WDR 2 Kinotipp - Skyfall Der neue Bond

Von Andrea Burtz

Regisseur Sam Mendes, der nicht als Action-Spezialist bekannt ist, sondern mit seinen Beziehungsdramen brillierte, interessiert sich auch in diesem Thriller für seine Figuren. Außerdem verbindet er die klassischen Elemente des Agentenfilms mit den technischen Möglichkeiten unserer Zeit.

Der James Bond von Mendes, des Regisseurs von "American Beauty", "Zeiten des Aufruhrs" und "Away we go" liefert beides: Action und Seele. Daniel Craig war in seiner Rolle noch nie so verletzlich zu sehen.


Der britische Schauspieler Daniel Craig posiert am 30.10.2012 in Berlin bei einem Photocall zur Vorstellung des neuen James-Bond-Films "Skyfall"
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Der britische Schauspieler Daniel Craig posiert am 30.10.2012 in Berlin bei einem Photocall zur Vorstellung des neuen James-Bond-Films "Skyfall"


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Wie gehabt beginnt "Skyfall" mit einer rasanten Verfolgungsjagd, diesmal durch Istanbul: 007 läuft über die Dächer eines fahrenden Zuges, landet auf einem Bagger, dessen Schaufel er für seine Zwecke zu nutzt. Als er endlich dem Widersacher an den Kragen kann – nur mit Fäusten über einer Schwindel erregenden Brücke, versteht sich – soll die neue Agentin Eve (Naomi Harris) den Bösewicht aus der Deckung erschießen. Auf Befehl von M (Judy Dench). Eine heikle Mission, die daneben geht. Denn Bond stürzt ab – im wahrsten Sinne des Wortes. Der Agent ist verschwunden, das MI6 hält ihn für tot.

Körperliche und seelische Strapazen wie gehabt

Nach diesem vermasselten Auftrag denkt Bond ans Aufhören. Körper und Geist wollen nicht mehr. Doch als er an einer Bar am andern Ende der Welt erfährt, dass Computerhacker seine Heimat bedrohen, meldet er sich zurück zum Dienst. Angeschlagen. Verletzlich. Die physischen und psychischen Tests sprechen für sich. M, die selbst unter Beschuss steht, hält trotzdem an ihm fest. Bond will sich dem Auftrag und seiner Vergangenheit stellen. Nun spielt Sam Mendes den Bondfaktor aus und gibt Fans das, was sie erwarten:
Körperliche und seelische Strapazen durchlebt Bond auf exotischen Dienstreisen nach Schanghai und Macau, er fährt der legendären Aston Martin wieder aus der Garage und begegnet einem Bondschurken, der zu den besten der vergangenen 50 Jahre gehört. Der Spanier Jarvier Bardem, der bereits mit Prinz-Eisenherz-Frisur für seine Rolle als neurotischer Killer in "No Country for old Men" den Oscar einheimste, verkörpert einen Psychopathen, nah am Genie, der schon beim Zuschauen in permanente Unruhe versetzt. Augenbrauen und Haare blondiert, mit brüchiger Stimme und gehemmtem Lachen bewegt er sich auf dem schmalen Grad zwischen Lachnummer und unberechenbarem Irren. Ein verletzter Wahnsinniger. Eine tickende Zeitbombe.

Eine gesunde Portion Selbstironie

Auch die "Q"-lose Zeit ist vorbei. Der neue Quartiermeister (Ben Whishaw "Das Parfüm") ist jünger als der Agent und – wie soll es heutzutage anders sein – ein Computercrack, der Bond belehrt: "Haben Sie etwa explodierende Stifte erwartet? So was machen wir heute nicht mehr". Eine gesunde Portion Selbstironie macht "Skyfall" aus.

Thriller, GB/USA 2012

Regie: Sam Mendes ("American Beauty", "Road to Perdition", "Zeiten in Aufruhr" "Away we go – Auf nach Irgendwo")

Darsteller: Daniel Craig ("Verblendung", "Cowboys & Aliens", "Casino Royal", "München", "Road to Perdition", Judi Dench ("Best Exotic Marigold Hotel", "My Week with Marilyn", "Tagebuch eines Skandals", "Stolz & Vorurteil", "Iris"), Ben Whishaw ("Das Parfüm"), Javier Bardem ("Eat Pray Love", "No Country for old Men", "Vicki Cristina Barcelona", "Das Meer in mir", "Live Flesh"), Ralph Fiennes ("Harry Potter und die Heiligtümer des Todes", "Der Vorleser", "Der englische Patient", "Schindlers Liste", "Der ewige Gärtner"), Naomie Harris ("28 Tage später", "Miami Vice")

Länge: 143 Minuten, ab 12 Jahren


Stand: 31.10.2012, 00.03 Uhr