WDR 2 Bücher - Georg M. Oswald Unter Feinden

Von Antje Deistler

Kessel und Diller sind zwei Münchner Polizeibeamte. Sie ermitteln für die Terrorabwehr und haben ein Problem: Kessel ist auf Heroin. Diller und Kessel agieren undercover: Kriminalbeamte in Zivil. Dieses Buch auch. "Unter Feinden" ist ein Undercover-Gesellschaftsroman. Getarnt als Krimi. "Großartig", findet WDR 2 Bücher-Rezensentin Antje Deistler.


Ausschnitt aus dem Buch-Cover "Unter Feinden" von Georg M. Oswald
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Ausschnitt aus dem Buch-Cover "Unter Feinden" von Georg M. Oswald

Die Geschichte

Kessel und Diller, zwei Münchner Polizeibeamte. Alte Freunde und Kollegen. Der eine Familienvater mit Häuschen im eigentlich zu teuren Stadtteil, der andere ein kaputter Typ mit massivem Drogenproblem. Nicht der landläufige trinkende Kommissar à la Mankell und Konsorten, schlimmer: Kessel ist auf Heroin.

Die beiden ermitteln in der Terrorabwehr, denn eine internationale Sicherheitskonferenz steht bevor. Sie observieren eine verdächtige Wohnung im Münchner Westend, einem sozialen Brennpunkt mit hoher Ausländerquote. Kessel nutzt den Einsatz, um bei ein paar "Arabs" Stoff zu kaufen. Geht schief. Am Ende dieser Nacht liegt ein Junge halbtot im Krankenhaus, überfahren mit Dillers Auto, Kessel saß am Steuer. In München brechen Aufstände aus, die an die in London oder Paris erinnern. Gegen die Polizisten wird intern ermittelt, eine türkischstämmige Staatsanwältin macht Druck. Diller deckt Kessel, der völlig aus dem Ruder läuft. Und versucht gleichzeitig, die Münchner Sicherheitskonferenz vor einem Anschlag zu bewahren.


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Der Autor

Georg Martin Oswald ist Anwalt. Er praktiziert als Arbeitsrechtler in München. Und er ist Schriftsteller, ein hochangesehener dazu. Er schreibt Romane und Kriminalromane. "Unter Feinden", sein siebtes Buch, ist wieder ein Krimi – in der Jusitz kennt sich Oswald ja aus. Und in München, der Stadt, in der er lebt. Er zeigt ihre dreckige, vernachlässigte Seite, richtet den Blick auf die Viertel, die sozialen Sprengstoff bieten. Auf das Westend beispielsweise, einer Art Ghetto für Einwanderer, direkt neben der berühmten Theresienwiese. Dass in München nach Anteilen gemessen mehr Ausländer als in jeder anderen deutschen Stadt leben, über 36 Prozent, wissen sicher nicht viele.

Die Bewertung

Man sieht Menschen dabei zu, wie sie katastrophale Fehlentscheidungen treffen. Weiß die ganze Zeit: Das geht nicht gut, das fährt voll gegen die Wand. Man liest das Buch mit den Händen vor den Augen, nur noch gerade so durch die Finger blinzelnd, kann es aber auch nicht weglegen. Beobachtet fassungslos die Abwärtsspirale und versteht doch genau, was die Figuren treibt, warum sie nicht anders können.

Georg M. Oswald schafft absolut glaubwürdige Protagonisten aus dem deutschen Polizei- und Justizapparat. Deren Schicksal ist eigentlich ein Actionthriller. Aber Actionthriller stehen für vordergründige Unterhaltung. Vordergründig ist nichts an diesem Buch. In einem nüchternen Ton geschrieben, mit einem so genauen Blick für die Charaktere, dass die Spannung dezent hochkriecht, hinterhältig beinahe, um einen dann nur umso stärker zu packen. Und die Geschichte: Vielschichtig, kompliziert, voller aktueller Bezüge.

Diller und Kessel agieren undercover: Kriminalbeamte in Zivil. Dieses Buch auch. Man könnte "Unter Feinden" als Undercover-Gesellschaftsroman bezeichnen. Getarnt als Krimi. Großartig.

Georg M. Oswald
"Unter Feinden"
Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-05383-9
Preis: 18,99 Euro

"Unter Feinden"
Audiobook, gelesen von Detlef Bierstedt
Verlag: Osterwold
19,99 Euro


Stand: 12.02.2012, 09.54 Uhr