WDR 2 Die Kritiker - Shakespeares "Richard III.": Eine Gegnerin für den Höllenhund
"König Richard der Dritte" gilt als einer der fiesesten Schurken der Theatergeschichte. Gewissenlos mordet er sich auf den englischen Thron. William Shakespeares Königsdrama hatte am Wochenende im Schauspielhaus Bochum Premiere, in einer ungewöhnlichen Fassung. Denn Regisseur Roger Vontobel erzählt auch die Vorgeschichte.

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Aufführung von "König Richard der Dritte": Paul Herwig als Richard III.
Richard ist ein Kind des Krieges. Er kennt nichts als Gewalt und das Recht des Stärkeren. Als sein Vorvorgänger auf dem Thron, König Heinrich VI., einen Kompromiss vorschlägt, wird er kurz darauf entmachtet und gefangengenommen. Richard lernt daraus, dass ein Politiker hart und brutal sein muss, nicht nur in Zeiten blutiger Bürgerkriege. Im Bochumer Schauspielhaus sieht man, wie Richard wurde, was er ist. Denn Regisseur Roger Vontobel zeigt nicht nur das Königsdrama von "Richard III.", sondern auch die Vorgeschichte.
Margaret ist Richards ebenbürtige Gegenspielerin
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- Audio: WDR 2 Die Kritiker: "König Richard der Dritte" im Bochumer Schauspielhaus (24.09.2012) Stefan Keim / Tom Hegermann, WDR 2 Mittagsmagazin
Zwei Adelshäuser kämpfen um die englische Krone. In Shakespeares "Heinrich VI." werden all die Handlungsfäden, die in "Richard III." nur kurz aufgenommen werden, ausführlich entfaltet. Man versteht die Hintergründe besser, warum Richard wen umbringt. Außerdem bekommt er in dieser Fassung eine ebenbürtige Gegenspielerin, Margaret, die Frau Heinrichs VI. Richard tötet ihren Mann und ihren Sohn. Daraufhin wird die Ex-Königin zur Guerillakriegerin, die stets auf ihre Chance lauert, Richards Pläne zu zerstören.
Richards Buckel ist seelischer Natur
Die Aufführung ist hervorragendes Ensembletheater, aber auch das Duell zweier herausragender Schauspieler. Jana Schulz ist Margaret, düster, verbittert, eine Frau, die bis zum Ende kämpfen wird. Paul Herwig spielt einen völlig amoralischen Menschen, der keine Gefühle kennt. Dieser Richard hat keinen Buckel, wie es bei Shakespeare steht. Seine Deformation ist eine seelische. Für Richard gibt es nur Richard. Als er die Macht erobert hat, weiß er nicht, was er damit anfangen soll. Seine Zerstörungswut richtet sich gegen sich selbst.
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Szene aus "König Richard der Dritte" (Fotostrecke 1)
Moment schmerzhafter Klarheit
Das Element der Menschlichkeit bringt die wunderbare Jutta Wachowiak in den Abend. Sie spielt Richards Mutter, eine kluge, wache Frau, die das Grauen beobachtet, aber nichts verhindern kann. Als sie am Schluss ihren Sohn verflucht, ist das kein spontaner emotionaler Akt, sondern ein Moment schmerzhafter Klarheit. Die Bühne erinnert an einen Festsaal aus der bundesdeutschen Nachkriegszeit. Videos zeigen, was in den Kerkern und auf den Fluren passiert, die Morde und Intrigen. Roger Vontobel rückt das Stück an die Gegenwart heran, ohne aufdringlich zu aktualisieren. Dass es immer wieder und auch heute Richards gibt, wird auch so deutlich. Ein kluger, spannender, in knapp vier Stunden immer kurzweiliger Theaterabend.
König Richard der Dritte
Termine: 30. September und 5., 13., 27. Oktober, jeweils 19 Uhr
Schauspielhaus Bochum, Königsallee 15, 44137 Bochum
Karten-Tel.: 0234 / 33 33 55 55
"König Richard der Dritte" im Schauspielhaus Bochum
Stand: 24.09.2012, 10.10 Uhr
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