Jon Lord ist tot Klang einer Generation

Ohne Jon Lord gäbe es keinen Hard Rock und kein Heavy Metal, meinen seine Fans. Der unangefochtene Meister der Hammond-Orgel war sich sicher, den Krebs besiegen zu können. Am Montag (16.07.2012) verlor er den Kampf.


Jon Lord, Deep Purple, am 22.09.2004 in Berlin

Viele Bands haben herausragende Keyboarder, aber nur Deep Purple hatten einen Mann an den Tasten, der mit experimenteller Lust immer wieder versuchte, die streng getrennten Welten der Klassik und der Rockmusik zusammenzubringen: Jon Lord. So entstanden Rockklassiker von "Speed King" bis "Smoke On The Water" und sinfonische Werke wie das 1969 erstmals aufgeführte "Concerto for Group and Orchestra". Am Montag starb Lord nach einem langen Krebsleiden im Alter von 71 Jahren. Lord sei im Beisein seiner Familie verstorben, hieß es.

Ein Abschied in Freundschaft


Lord verließ Deep Purple 2002 – in aller Freundschaft, wie es hieß. Zwei Jahre später veröffentlichte er das Album "Beyond The Notes" und sagte zum Abschied von der Band, die er 1968 mit gegründet hatte: "Ich machte mir Sorgen, weil ich zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt war. Und dann gab ich der Band nicht mehr 100 Prozent. Ich wollte nicht als der erinnert werden, der die Band mit gegründet und ihr am Ende nicht mehr 100 Prozent gegeben hat."

Einzigartige Musikalität

Von 1968 bis 1970 war Lords Orgel das dominierende Instrument bei Deep Purple. Der frühe Hit "Hush" hatte ein Orgel-, aber kein Gitarrensolo. Mit "Deep Purple in Rock" setzte sich Ritchie Blackmores Gitarre als Lead-Instrument durch. Bei "Speed King", "Child In Time", "Highway Star" und vielen anderen Songs bis zur ersten Auflösung der Band 1976 kultivierten Blackmore und Lord ein Wechselspiel zwischen ihren Instrumenten, das damals einzigartig war.


Jon Lord, Deep Purple
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Porträt der Künstlers als junger Mann: Jon Lord mit Orchester am 23.09.1969

Fusion von Klassik und Rock

Von Anfang an versuchte Lord, seine klassischen Ambitionen und seinen Status als Rockmusiker – in einer der wildesten Bands der damaligen Zeit – unter einen Hut zu bringen. Die Band folgte ihm bei Kompositionen wie "April" und vor allem dem "Concerto", das 1999 zum 30-jährigen Jubiläum noch einmal auf einer internationalen Tournee mit Orchester aufgeführt wurde.

Abwege und Rückkehr

Das "Concerto" sei sicherlich das erste speziell für Rockband und Orchester geschriebene Stück der Musikgeschichte, stellte Lord in einem Interview fest. "Ich habe mich nie als Rock'n'Roll-Musiker gesehen, sondern als Musiker betrachtet. In der Mitte meiner Karriere war ich ein wenig von meinem Weg abgekommen, als ich mich Whitesnake angeschlossen habe. Ich hatte vier Jahre Spaß. Als dann Deep Purple wieder neu anfingen, war ich wieder zuhause..."

Musikalische Selbstfindung

Neben Deep Purple machte Lord überwiegend klassisch inspirierte Projekte: Mit der Band spielte er 1972 die "Gemini Suite" ein, 1974 und 1976 gingen aus der Zusammenarbeit mit Eberhard Schoener "Windows" und "Sarabande" – seine vielleicht ausgereifteste klassische Arbeit – hervor. 1998 erschien "Pictured Within", eine Art musikalische Selbstfindung, 2004 nach dem Abschied von Deep Purple "Beyond The Notes". Neben seinen klassischen Projekten widmete sich Lord noch einer weiteren alten Liebe, dem Blues. Im vergangenen Jahrzehnt spielte er mit den Hoochie Coochie Men zwei Blues-Alben ein.

Demut und Freude

Zur Kritik, seine klassischen Kompositionen seien naiv, sagte er 2004: "Naiv, aber mit meinem Herzen weit geöffnet. Ich habe nie prätentiös sein wollen, ich bin lieber naiv als prätentiös. Ich wollte Musik zu meinen Bedingungen machen. Damals war das frisch und neu – und ein Spaß! Sie löste Lächeln aus. Ich liebe es immer noch, Menschen zum Lächeln zu bringen."


Stand: 17.07.2012, 07.04 Uhr