WDR 2 Kinotipp - Life of Pi - Schiffbruch mit Tiger: In Gottes Hand
Der Roman "Schiffbruch mit Tiger" galt eigentlich als unverfilmbar. Regisseur Ang Lee wagte sich trotzdem an die Geschichte um einen Jungen, der durch einen Schiffbruch zu Gott findet - und schuf ein Meisterwerk.
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Pi (Suraj Sharma) mit Tiger "Richard Parker" (Fotostrecke 1)
Der Junge Pi (Suraj Sharma/Irrfan Khan) wächst zusammen mit seinem Bruder in paradiesischen Zuständen auf: zwischen wilden Tieren im Zoo der Eltern im indischen Pondicherry. In dem Ort treffen sich Gläubige verschiedener Weltreligionen, von denen Pi so fasziniert ist, dass er sie alle annimmt. Er wird gleichzeitig Hindu, Christ und Moslem.
Schwere Prüfung
Audio
- Audio: WDR 2 Kinotipp: Life of Pi - Schiffbruch mit Tiger (26.12.2012) Andrea Burtz / Kerstin Hermes, WDR 2 Weihnachten
Schon bald wird sein eigenwilliger Glaube auf die Probe gestellt. Denn als seine Eltern beschließen, nach Kanada auszuwandern und sich zusammen mit den verbliebenen Zootieren an Bord eines japanischen Frachters begeben, beginnt für Pi der Ernst des Lebens: Das Schiff gerät in einen schweren Sturm und sinkt. Der Junge findet sich auf einem Rettungsboot wieder, das er ausgerechnet mit dem ausgewachsenen bengalischen Tiger "Richard Parker" teilen muss.
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Hauptdarsteller Suraj Sharma (r.) mit Regisseur Ang Lee (Fotostrecke 2)
Hand aufs Herz: Nachdem ich den gleichnamigen Bestseller des Kanadiers Yann Martel gelesen hatte, konnte ich mir nicht vorstellen, wie aus dieser Geschichte ein Kinofilm werden soll. Spielt sie doch zum großen Teil in einem kleinen Boot auf dem Meer. Hauptdarsteller sind ein Tiger und ein Junge, die zwar auf ihre Art in Kontakt kommen, sich aber nicht unterhalten können.
Faszinierende Bildsprache
Doch Ang Lee ("Der Eissturm", "Brokeback Mountain", "Tiger and Dragon") hat mich überzeugt. Der Regisseur hat die vor Phantasie strotzende Romanvorlage in eine faszinierende Filmsprache übersetzt. Die Erzählfreude des Buchs überträgt Lee in eine atemberaubende Bilderpracht. Auch alltägliche Momente - davon gibt es viele, schließlich ist der Junge monatelang auf See unterwegs - sind bei Ang Lee wohl komponierte Bilder. Keine Sekunde der 277 Tage, die Pi auf dem Meer verbringt, ist langweilig, Impressionen der goldenen Wolken über der See sind ein Genuss.
Doch wieder Effekte
Die Geschichte, die unaufdringlich um existentielle Fragen kreist, sorgt für Spannung, Bilder und Farbgebung für Faszination. Außerdem sind die Szenen mit dem Tiger an Bord grandios in 3-D-Optik umgesetzt. Kaum zu glauben, dass die Wildkatze erst nachträglich digitalisiert wurde. Denn eigentlich wollte Ang Lee nach seinem großen Flop mit der Comicverfilmung "Hulk" nie wieder Effektkino. Doch die Story von Pi hatte ihn überzeugt: "Weil sie erahnen lässt, dass das Leben doch noch einen Sinn haben könnte", meint Lee.
Meisterwerk dank Lee
Und so hat der Regisseur aus einem als unverfilmbar geltenden Buch mit einem unbekannten Hauptdarsteller und von ihm verhasster Technik ein Meisterwerk gemacht.
Abenteuerfilm, USA 2012
Regie: Ang Lee ("Das Hochzeitsbankett", "Eat Drink Man Woman", "Sinn und Sinnlichkeit", "Der Eissturm", "Hulk", "Brokeback Mountain", "Gefahr und Begierde", "Taking Woodstock")
Darsteller: Suraj Sharma, Irrfan Khan ("The Amazing Spider-Man", "Slumdog Millionär", "Darjeeling Limited", "Ein mutiger Weg"), Adil Hussain, Tabu, Rafe Spall ("Prometheus - Dunkle Zeichen", "Anonymous", "Zwei an einem Tag", "Ein gutes Jahr"), Gérard Depardieu ("Green Card", "Cyrano von Bergerac", "Asterix und Obelix")
Länge: 116 min
ab 12 Jahren
Stand: 27.12.2012, 11.54 Uhr
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