WDR 2 Die Kritiker - "Trilogie der Sommerfrische" in Wuppertal: Die Komödie zur Krise
Urlaub ist Stress. Zumindest wenn die halbe Stadt an den gleichen Ort fährt, und alle mit ihrem Reichtum angeben müssen. Auch wenn sie überhaupt kein Geld mehr haben. Das war so Sitte im Italien des 18. Jahrhunderts. Deshalb schrieb der Komödienautor Carlo Goldoni eins seiner bissigsten Stücke über die Prahler ohne Kapital.
Die "Trilogie der Sommerfrische" läuft nun an den Wuppertaler Bühnen, die von heftigen Sparbeschlüssen der Stadt erschüttert werden. Schon vor der Premiere wurden Flugblätter verteilt, nachher verlas eine Schauspielerin eine kämpferische Erklärung. Viele befürchten, dass die Kürzungen vor allem beim Schauspiel das Ende der Sparte bedeuten könnten.
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Die hoch verschuldete Stadt Wuppertal will Oper, Schauspiel und Sinfonieorchester fusionieren (Fotostrecke 1)
Gute Stimmung trotz mieser Aussichten
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- Audio: WDR 2 Die Kritiker: Lustig und bitter - Komödie mit Bezügen zur aktuellen Lage (12.10.2012) Stefan Keim, WDR 2 Mittagsmagazin
Der Schauspielintendant Christian von Treskow weiß schon, dass sein Vertrag nicht verlängert wird. Er muss im Sommer 2014 gehen, ebenso wie sein Kollege in der Oper. Doch Treskow lässt sich die Stimmung nicht vermiesen und legt eine spritzige, wilde, enorm komödiantische Inszenierung hin. Die Schauspieler tragen historische Kostüme und Puderperücken wie in der Entstehungszeit des Stückes. Sie lassen keinen Gag aus, stolpern über alles, was im Weg steht, rennen, klettern - und ständig lieben sich die falschen. Soll heißen: Wenn es nach den Gefühlen geht, würden immer diejenigen heiraten, deren Verbindung wirtschaftlich keinen Sinn macht. Viele Männer jagen nach reichen Frauen, weil sie an ihr Geld ran wollen. Mit Ausnahme von einem naiven jungen Paar gibt es kein Happy-End. Nicht die Liebenden kriegen sich, sondern es wird nach ökonomischen Gesichtspunkten geheiratet. Glück ist Nebensache. Das war zu Goldonis Zeit eine starke Provokation.
Dreieinhalb Stunden mit großer Energie
Auch in Wuppertal wird die Aufführung immer bitterer. Nach zwei spielerischen Teilen mit hemmungslos übereinander her fallenden Schauspielern gibt es noch einen dritten Abschnitt. Da wird die Verzweiflung immer größer, die Gläubiger rücken den bankrotten Bürgern auf die Pelle, mancher verliert die Hoffnung. Die Kostüme sind nur noch Fetzen, die Perücken fast ganz verschwunden. Dreieinhalb Stunden dauert der Abend, durch zwei Pausen und die Riesenenergie der Schauspieler ist das gut auszuhalten.
Unterstützung der Theaterfans ist gefragt
Ab der nächsten Spielzeit werden solche großen Stücke kaum noch möglich sein. Die bankrotte Stadt Wuppertal spart zwei Millionen Euro am Theater, die Sparkasse gibt zwar 1,2 Millionen Euro dazu, aber davon müssen auch die Tariferhöhungen bezahlt werden. Viele Schauspielerinnen und Schauspieler sowie Sängerinnen und Sänger bekommen in diesen Tagen die Kündigung. Es bleiben nur noch Rumpfensembles übrig. Das Schauspielhaus wird nun ganz geschlossen, derzeit wird noch im Foyer gespielt. Es soll eine neue Spielstätte für das Schauspiel entstehen, in der Nähe des Opernhauses. Die Baukosten von 1,5 Millionen Euro wollen kulturbegeisterte Bürger stemmen. Doch wenn dann nur noch wenige Künstler da sind, die das neue Haus mit Leben füllen, sieht das armselig aus. Also müssen Wuppertaler Theaterfans jetzt ins Theater gehen. Wer weiß, wie lange es Aufführungen wie die "Trilogie der Sommerfrische" noch gibt.
Trilogie der Sommerfrische
Opernhaus Wuppertal
Kurt-Drees-Straße 4
42283 Wuppertal
Termine: 13., 21., 26., 31. Oktober, 3., 9., 11., 25. November, 16., 29. Dezember
Karten und Infos: 0202 5 63 76 66
www.wuppertaler-buehnen.de
Stand: 12.10.2012, 10.25 Uhr
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