den Sessel und mich in der Winterdämmerung von einer guten Geschichte wegtragen zu lassen. Denkste. Das mit dem sich gut unterhalten, hat zwar hervorragend geklappt. Aber dieser Roman ist kein Kriminalroman.
Es ist die unglaublich spannende Bestandaufnahme über die Zustände in der Sowjetunion nach Ende des Zweiten Weltkrieges. Wo Hunderttausende von Menschen, die dem Regime nicht geheuer waren, ins Arbeitslager kamen oder gleich spurlos verschwanden. Wo ganze Familie ausgelöscht oder in die Verbannung nach Sibirien oder Kasachstan geschickt wurden. Es ist fast ein historischer Roman, interessant und sehr gut erzählt. Drei Handlungsfäden laufen parallel, manchmal mutet das ein wenig kompliziert an. Aber man findet sich gut  zurecht und falls man doch mal nicht durchblickt, gibt es hinten im Buch ein Glossar mit Namen und Orten. Eine sehr unterhaltende Gesichte, genau richtig, um sich in der Winterdämmerung hinwegtragen zu lassen. Und nichts anderes wollte ich doch, oder?

Die Autorin

Mechthild Bormann bekam in diesem Jahr den deutschen Krimipreis mit ihrem Roman "Wer das Schweigen bricht". Insgesamt gibt es vier Kriminalromane von ihr. Ansonsten ist die Frau vielseitig. War Pädagogin, Choreographin, Gastronomin, hatte ein paar Jahre lang auch ein Restaurant in Bielefeld. Dort lebt sie derzeit auch, obwohl sie eigentlich ein kölsches Mädchen ist. Sie wurde 1960 in Köln geboren.

Mechthild Borrmann
Der Geiger
Verlag: Droemer
ISBN: 3426199254
Preis: 19,99 Euro


Stand: 23.12.2012, 00.00 Uhr