WDR 2 Die Kritiker - Ballet Revolución: Tanzen voller Leidenschaft
Eine Ballett- Revolution? Nein, das nicht. Die "Revolución" im Namen der 20-köpfigen Compagnie und im Titel des Stücks weckt Assoziationen an die kubanische Revolution, an den Sturz des Diktators Fulgencio Batista 1959.
Nicht nur bei uns in Deutschland besonders in Erinnerung geblieben von damals sind der Volksheld Che Guevara und natürlich Commandante Fidel Castro. Auf Initiative dieser Beiden wurde 1961 die Escuela National de Arte gegründet. Und an dieser ENA, der Nationalen Akademie der Künste in Havanna, sind die 18 Tänzer der "Ballet Revolución" ausgebildet.

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Kraftvoller, leidenschaftlicher Tanz des Ballet Revolución
Getanzter "Buena Vista Social Club"
Audio
- Audio: WDR 2 Kritiker: Ballet Revolución zu Gast in der Kölner Philharmonie (08.08.2012) Ulrike Burgwinkel, WDR 2 Mittagsmagazin
Sie sind hervorragend trainiert, tanzen voller Leidenschaft, beherrschen die verschiedensten Bewegungssprachen, und sie zeigen offensichtlich gern her, was sie können. Wer sich also einen getanzten "Buena Vista Social Club" von diesem kubanischen Abend versprochen hatte, der musste sich neu orientieren. Nicht nur, weil es keine älteren Herren sind, die dort die Hauptrolle spielen, sondern junge, schöne Menschen in knappen Kostümen. Sondern auch, weil es meist stürmisch zur Sache geht.
Fröhlicher Stilmix
"Ballet Revolución" erfindet nicht den Tanz neu, aber mixt fröhlich und unbekümmert sämtliche Stile und Tanzssprachen der Welt. Das erinnert an Clips auf youtube, an Musicals, ans Fernsehballett, an Artistik, an Discofieber- weniger an klassische Ballettaufführungen. Das liegt nicht an den Tänzern, die aufgrund ihrer Ausbildung vermutlich auch einen respektablen "Schwanensee" hinlegen könnten. Das liegt vor allem an der Musik. Das "Ballet Revolución" Orchester unter der Leitung des Bassisten und Musikproduzenten Osmar Salazar Hernandez und unterstützt von einer Sängerin spielt live Tophits aus den Charts, zum Beispiel von Shakira, Beyoncé, Ricky Martin oder Prince in Konzertqualität. Außerdem gibt es perkussionsbetonte, äußerst rhythmische Interpretationen: Mambo, Salsa und sogar Tango zu hören. Die Musiker sitzen übrigens während der Vorstellung im Hintergrund auf der Bühne und haben somit engen Kontakt zu den Tänzern.
Fliegender Kostümwechsel
Ganz entscheidend für den Charakter des Abends sind die Choreographien. Der im australischen Brisbane geborene Aaron Cash und der aus Kuba stammende Roclan Gonzalez Chavez erzählen keine Geschichten, sondern sie interpretieren die Songs auf ihre ganz spezielle Weise in einer Art Nummernrevue mit fliegendem Kostümwechsel und ständig wechselnden Lichtstimmungen. Sie lassen vor allem die Tänzerkörper erzählen, verlassen sich auf deren Ausstrahlung und Präsenz. Und jedes einzelne Tänzerindividuum wird mit seinen ganz speziellen Vorzügen und Fähigkeiten auf der Bühne gezeigt: Da gibt es zum Beipsiel die Tänzerin, die hervorragend Spitze tanzt, den Tänzer, der mit nacktem Oberkörper seine Muskeln im Michael Jackson-Stil präsentiert, den "Klassiker", der mit den berühmt-berüchtigen "Tour de manèges" glänzt und den mit den akrobatischen Luftnummern. Diese vielseitigen Begabungen zeigen sich in den temperamentsprühenden Ensembleszenen, die mit hohem Tempo und viel Schwung daherkommen, ebenso wie in den kleineren Formationen, wie den Duos oder Trios.

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Das Ballet Revolución ist zu Gast in der Kölner Philharmonie
Kraft, Spannung und Balance
Spannend sind jedoch nicht nur die blitzschnellen Formationsdiskotänze mit den doppelt-dreifach Sprungdrehungen, den Bodenrollern, mit Spagat, Pirouette, Radschlag, FlicFlac oder Elementen des Street Dance. Spannend sind vor allem die kleineren Formationen, bei denen es etwas ruhiger zugeht, bei denen die Tänzer nicht nur schnellschnell die Beine hochreissen müssen und losspringen, sondern wo sie wirklich mit Kraft, Spannung und Balance ihre Beine strecken dürfen, sich im Pas-de-Deux einander zuwenden oder wo der Mann die Frau im Spagat langsam über seinen Kopf hebt und sie wirklich in den Himmel trägt.
Hoher Männeranteil
Auffallend ist der hohe Männeranteil von zwölf Tänzern im 18-köpfigen Ensemble - sehr männliche und gutaussehende Männer zudem. Kalkül der Produzenten bei dem klassischerweise weiblich dominierten Tanzpublikum? Sei's drum. "Ballet Revolución" macht Spaß und sorgt für gute Laune. Frenetischer Beifall nach jedem Song und sogar dazwischen - das Publikum war hellauf begeistert, und das zu recht. Musik und Tanz in einer Showkombination, die für jeden ein Muss ist, der kubanische Lebensfreude tanken möchte.
Aufführungen in der Kölner Philharmonie
im Rahmen des 25. Kölner Sommerfestivals
Mi., 8.8., bis Fr., 10.8.2012, 20.00 Uhr
Sa., 11.08.2012, 16.00 und 20.00 Uhr
So., 12.08.2012, 15.00 und 19.00 Uhr
Mi., 15.08., bis Fr., 17.8.2012, 20.00 Uhr
Sa., 18.08.2012, 16.00 und 20.00 Uhr
So., 19.08.2012, 15.00 und 19.00 Uhr
Die Tickets kosten zwischen 21 Euro (Stehplatz, mit Raum zum Tanzen, was gerne genutzt wird) und 69 Euro. Die Show dauert zwei Stunden mit einer Pause. Für Jugendliche gibt es einen Rabatt von bis zu 50 Prozent, ebenso Rabatte für Gruppen ab zehn Personen. Das lohnt sich!
"Ballet Revolución" ist weiter auf Welttournee und wird im Winter 2012/2013 unter anderem in den NRW- Städten Dortmund und Duisburg zu erleben sein.
Stand: 08.08.2012, 12.55 Uhr
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