WDR 2 Kinotipp - Total Recall Action ohne Arnie

Von Andrea Burtz

"Total Recall", die Zweite - Colin Farrell statt Arnold Schwarzenegger, sorgenvolles Mienenspiel statt markiger Sprüche. Die Neuauflage des Actionklassikers ist durchgestylt und seelenlos wie ein Videospiel.


Colin Farell in "Total Recall"

Arnold Schwarzenegger war der Star in Paul Verhoevens Science Fiction Klassiker "Total Recall – Die totale Erinnerung". Der Kassenschlager ist mittlerweile 22 Jahre alt. Jetzt hat Regisseur Len Wiseman die Story neu interpretiert. Schwarzeneggers Rolle übernimmt der Ire Colin Farrell. Er ist zwar durchtrainiert, aber nicht so muskelbepackt wie sein Vorgänger, besitzt dafür aber facettenreichere, darstellerische Qualitäten. Die können allerdings den fehlenden Arnie-Faktor nicht ausgleichen.

Farrell spielt Douglas Quaid, einen Fabrikarbeiter in düsterer Zukunft. Er wünscht sich auf der trostlosen Erde, die in ein Reich für Arme und eins für Reiche unterteilt ist, Abwechselung in seinem Alltag. Deshalb will er sich bei der Firma "Rekall" künstliche Träume implantieren lassen;  Erlebnisse, die so nie stattgefunden haben. Bei der Versuchsanordnung stellt sich heraus, dass Douglas Erinnerung längst manipuliert wurde. Ein Verwirrspiel über seine wahre und gefälschte Identität beginnt.


Kate Beckinsale in "Total Recall"

Philip K. Dick hat die interessante Grundidee für den Stoff geliefert. Die Drehbuchautoren begnügen sich allerdings für den zweistündigen Film mit dem Gerüst einer Kurzgeschichte und spinnen die düsteren Zukunftsvisionen nicht weiter. 

Douglas muss endlos viele Verfolgungsjagden überstehen, bis er sich Stück für Stück seine wahre Identität zusammensetzen kann. So wechseln sich minutenlange Actionsequenzen mit uninspiriert inszenierten Dialogszenen ab, die den schmalen Plot vorantreiben sollen. Douglas größter Gegner ist eine Roboterarmee, dementsprechend enden Kampfszenen nicht im Gemetzel, sondern auf dem Schrotthaufen. Echtes Mitfühlen unmöglich. Ein tief gehendes Drama oder packendes Gedankenspiel ist der Neuaufguss auch nicht geworden. Farrells sorgenvoll hochgezogene Augenbraue kann  Schwarzeneggers markige Sprüche nicht ersetzen. Hier fehlt schlicht der Humor. Die Neuauflage von "Total Recall" ist so vollendet durchgestylt, wie ein Videospiel. Und genauso seelenlos. 

SciFi, USA 2012

Regie: Len Wiseman ("Underworld", "Stirb langsam 4.0", "Underworld: Evolution")

Darsteller: Colin Farrell ("Tigerland", "Minority Report", "Der Einsatz", "Alexander", "Brügge sehen … und sterben?", "Crazy Heart", "Kill the Boss"), Kate Beckinsale ("Pearl Harbor", "Weil es Dich gibt", "Aviator", "Underworld", "Contraband"), Jessica Biel ( "Elizabethtown", "Das A-Team – Der Film"), Bill Nighy ("Best Exotic Marigold Hotel", "Fluch der Karibik", "Hot Fuzz", "Tatsächlich… Liebe"), Bryan Cranston ("Rock of Ages", "Contagion", "Drive", "Der Mandant")

Länge: 118 min

ab 12 Jahren


Stand: 23.08.2012, 00.02 Uhr