Replay des Monats September: Blur 21 - The Box
In England werden Blur gerne mit den Beatles auf eine Stufe gestellt. Vor allem wenn es um die Musik geht. Denn die Band um Frontmann Damon Albarn schaffte in den 1990er Jahren den Spagat, musikalisch experimentelle Wege zu gehen und gleichzeitig immer wieder Hitsingles abzuliefern
Von 1990 bis 2003 dauerte ihre Plattenkarriere an. Dann zeigte sich eine weitere Parallele zu den Beatles. Auch Blur waren als engste Freunde gestartet. Mit den Jahren ging man sich jedoch zunehmend aus dem Weg. Und während des letzten Albums verließ Gitarrist Graham Coxon die Band - der Anfang vom Ende.

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Blur 21 - The Box
Solides Gesamtwerk
Sieben Studioalben haben Blur in ihrer aktiven Zeit produziert. Darum herum entstanden unzählige Singles mit Remixen, Live-Sessions sowie Songs, die nicht auf Alben erschienen sind. All das und vieles mehr wurde nun zur definitiven Sammlung "Blur 21 - The Box" zusammengefasst. Und diese Box ist in jeder Hinsicht vorbildlich gemacht. Die Zahl "21" bezieht sich auf insgesamt 18 CDs und 3 DVDs. Dazu gibt es noch eine Vinyl-Single sowie ein aufwändig illustriertes Begleitbuch, in dem die vier Bandmitglieder die Geschichte zu den Alben und ihrer gemeinsamen Zeit erzählen.
Könige des "Britpop"
Das Kernstück der Box sind die sieben Original-Alben. Die ersten fünf wurden neu und dabei etwas druckvoller überspielt. Und jedes der sieben Alben konnte wegen der Fülle des existierenden Materials jeweils zu einem Doppelalbum erweitert werden. Die Alben von "Leisure" bis "Think Tank" zeigen eine Band auf einer spannenden musikalischen Reise. Anfangs wirken Blur etwas orientierungslos zwischen Pop und experimentellen Indie-Klängen. Doch schon beim zweiten Album "Modern Life is Rubbish" finden Blur ihren sehr "englischen Stil", der immer wieder Vergleiche mit den Kinks einbrachte. Denn Blur produzierten viele eingängige Songs mit Texten über die britische Gesellschaft. Was mit dem dritten Album "Parklife" 1994 den großen Durchbruch brachte. Zusammen mit Oasis waren Blur plötzlich die Aushängeschilder des "Britpop". Nach "Parklife" jedoch wurden die Alben zunehmend experimenteller mit zum Teil sehr schrägen und manchmal auch verstörenden Sounds.

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Brit Awards 2012: Blur
Öffnung des Archivs
Gitarrist Graham Coxon hat über die Jahre viele Bandproben aufgenommen und gesammelt. Für die Box hat er jetzt sein Archiv geöffnet. So enthält "Blur21" noch zwei weitere Doppelalben (!) mit unveröffentlichtem Material. Darunter Demos und Aufnahmen aus ihren Anfängen unter dem Bandnamen "Seymour". Hier klingen die vier Musiker seltsamerweise fast schon genauso experimentell wie zum Ende ihrer Blur-Karriere. Man gewinnt den Eindruck, dass die gefühlte Weiterentwicklung eher ein sich schließender Kreis war. Zu dem ausgiebigen Audio-Material bietet die Box noch drei DVDs, auf denen Live-Konzerte sowie einige Videoraritäten enthalten sind.
Ende der Geschichte?
Momentan hat es den Anschein, als sei die kreative Blur- Geschichte mit der Box abgeschlossen. Zwar tritt die Gruppe inzwischen wieder gelegentlich live auf und spielt die alten Songs. Aber es sieht nicht danach aus, dass in absehbarer Zeit noch einmal neues Material entsteht. Ein kürzliche gemeinsame Studio-Session soll ergebnislos abgebrochen worden sein. Vielleicht haben die vier Musiker Angst, dass sie wieder in dem Alptraum landen, in dem sie 2003 geendet sind. Die Freundschaften waren schwer beschädigt und es gab Drogen- und Alkoholprobleme.
Doch auch wenn das kreative Kapitel von Blur beendet ist, bietet diese Box für Fans erstmal genug neues Material, das erforscht werden will. Und das braucht seine Zeit, denn die Musik von Blur ist über weite Strecken keine leichte Kost. Aber genau das macht sie so besonders!
Stand: 04.09.2012, 12.52 Uhr
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