WDR 2 Bücher - Don Winslow Kings of Cool

Von Antje Deistler

"Kings of Cool" ist nicht nur ein schneller, harter, spannender Thriller, sondern auch einer, der eine hochinteressante Geschichte erzählt - großes Literatur-Kino, sagt WDR 2 Rezensentin Antje Deistler.


 Don Winslow am 1. Februar 2010 in Barcelona

Die Handlung


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Drei junge, gutaussehende Kalifornier in Laguna Beach: Chon, Ben und Ophelia, genannt "O". Chon kämpft "im großen Kreuz-versus-Halbmond-Sandkastenturnier", wie er das nennt, war im Irak und erholt sich gerade von Afghanistan. Ben ist der Sanftere der beiden Jungs, Sohn eines Hippiepaares, Student. O, reiches Mädchen, Typ Californian Girl mit blonden Haaren, blauen Augen, sonnengebräunter Haut. So unterschiedlich wie unzertrennlich, befreundet seit ihrer Kindheit.

Jetzt, mit Anfang 20, bauen sie das beste Marihuana Kaliforniens an, machen schnell viel Geld, kriegen aber auch sehr schnell Ärger von allen Seiten. Konkurrierende Dealer, korrupte Polizisten, ein ultrabrutales mexikanische Drogenkartell. Aber wer die wahren, gefährlichsten Strippenzieher sind, ahnen Chon, Ben und O lange nicht...

Falls Ihnen die drei Hauptfiguren bekannt vorkommen: "Kings of Cool" ist das Prequel, also die Vorgeschichte, von Don Winslows letztem Thriller "Zeit des Zorns". Dieses Buch wurde von Oliver Stone verfilmt und kommt unter dem amerikanischen Originaltitel "Savages" bei uns am 11. Oktober in die Kinos.

Der Autor

Don Winslow lebt in Kalifornien. Seine Biografie muss auf die Verfasser von Presse- und Klappentexten wie ein dicker Joint wirken: 1953 in der Nacht zu Halloween geboren, heißt es da, und dass seine Großmutter Ende der 1960er für den berüchtigten Mafiaboss Carlos Marcello arbeitete, der den späteren Autor mehrfach in sein Haus eingeladen habe. Winslow selbst war nach diesen Angaben als Fremdenführer auf Afrika-Safaris und als Privatdetektiv tätig, als Sicherheitsberater simulierte er terroristische Anschläge und Entführungen zu Trainingszwecken.

Jaja, das klingt alles sehr beeindruckend, aber viel wichtiger finde ich: Don Winslow schreibt fantastisch, und in diesem neuen Buch führt er zwei seiner Lieblingsthemen zusammen, die er bisher getrennt behandelte. Zuerst waren da die amüsanten Krimis um einen surfenden Detektiv am Strand von Kalifornien ("Pacific Private", "Pacific Paradise"). Später recherchierte er jahrelang, um mit "Tage der Toten" den Drogenkrieg in Mexiko zu porträtieren - ein umwerfender, erschreckender Realthriller. Jetzt also "Kings of Cool". Es ist die Geschichte eines Sündenfalls. Wie Surfer und Hippies an der Westküste der 60er nach dem Traum von "Love, Peace and Happiness" dem Drogenrausch verfallen und manche von ihnen später dem großen Geld, das der Drogenhandel verhieß.

Bewertung

"Kings of Cool" ist nicht nur ein schneller, harter, spannender Thriller, sondern auch einer, der eine hochinteressante Geschichte erzählt und in ein neues, überraschendes Licht stellt: die der organisierten Drogenkriminalität in den USA. Das ist das eine. Das andere ist, wie Don Winslow erzählt. Waren seine früheren Romane noch eher konventionell geschrieben, ließ er sich für dieses Buch (ebenso wie für "Zeit des Zorns") etwas Neues einfallen. Der Ton ist cool und knapp. Manche Kapitel sind nur einen einzigen Satz lang, andere geschrieben wie ein Drehbuch für einen Film, rein dialogisch, mit kurzen Regieanweisungen. Dazwischen gibt es sogar gedichtartige Absätze. Aber keine Angst: Nichts davon bremst den rasanten Fluss der Erzählung, all das macht sie nur auch formell spannend.

"Kings of Cool" ist ganz großes Literatur-Kino. Wenn Sie nur einen Krimi in diesem Jahr lesen, lesen Sie diesen!

Autor: Don Winslow
Titel: "Kings of Cool"
Aus dem Amerikanischen von Conny Lösch
ISBN: 978-3-518-46400-7
Verlag: Suhrkamp
Preis: 19,95 Euro

Das Audiobuch zu "Kings of Cool" ist beim Der Audio Verlag erschienen, gelesen vom King of Cool der Synchronsprecher, von James-Bond-Stimme Dietmar Wunder, 19,90 Euro.

Die Surferkrimis von Don Winslow heißen "Pacific Private", "Pacific Paradise", beide sind bei Suhrkamp erschienen und kosten jeweils 9,95 Euro und 9,99 Euro.

Don Winslows Roman zum Mexikanischen Drogenkrieg heißt: "Tage der Toten" (Suhrkamp, 14,95 Euro).

Der andere Roman um Ben, Chon und O trägt den Titel "Zeit des Zorns" (Suhrkamp, 9,99 Euro). Das Buch wurde jetzt von Oliver Stone verfilmt - "Savages" kommt am 11.10. in die deutschen Kinos.


Stand: 16.09.2012, 11.27 Uhr