WDR 2 Bücher: Literatur zur EM
Rechtzeitig zur kommenden Fußball-Europameisterschaft gibt es Lesefutter aus den beiden Austragungsländern. So lassen sich Polen und die Ukraine schon vorab literarisch entdecken.

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Die Buchcover von "Wolfsinsel" und "Feldstudien über ukrainische Sex"
POLEN
Joanna Bator: "Sandberg". Übersetzt von Esther Kinski.
Suhrkamp Verlag, 26,90 Euro
Audio
- Audio: WDR 2 Bücher: Lesetipps aus den EM-Gastgeberländern Polen und Ukraine (28.05.2012) Antje Deistler / Cathrin Brackmann, WDR 2 Der Feiertag
Ein literarisches Wunder: Es geht um nichts als Tristesse und Trostlosigkeit, und doch möchte man immer weiterlesen. Der Roman erzählt von mehreren Generationen einer Familie in einer westpolnischen Bergarbeiterstadt und liefert damit ein sehr genau beobachtetes Gesellschaftsporträt. Joanna Bator lässt uns eintauchen in die Atmosphäre in dieser Plattenbausiedlung namens "Sandberg". Die Charakterstudien der Bewohner, der schwarze Humor, der alles durchzieht, und vor allem Joanna Bators Sprache ergeben ein einziges großes Lesevergnügen.
Tomasz Konatkowski: "Wolfsinsel". Übersetzt von Antje Ritter-Jasinska.
List TB, 8,95 Euro
Bekannt sind in Deutschland vor allem die Breslaukrimis von Marek Krajewski. Doch die spielen in und nach dem 2. Weltkrieg und erzählen wenig über die polnische Gegenwart.
Tomasz Konatkowskis in Warschau ermittelnder Kommissar Nowak dagegen schlägt sich ganz mit heutigen Problemen herum: Wirtschaftskriminalität, Korruption, organisiertes Verbrechen, Bürokraten und nervige Vorgesetzte.
Im zweiten Teil der Serie werden ein junger Schwede und ein indischer Unternehmer tot aufgefunden. Ein polnischer Kriminalroman auf der Höhe der Zeit, der sich bestens als Reiselektüre zur EM eignet – denn auch in Kommissar Nowaks Leben spielt der Fußball eine Rolle...
UKRAINE
Serhij Zhadan: "Depeche Mode. Schall und Wahn". Übersetzt von Juri Durkot und Sabine Stöhr
als Audiobook gelesen von Harry Rowohlt
Random House Audio, 19,95 Euro
oder bei edition Suhrkamp TB, 10,00 Euro
Serhij Zhadan ist einer der produktivsten jüngeren Schriftsteller der Ukraine. Und einer der lustigsten. In "Depeche Mode" lässt er drei 19jährige, ständig wodkabenebelte Typen durch die frühkapitalistische Ostukraine Anfang der 1993er Jahre taumeln.
Sehr zu empfehlen: Harry Rowohlts Hörbuchversion des postsozialistischen Chaos. Dass der Übersetzer, Vortragskünstler und Lindenstraßenstar der 119 wohl näher ist als der 19, nimmt seiner Interpretation nichts von der Glaubwürdigkeit.
Oksana Sabuschko: "Feldstudien über ukrainischen Sex"
Literaturverlag Droschl, 19 Euro
als TB bei Fischer, 8,95 Euro
Geiler Titel, aber hinter den "Feldstudien" verbirgt sich kein ukrainischer Kinseyreport. Sondern eine autobiografisch gefärbte Beziehungsgeschichte zwischen Oksana, einer jungen Dozentin, und einem ebenfalls ukrainischen Künstler im amerikanischen Exil, die ganz und gar unglücklich verläuft. Individuelle Neurosen, das zeigt dieses Buch, fußen auf kollektiven Verletzungen. Das persönliche Unglück von Frauen und Männern spiegelt das Schicksal eines jahrzehntelang unterdrückten, ausgebeuteten Landes. Glücklicherweise ist diese Anklageschrift in einer rotzigen Umgangssprache geschrieben.
Vor allem in der Figur der Frau, die zum Opfer wird, werden sich auch nicht-ukrainische Leserinnen wiederfinden können.
Fußballreise durch beide Länder:
"Totalniy Futbol. Eine polnisch-ukrainische Fussballreise"
von Serhij Zhadan, Kirill Golovchenko, Lisa Palmes u.a.
Suhrkamp Verlag, 18,00 Euro
Vier polnische und vier ukrainische Autoren porträtieren die acht Austragungsorte der Euro 2012 - Breslau, Danzig, Posen, Warschau, Lemberg, Kiew, Charkiw, Donezk - und erzählen, wie sich dieser dramatische Wandel auf ihr Leben, auf den Fußball und auf die Städte ausgewirkt hat, in denen sie zu Hause sind.
Stand: 28.05.2012, 15.13 Uhr
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