WDR 2 Kinotipp - Die Vermessung der Welt: Geschichtsstunde
Zwei Wissenschaftler im 19. Jahrhundert - Carl Friedrich Gauß und Alexander von Humboldt: Daniel Kehlmann hat sie in seinem Roman "Die Vermessung der Welt" vereint, Detlev Buck hat das Ganze verfilmt - außergewöhnliche Geschichtsstunde.
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Albrecht Abraham Schuch als Alexander von Humboldt (Fotostrecke 1)
Regisseur Detlev Buch hat sich an die Verfilmung des internationalen Bestsellers von Daniel Kehlmann gewagt. Der Romanautor schrieb auch am Drehbuch mit - das ist zu spüren.
Audio
- Audio: WDR 2 Kinotipp: "Die Vermessung der Welt" (25.10.2012) Heike Knispel / Andrea Burtz, WDR 2 Zwischen Rhein und Weser
Die Doppelbiographie erzählt von zwei grundverschiedenen Wissenschaftlern zu Beginn des 19. Jahrhunderts: Mathematiker Carl Friedrich Gauß (Florian David Fitz) aus ärmlichen Verhältnissen, verdient sein Geld mit Landvermessung und versucht abends in der heimischen Familienstube großen Gedanken nachzugehen und die Welt in mathematische Formeln zu fassen. Naturforscher Alexander von Humboldt (Albrecht Abraham Schuch) hingegen zog Fremdes und Unberechenbares magisch an. Rastlos bereiste er die Welt, um sie irgendwie zu verstehen. So unterschiedlich sie auch sind, ihren Forschergeist haben Gauß und Humboldt gemein. Und manchmal auch die Einsamkeit, sich mit niemandem wirklich austauschen zu können.
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Gauß (Florian David Fitz, mit Vicky Krieps als Johanna Gauß) kommt aus ärmlichen Verhältnissen, ist aber ein mathematisches Genie (Fotostrecke 2)
Regisseur Detlev Buck montiert die Lebenswege der Vordenker parallel und lässt sie erst zum Ende des Films bei einem Kongress aufeinander treffen. Dort müssen die Genies feststellen, dass sie sich nichts zu sagen haben. Einer der skurrilen Momente, die für den lakonischen Ton der Romanvorlage und des Films stehen. Die Wissenschaftler wirken menschlich und nahbar: Männer mit Ängsten und Macken, die zwar Genies auf ihrem Gebiet sind, aber auf anderen Feldern Nachholbedarf haben. Den ewigen Junggesellen Humboldt scheinen Frauen nicht zu interessieren. Das rege Liebesleben seines Assistenten Bonpland (Jérémy Kapone) schreckt ihn eher ab. Gauß ist in der ersten Liebesnacht mit seiner Ehefrau von einer mathematischen Formel abgelenkt. Auch sein Treffen mit Kant wird zum Desaster. Der erste Mann, von dem er sich einen intellektuellen Austausch auf Augenhöhe erwartet, sagt nur ein Wort: "Wurst!". Der große Kant hat Appetit auf Fleischerware, nicht auf wissenschaftliche Diskurse. Grotesk überzeichnete Charaktere, witzige Dialoge – Buck trifft den verrückten Ton der Buchvorlage. So lässt er ausgerechnet Gauß' Geliebte, eine Bauernmagd, den Fehler bei der Flächenberechnung korrigieren. Mit Hilfe ihres Apfels veranschaulicht sie die Erdkrümmung und gleichzeitig den Rechenfehler. Detlev Buck sorgt für großen Spaß und mindestens genauso großes Staunen – denn imposant sind die Kinobilder, die bei seiner Version der „Vermessung der Welt" entstehen. Eine außergewöhnliche Geschichtsstunde.
Komödie, D/A 2012
Regie: Detlev Buck ("Karniggels", "Männerpension", "Knallhart", "Rubbeldiekatz")
Darsteller: Florian David Fitz ("Männerherzen", "Vincent will Meer"), Albrecht Schuch ("Neue Vahr Süd", "Westwind"), David Kross ("Der Vorleser", "Krabbat"), Katharina Thalbach ("Die Blechtrommel", "Der Räuber Hotzenplotz", "Die Rättin"), Max Giermann ("Rubbeldiekatz", "Otto’s Eleven"), Jérémy Kapone ("LOL", "Summer knows")
Länge: 122 min
ab 12 Jahren
Stand: 25.10.2012, 00.02 Uhr
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