WDR 2 Kinotipp - Les Misérables: Bombastisches Musical
Eine melodramatische Geschichte, bombastische Musik und eine Handvoll Hollywoodstars: Das sind die Zutaten für das Epos "Les Misérables", das bei den Acadamy Awards mit acht Oscar-Nominierungen ins Rennen geht.
Der soziale Aufstieg des ehemaligen Galeerensträflings Jean Valjean und der Abstieg der Näherin Fantine zu Beginn des 19. Jahrhunderts sind schicksalhaft miteinander verknüpft. Ihre Geschichten mit allen Höhen und Tiefen, die das Leben zu bieten hat, Schuld und Sühne, die große Liebe, Krankheit, Tod bilden das Gründgerüst von Victor Hugos Jahrhundertwerk "Les Misérables" ("Die Elenden"), das schon fast 50 Mal verfilmt wurde.
Victor Hugos Roman als Musical
Der britische Regisseur Tom Hooper ("The King’s Speech") hat sich nun die Musicalfassung vorgenommen, um aus ihr einen Film für die große Leinwand zu machen. Das heißt: Es wird fast ausschließlich gesungen! Musicalfans kommen auf ihre Kosten, weil sie den kompletten Soundtrack wieder erkennen. Tom Hooper hat die urfranzösische Geschichte mit namhaften Schauspielern besetzt: Jean Valjean, die tragende Rolle, spielt der Australier Hugh Jackman, der in seiner Heimat noch vor dem großen Durchbruch in Hollywood bereits Musicalpreise abräumte und auch die Oscarverleihung 2009 mit seinen Gesangseinlagen schmückte.
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Hught Jackmann als Jean Valjean mit Cosette, dem unehelichen Kind seiner großen Liebe (Fotostrecke 1)
Großaufnahmen und pompöse Ausstattungsszenen
Jackman präsentiert alle Facetten, die seine schillernde Figur zu bieten hat mit respektabler Stimme, in die er den Gefühlszuständen entsprechend das rechte Timbre legt, trainiertem Körper und ausgemergelten Gesichtszügen (Jackman hat vor den Galeerenszenen nichts mehr getrunken). Russell Crowe als sein bitterböser Gegenspieler Javert hat trotz Musicalerfahrung in den 80er Jahren (Grease, Rocky Horror Show) stimmlich hörbar mehr zu kämpfen. Anne Hathaway bezaubert als bescheidene Näherin Fantine, die das Leben in die Tragödie stürzt. Herzerweichend ihr Song "I dreamed a dream". Auch in dieser Szene nutzt Regisseur Tom Hooper sein Stilmittel, bei Solis nah auf den Gesichtern der Sänger zu bleiben und auf diese Weise eine große Nähe zu erzeugen. Schlichte Großaufnahmen hoch emotionalisierter Darsteller wechseln sich mit überbordend ausgestatteten Settings von einer Galeere, einem Vergnügungsviertel oder den Straßenkämpfen während der Julirevolution in Paris ab. Hooper hat die Lieder nicht separat im Studio einsingen lassen, sondern die Nummern direkt an den Drehorten aufgenommen. Diese Unmittelbarkeit ist zu spüren. Kleine Ungenauigkeiten im Gesang verleihen dem Musikteppich besonderen Charme.
Wuchtiges Pathos
Schon im Roman "Les Misérables" sind die enorme Wucht und gleichzeitig die Zartheit der Gefühle, der Geist der Revolution und die Tragik der Figuren angelegt. Tom Hooper setzt kompromisslos auf dieses Pathos und wird hoffentlich am Sonntag bei der Oscarverleihung dafür belohnt.
Musicalfilm, GB 2012, Regie: Tom Hooper, ab 12 Jahren
Stand: 21.02.2013, 00.02 Uhr
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