Nickelback am 21.09.2012 in Köln Fesselndes Konzert

Vor 15.000 Fans bewies das kanadische Rock-Quartett Nickelback in der ausverkauften Arena, dass es seinen Ruf, insbesondere eine hervorragende Festival- und Stadion-Band zu sein, völlig zu Recht hat.


Dies ist erstens und vor allem der Bühnenpräsenz von Frontmann, Sänger und Gitarrist Chad Turton, besser bekannt als Chad Kroeger, zu verdanken. Der neuerdings kurz-behaarte und aufgrund dessen um Jahre jünger aussehende Sänger richtete seine volle Energie konstant auf das Publikum; wenn er nicht gerade sang, unterhielt er die Menge mit scherzhaft-flapsigen Sprüchen. Nebenbei wurden, ganz rocker-like, auch Bier in (offenen) Bechern sowie T-Shirts ins Publikum gefeuert – auch eine Form der Kontaktaufnahme. Zweitens beeindruckten die Kanadier, deren Name angeblich Chad’s Bruder Mike beim Wechselgeld-Zurückgeben ("Here’s your Nickel back!") eingefallen sein soll, mit einem enorm druckvollen Sound, der trotz immenser Lautstärke ausgewogen klang.


Nickelback auf der Bühne in Köln

Voluminöser Rock-Sound

Denn alle Instrumente wie auch Chad’s Stimme klangen nicht für sich alleine genommen wuchtig, sondern überdies auch noch zusammen homogen – mit Ausnahme des Basses, der zwar möglicherweise lautstärkemäßig zum Gesamtpegel passte, aber dermaßen tief-frequent in die Ohren dröhnte, dass sich der eine oder andere trotz Gehörschutz auch mal ein Ohr zuhielt. Insofern wäre etwas weniger Gesamt-Lautstärke dem Hörgenuss insgesamt zuträglicher gewesen. Andererseits: Der Großteil des Publikums genoss es dem Anschein nach, von den Frequenz-Gewitter bis ins Mark durchgeschüttelt zu werden. Und faszinierend viel Druck hatte, was da CD-gleich aus den Lautsprecher-Paketen knallte, in jedem Fall.  

Neue Lieder und große Hits

Nickelback (nicht zu verwechseln mit der 90er-Jahre Band "Nicklebag") eröffneten ihr gut 95 Minuten langes Set mit "This Means War", dem Opener ihres jüngsten Albums "Here And Now" (2011), spielten von letzterem jedoch nur insgesamt vier Songs. Dafür hatten sie unter die übrigen 13 Lieder des Abends unter anderem ihre großen Hits wie "Rockstar" und natürlich "How You Remind Me" gepackt. Letzteres spielten die vier in schlichtes Schwarz gekleideten Musiker als letztes Lied vor der Zugabe. Zu diesem Zeitpunkt bebte die Halle zum wiederholten, diesmal aber heftigsten Mal: Die Tribünen vibrierten und der gesamte Innenraum streckte die Hände in die Luft. Und bei den dann folgenden zwei Zugaben fand diese begeisterte Geste sogar auf den hintersten Oberrängen statt. Und das ist immer ein Zeichen für ein wirklich fesselndes Konzert.


Nickelback auf der Bühne in Köln

Überzeugende Show

In diesem Fall eines mit viel brachialem Power- und straightem Rock, Rock-Balladen, wuchtigem Rock-Pop und einer Prise derben Heavy Metal. Für enormen Druck im Rhythmus-Bereich sorgte bei alldem vor allem Ex-"3-Doors-Down"-Schlagzeuger Daniel Adair, der sich unter anderem in einem langen Solo austoben durfte. Hier flogen im Rhythmus Licht-Salven ins Publikum, während bunte Spots kreisten und die Leuchtdioden-Wände Farben sprühten. Apropos Farbe: Die Kanadier ließen zwar Pyrotechnik und Spezial-Effekte zu Hause, brachten jedoch ganze Batterien von Spots, Strahlern und Scheinwerfer sowie große LED-Flächen mit nach Köln und überzeugten mit einer ausgefeilten, vielschichtigen  Lichtshow, welche Stimmungen von "verträumt" bis "Jetzt geht’s ab" transportieren konnte und so druckvoll und intensiv war wie die Musik. An diesem Abend wollte wahrscheinlich niemand einen "Nickel" zurück.            

Setliste
1. This Means War
2. Somethin In Your Mouth
3. Never Again
4. Photograph
5. Far Away
6. Too Bad
7. Animals
8. Trying Not To Love You
9. Rockstar
10. Someday
11. Side Of A Bullet/Because Of You
12. Lullaby/Drum Solo
13. When We Stand Together
14. Figured You Out
15. How you Remind Me
16. Gotta Be Somebody
17. Burn It To The Ground

Stand: 22.09.2012, 11.04 Uhr