WDR 2 Die Kritiker - Neanderthal-Museum Sprung in die Frühgeschichte

Von Stefan Keim

Im Neanderthal-Museum in Mettmann kann man den frühen Menschen begegnen. Aktuelle, wissenschaftliche Erkenntnisse über ihr Leben werden unterhaltsam und mit neuster Technik erzählt.

Ist der echt? Ein Mann steht an der Brüstung und schaut auf die Besucher des Neanderthal-Museums herunter. Er trägt einen Anzug, nur die Behaarung im Gesicht wirkt ein bisschen wild. Es ist eine Puppe, doch alle, die sie sehen, schauen zweimal hin. Viel unterschiedet uns nicht von dem Menschen aus der Frühgeschichte, dessen Knochen vor gut 150 Jahren im Neanderthal bei Mettmann gefunden wurden.


Neanderthal-Museum in Mettmann: Figur eines älteren Neanderthalers

Neueste Technik, unterhaltsame Präsentation


Die Grotte ist heute verschwunden, der Kalkabbau hat das Neanderthal verändert. Dort, wo die Fossilien gefunden wurden, ist heute ein kleiner archäologischer Park mit Informationstafeln. Die Geschichte des Neanderthalers erzählt ein Museum, das in diesem Jahr seinen 75. Geburtstag feiert. In die Jahre gekommen ist es keinesfalls. Im Gegenteil, die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse über die frühen Menschen erzählen die Museumsmacher mit neuester Technik, abwechslungsreich und unterhaltsam.

Riesenspaß für Kinder

Szenen aus dem Leben der Neanderthaler sind mit Puppen nachgebildet. Man sieht, wie sie sich ernährten, welche Begräbnisrituale sie hatten, welche Waffen sie benutzten. Das Klischee vom tumben Jäger ist schnell vergessen. Neanderthaler hatten ein funktionierendes Gemeinschaftsleben, eine Religion und erfanden einige Werkzeuge. Es gibt viele Hörstellen, in die sich die Besucher einstöpseln können. Da hören sie keine trockenen Infotexte, sondern zum Teil kleine, mit Musik unterlegte Hörspiele. Es gibt einen eigenen Audioguide für Kinder, die in diesem Museum einen Riesenspaß haben.


Neanderthal-Museum in Mettmann: Eine Mammutfigur hinter echten Mammut-Skeletten

Sonderausstellung: "Wie Menschen Affen sehen"


Das gilt auch für eine Sonderausstellung im Keller des Museums. "Wie Menschen Affen sehen" heißt sie und erzählt, dass unsere engsten Verwandten oft als Monster dargestellt oder zu Komikern abgerichtet werden. Filmausschnitte und Kinoplakate zeigen King Kong und seine Schicksalsgefährten, aber auch die Fernsehserie "Unser Charlie". Hinter den Scherzen dieser Entertainment-Affen steckt oft eine gnadenlose Dressur.

Käfig für Besucher: Sich fühlen wie Affen im Zoo

Affenhände ragen aus der Wand, zur Begrüßung ausgestreckt. Aus einer Futterbox können Kinder Bonbons und Erdnüsse angeln - während sich die Eltern über den schwindenden Lebensraum der Affen informieren. Am Ende der Ausstellung steht ein Käfig. Jeder kann hineingehen und einen Moment lang nachempfinden, wie sich Affen im Zoo fühlen.

Genug für einen Ganztagsausflug

Um das Museum herum gibt es noch einen Kunstpfad, einen Minigolfplatz und eine Steinzeitwerkstatt, genug für einen Ganztagsausflug. Ein anregendes Museum mit vielen Sonderveranstaltungen, ganz auf dem neuesten Stand.

Neanderthal-Museum
Talstraße 300
40822 Mettmann
Sonderausstellung "Wie Menschen Affen sehen"
bis 21. Oktober
Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags 10 - 18 Uhr.


Stand: 03.08.2012, 00.00 Uhr