WDR 2 Tatort NRW - Mechtild Borrmann Wer das Schweigen bricht

Von Udo Feist

Die Geschichte von sechs Schulfreunden aus Kranenburg am Niederrhein, Jugendliche während des Nationalsozialismus - Denunziation, Verrat und Mord: "Wer das Schweigen bricht" von Mechtild Borrmann.


Buchcover "Wer das Schweigen bricht" / Mechtild Borrmann; Rechte: Pendragon-Verlag

Buchcover "Wer das Schweigen bricht" / Mechtild Borrmann

Es gibt Dinge, die wir gar nicht wissen wollen, bei denen wir hinterher denken, hätt ich bloß nicht gefragt! So geht es auch Robert Lubitsch. Einem Hamburger Arzt, der nach dem Tod seines Vaters in dessen Unterlagen einen fremden SS-Ausweis und das Foto einer schönen jungen Frau entdeckt. Hatte der unnahbare Patriarch doch einen dunklen Fleck? Eine Geliebte? Aus einer Laune beginnt Robert nachzuforschen und landet in Kranenburg bei Kleve am Niederrhein - einen Mord und 224 Seiten später weiß er: Er hätte besser nicht gefragt.

Alltägliche Geschichten und Figuren spektakulär genug

Mechtild Borrmann kommt ohne Leichenmaden und Serienmorde aus. Sie fesselt mit alltäglichen Geschichten und Figuren. Die sind spektakulär genug, wenn man genau hinschaut. Borrmann kann das. "Wer das Schweigen bricht" ist die Lebensgeschichte von sechs Schulfreunden aus Kranenburg, Jugendlichen im Nazi-Reich, 1939 beim Ausbruch des Krieges gerade mal 18 Jahre alt: "Was mich fasziniert hat oder was ich wollte, war diese Idee, wie haben eigentlich ganz normale Leute in dieser Zeit, Jugendliche, wie sind die mit dieser Zeit umgegangen oder wie konnten die in so einem System sich finden und leben."

Das Verhängnis nimmt seinen Lauf

Eine Journalistin hilft Robert bei seinen Nachforschungen. Sie wittert eine Story. Denn Therese, eine der sechs Jugendlichen von damals, ist mittlerweile millionenschwere Erbin einer Modefirma. Das Verhängnis nimmt dann lawinenartig seinen Verlauf, und alles bloß, weil Robert neugierig war. "Das war wieder nur eine ganz kleine Entscheidung, als er sich entscheidet, mit diesem Foto nach Kranenburg zu fahren, eine Alltagsentscheidung, keiner ahnt, was sich daraus ergibt."

Denunziation, Verrat und Mord auf dem Dorf

Wie immer im Leben, sagt sie. Im Wechsel von Gegenwart und Rückblende holt sie schreckliche Geheimnisse ans Licht, erzählt vom Fluch zurückgewiesener Liebe, dem Leben auf dem Dorf in der Nazizeit, von Denunziation, Verrat und Mord. "Ich möchte Geschichten erzählen und ein bisschen zeigen, wie die Dinge passieren können. Alles, was wir immer so groß Schicksal nennen, das ist ja nichts, was irgendwie von oben kommt, wobei es sich so anhört, aber es sind ja die tausend kleinen Entscheidungen, die wir jeden Tag treffen und mit denen wir in eine ganz bestimmte Richtung gehen."

Packende Geschichte, unaufgeregt erzählt

Borrmann, die in Bielefeld lebt, aber am Niederrhein aufwuchs, erzählt unaufgeregt eine packende Geschichte. Die Landschaft spielt dabei eine große Rolle. Man kann sie sehen, riechen, fühlen, während sie die Figuren an ihre Grenzen treibt. Und Robert hätte am Ende am liebsten nichts von all dem gewusst.

Deutscher Krimipreis 2012

Für "Wer das Schweigen bricht" wurde Mechtild Borrmann mit dem "Deutschen Krimipreis 2012" ausgezeichnet. Dies gab das Bochumer Krimi Archiv am Montag (16.01.2011) bekannt.

Mechtild Borrmann
Wer das Schweigen bricht
Verlag: Pendragon
ISBN: 978-3865322319
Preis: 9,95 Euro

Audio


Stand: 16.01.2012, 15.35 Uhr