WDR 2 Tatort NRW - Edgar Franzmann Der Richter-Code

Von Nicole Erksmeier

Vom Einbau des Richter-Fensters im Dom bis zum U-Bahn-Bau, vom Einsturz des Stadtarchivs bis zum "Kölschen Klüngel": Edgar Franzmann hat alle lokalen Aufreger der vergangenen Jahre verarbeitet.


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Es ist die Nacht vor Aschermittwoch. Überall in Köln werden Strohpuppen als Nubbel verbrannt, die symbolisch für alle Sünden der Karnevalisten büßen sollen. Mitten im Trubel: der feiernde 30-jährige Georg Rubin. Plötzlich sieht er ein Feuer in einem einsamen Park. Auf einem Scheiterhaufen findet Rubin eine tote Frau. Und eine angekokelte Nachbildung des berühmten Dom-Fensters von Gerhard Richter.


Ausschnitt aus dem Cover des Buchs "Der Richter-Code" / Krimi-Autor Edgar Franzmann
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Ausschnitt aus dem Cover des Buchs "Der Richter-Code" / Krimi-Autor Edgar Franzmann

"Mein Held, Georg Rubin, ist Journalist bei der Boulevardzeitung Blitz und ich beschreibe ihn als den ehrgeizigsten Journalisten Kölns. Ich will nicht sagen, dass ich persönlich der ehrgeizigste Journalist Kölns war, aber ich wollte auch die besten Geschichten an Land ziehen, die es in Köln gibt. Und deswegen hat der Georg von mir schon einiges", sagt Edgar Franzmann über seinen Protagonisten.

Mit voller Wucht reißt der Kölner Krimiautor gleich zu Anfang den Leser in seine Handlung hinein. Rasant geht die Geschichte weiter. Hauptfigur Georg Rubin wittert die Story seines Lebens. Schnell entdeckt der Sensations-Reporter eine Verbindung zwischen der Pius-Bruderschaft, die das Richter-Fenster ablehnt, und Arbeitern auf der U-Bahn-Baustelle am Kölner Waidmarkt. Und dann passiert das nächste Unglück: Das historische Archiv der Stadt Köln stürzt ein.

"Ich war gut ein Jahr vor dem Einsturz des Stadtarchivs dort und hab' mit der Direktorin gesprochen. Und sie hat mir damals schon die Risse gezeigt und darauf hingewiesen, wie das Haus sich senkt und ich hab die Risse gesehen, zwei Meter-Risse. Und sie hat gesagt, sie habe alle möglichen Leute schon informiert. Aber Tatsache war, es hat keiner auf sie gehört", erzählt Franzmann.

Die Idee zum Buch kam ihm durch das Richter-Fenster im Dom. Bis heute hat es eine stark  inspirierende Wirkung auf den 63-Jährigen: "Ich finde das Fenster so faszinierend wegen des Lichtes, das es in den Dom bringt. Es färbt die Wände, es färbt den Staub im Dom, den man dann sieht, wenn die Sonne reinscheint und es belebt tatsächlich unheimlich den Dom. Mich hat das auf alle möglichen Gedanken gebracht."

Mit viel Lokalkolorit und Humor lässt Edgar Franzmann reale Schauplätze und Personen im Roman auftauchen. Das Buch enthält viele Anspielungen, die die Kölner sofort verstehen. Aber auch der Nicht-Kölner kann sich darüber amüsieren, wie zum Beispiel der Kölsche Klüngel funktioniert. Dabei nimmt die Handlung  ständig neue Wendungen, so dass der Leser nicht immer sicher sein kann, wer hier eigentlich gut und wer böse ist.

Der Roman ist vor allem spannende Unterhaltung, aber Edgar Franzmann will auch aufrütteln: "Diese Verschleierungstaktik um den U-Bahn-Bau war wirklich schon sehr beschämend. Man hat sich einfach drauf verlassen: Es hätt schon immer joot jejange, wie die Kölner sagen, und das ist eben ein Beispiel dafür, dass es nicht gut gegangen ist."

Edgar Franzmann
Der Richter-Code
Köln-Krimi
Emons Verlag
ISBN: 978-3-89705-830-9
Preis: 10,90 Euro


Stand: 13.02.2012, 13.49 Uhr