WDR 2 Tatort NRW - Janine Binder Eine Polizistin erzählt

Von Nicole Erksmeier

Eigentlich ist der Krimi "Eine Polizistin erzählt. Seine Toten kann man sich nicht aussuchen" gar kein Krimi. Denn die Autorin Janine Binder aus Köln ist Polizistin und hat in ihrem Buch wahre Geschichten aus ihrem Polizeialltag aufgeschrieben. Und die gehen auch geübten Krimilesern ganz schön unter die Haut.


Janine Binder ist zierlich, gerade mal 1,58 Meter groß. Schwach und hilflos wirkt die frischgebackene Kriminalkommissarin damit aber keineswegs. Die 30-Jährige strahlt Ruhe aus, hat ein gewinnendes Lächeln, unzählige Sommersprossen und schulterlange blonde Haare. Probleme, sich im Polizeidienst Respekt zu verschaffen, hatte sie trotz ihrer Größe nie. Nur einmal, als sie sich mit 16 Jahren für den Polizeidienst beworben hat. "Es war vollem Wut", erinnert sich Janine Binder. Ein Einstellungsberater habe ihre Familie aufgesucht und sich lustig über sie gemacht. Er habe gefragt, warum sie denn die Idee hätte, zur Polizei zu gehen? "Und während der sich da witzig machte über mich, hab' ich gedacht: Und dem zeigst du das jetzt, dass du das doch kannst! Das war einfach nur: beweisen, dass ich das kann!"


Janine Binder von den Polizei-Poeten

Keine Vorzeigepolizistin

Und das hat sie in 14 Dienstjahren bewiesen. Darunter sechs Jahre Autobahnpolizei, Einsätze beim zivilen Einsatztrupp, der Drogenfahndung, gegen illegale Einreise und Streifendienst in den sozialen Brennpunkten Köln-Chorweiler und Kalk. Eine Vorzeigepolizistin war sie aber nie, gibt die Kölnerin schmunzelnd zu: "Ich werde auch mal laut, wenn mir wer dumm kommt, dann motz ich da auch mal zurück, wenn mir das zu lange dauert. Und da bin ich nicht diejenige, die immer in päpstlichen Tonfall daherkommt, sondern auch mal durch die Gegend brüllt, ja, das wirkt."

Belastendes von der Seele geschrieben

Alltägliche Beschimpfungen wie "Scheißbulle" nehme sie schon gar nicht mehr wahr, sagt Binder. Aber die besonders bewegenden und belastenden  Einsätze, die verarbeitet sie in ihren Kurz-Geschichten. "Dann setz ich mich ein paar Tage später hin, schreibe alles auf. Und wenn ich fertig bin und den letzten Punkt gesetzt habe, ist das so 'n bisschen wie von der Seele geschrieben." Ihre Geschichten sind sehr persönlich und spannend erzählt. Der Leser ist hautnah - aber ohne Risiko - dabei, wenn Janine Binder mit ihren Kollegen auf Streife fährt. Man erlebt eklige, lustige, gefährliche und schockierende Einsätze mit echten Kriminellen, wirklich verstorbenen Toten, gefassten Drogendealern und glücklich Geretteten.

Personen verfremdet dargestellt

Alle Betroffenen und Kollegen sind natürlich verfremdet, wie auch Binders Kollege Philip Roesgen. Der erzählt: "Der Einsatz war eine hilflose Person. Dann hat er irgendwann angefangen, mich zu beleidigen und danach war das 'Rhinozeros' geboren. Als ich die Geschichte gelesen habe, war das im Grunde so verfremdet, dass Rückschlüsse auf meine Person so nicht möglich gewesen wären. Und dementsprechend war es witzig für mich, weil ich ja wusste, worum es geht und mit wem das Ganze war."

Schreiben ist nur das Hobby

Ihren Job bei der Polizei wegen ihres Hobbys an den Nagel zu hängen, kommt für Janine Binder überhaupt nicht in Frage, auch wenn er manchmal ein Albtraum-Job sein kann, wie sie berichtet: "Nein, das Schreiben wird nie der Hauptberuf sein. Erstmal weil ich das aus Spaß mache und dann würde mir ja auch die Basis für die Geschichten fehlen, wenn ich nicht mehr Polizistin bin."

Janine Binder
Eine Polizistin erzählt.
Seine Toten kann man sich nicht aussuchen
Piper Verlag 2011
ISBN: 9783492273145
8,99 €


Stand: 19.12.2011, 15.59 Uhr