WDR 2 Die Kritiker - Ulrich Peters neuer Intendant in Münster: Bunga Bunga mit Rossini
Münsters neuer Intendant Ulrich Peters hat trotz Sparzwang anspruchsvolle Dinge vor, doch die erste Premiere unter seiner Leitung, der "Barbier von Sevilla", ist vor allem bunt und lustig.
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Barbier von Sevilla: Lisa Wedekind und Youn-Seong Shim (Fotostrecke 1)
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- Audio: WDR 2 Kritiker: "Barbier von Sevilla" im Theater Münster (10.09.2012) Stefan Keim, WDR 2 Mittagsmagazin
Ärger in Münster: Bevor er seiner erste Premiere herausbringen konnte, bekam der neue Intendant Ulrich Peters schon die Mitteilung, er müsse knapp zwei Millionen Euro sparen. Das würde bedeuten, das Schauspiel und den Tanz abzuschaffen. Peters will kämpfen, dazu braucht er die Unterstützung des Publikums. Die erste Premiere musste ein Erfolg werden, und es hat geklappt. Das Publikum bejubelte den "Barbier von Sevilla".
Sicherer Zuschauermagnet
Schon vor der Ouvertüre verteilen knallbunt geschminkte Sänger Bonbons im Publikum. Sie quatschen mit den Zuschauern und verbreiten eine aufgekratzte Stimmung. Rossinis "Barbier von Sevilla" gehört zum eisernen Repertoire der Opernhäuser. Ein sicherer Zuschauermagnet, witzig, sprudelnd, allerdings kein Stück, das man am Start einer neuen Intendanz vermutet. Da gibt es normalerweise ein künstlerisches Statement, eine Orientierung, wohin in den nächsten Jahren die Theaterreise gehen soll. Münsters neuer Chef hat anspruchsvolle Dinge vor, doch die erste Premiere unter seiner Leitung ist vor allem bunt und lustig.
Echte Tiere auf der Bühne
Regisseur Aron Stiehl, der nächstes Jahr bei den Bayreuther Festspielen inszenieren wird, versteht sein Handwerk. Er aktualisiert die komödiantische Handlung, ohne allzu bissig zu werden. Doktor Bartolo, der gern sein reiches Mündel Rosina heiraten möchte, ist ein Wiedergänger Silvio Berlusconis. Außerdem ist dieser Bunga-Bunga-Bartolo Schönheitschirurg und damit ein Konkurrent des ebenfalls um die Äußerlichkeiten seiner Kunden bemühten Barbier Figaro. Da werden Damen die Brüste aufgebläht, in einer Fettwegmaschine störende Kilos entfernt. Sogar ein Zottelhund verwandelt sich in einen Kurzhaarwauwau. Echte Tiere auf der Bühne, Szenen mit großer Pointendichte, die effektvoll eingesetzte Drehbühne und ein frisch spielendes und temperamentvoll singendes Ensemble – der "Barbier" in Münster hat ohne Zweifel großen Unterhaltungswert.
Neulinge überzeugen
Die rasanten Tonfolgen der Belcanto-Oper gehen den Sängern flott von den Lippen. Von den Neulingen können besonderes Lisa Wedekind als Rosina und Juan Fernando Gutièrrez als Figaro überzeugen, während der in Münster wohlbekannte Bariton Plamen Hidjov einen hinreißend durchgeknallten Bartolo gibt. Dirigent Fabrizio Ventura lässt das Sinfonieorchester unbeschwert fröhlich musizieren. Eine ordentliche Aufführung, die niemanden enttäuscht aber auch keine weite Reise lohnt. Dieser "Barbier" ist vor allem für Münster gedacht. Das Theater muss sich unter neuer Leitung schnell etablieren und Freunde finden, um den radikalen Sparvorgaben der Stadtverwaltung begegnen zu können. Diesen Anspruch erfüllt die Aufführung.
"Barbier von Sevilla"
Theater Münster, großes Haus
Neubrückenstraße 63
48143 Münster
Termine: 14., 18., 21. September jeweils um 19.30 Uhr, 23. September um 19 Uhr, 28. und 30. September, jeweils um 19.30 Uhr
Karten: 0251 5909 100
Internet: www.theater-muenster.com
Stand: 10.09.2012, 11.39 Uhr
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