WDR 2 Die Kritiker - Schauspielhaus Bochum Kleiner Mann - was nun?

Von Stefan Keim

Hans Fallada erzählte in seinen Romanen von den Problemen einfacher Leute in den dreißiger und vierziger Jahren. „Kleiner Mann, was nun?“ wurde schon öfter für die Bühne bearbeitet, zum Beispiel von Peter Zadek in den siebziger Jahren für das Bochumer Schauspielhaus. Eben dort hat nun David Bösch seine eigene Fassung auf die Bühne gebracht.  Ein Stück über den Kampf eines jungen Paares gegen die drohende Armut. Und damit ein sehr aktuelles Stück für das Ruhrgebiet.

Die Wohnung ist staubig, die junge, schwangere Frau protestiert. Emma, genannt Lämmchen, ist von unerschütterlichem Optimismus erfüllt. Ihr Mann Johannes Pinneberg bleibt skeptisch. Es fehlt das Geld.  Pinneberg ist ein braver Mann ohne besondere Talente. Einer von vielen. Während der Weltwirtschaftskrise Anfang der dreißiger Jahre gehört er zum Heer der Verlierer. Herum gestoßen von seinen Arbeitgebern, unter Erfolgszwang gesetzt, schließlich arbeitslos. Raiko Küster spielt diesen Pinneberg ehrlich, glaubwürdig, bodenständig. Es gelingt ihm schließlich kaum noch, den Kopf oben zu halten.

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Szene aus dem Theaterstück: Kleiner Mann - was nun?

Kampf ums Überleben

Regisseur David Bösch hat Hans Falladas Roman stark gekürzt. In gut zweieinhalb Stunden konzentriert er sich ganz auf das junge Paar und seinen Kampf, ihre Liebe zueinander und zum Kind gegen alle Anfechtungen zu bewahren. Lämmchen ist dabei –grandios verkörpert von Maja Beckmann – die stärkere von beiden, klar in ihren Werten und Auffassungen, ein graziler Fels in schwerer Brandung. Manche Figuren, die im Roman viel Platz einnehmen, sind gestrichen. Zwei Darsteller verkörpern die übrig gebliebenen Charaktere.

Mitfühlend und warmherzig

Eine riesige Kugel beherrscht die Bühne, ein Globus aus Lampen, Schrott und Plastikstühlen. Wenn Lämmchen und Pinneberg Momente der Zuneigung  erleben, leuchtet diese Erde aus Müll und taucht alles in ein märchenhaftes Licht. Manche Szenen, die heute in die Nähe des Kitsches geraten können, hat David Bösch gestrichen und mit gefühlvollen, melancholischen Rockballaden des Musikers Karsten Riedel ersetzt.  So entsteht ein ruhiger, konzentrierter Theaterabend, mehr Kammerspiel als großer Wurf, garniert mit ein paar überflüssigen, oberflächlichen Pointen. Doch insgesamt gelingt Bösch ein mitfühlender, warmherziger Blick auf Menschen, die mit aller Kraft gegen die drohende Armut kämpfen und in sich selbst Hoffnung finden.

Fazit: Zwei ehrliche, glaubwürdige Hauptdarsteller, ein ruhiger, mitfühlender Abend mit melancholischen Rockballaden über ein junges Paar, das in die Armut rutscht und sich nicht unterkriegen lässt.

Kleiner Mann - was nun?
Schauspielhaus Bochum
Königsallee 15
44789 Bochum
Karten: 0234 – 33 33 55 55

Die nächsten Aufführungen
12. Januar 19.30 Uhr, 29. Januar 17 Uhr, 8., 17. Februar, jeweils 19.30 Uhr


Stand: 09.01.2012, 12.50 Uhr