Teurer Facebook-Fehler Flugtickets umsonst bei Alitalia

Von Stefan Troendle

Das Flugunternehmen Alitalia wollte mit einer Facebook-Kampagne eine Milliarde Personen erreichen. Aufgrund eines Software-Fehlers konnten dann jedoch tausende Kunden umsonst Flugtickets buchen.


PC-Maus auf einem Flugticket
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Dumm gelaufen: Alitalia "verschenkte" aus Versehen tausende Flugtickets. Schuld war ein Software-Fehler.

Es sollte die erste weltweite Werbekampagne auf Facebook werden, die bis zu einer Milliarde Personen erreicht, so brüstete sich Alitalia noch am Freitag in einer Pressemitteilung – allerdings ging diese gründlich daneben. Geplant war folgendes: Alle Facebook-User sollten für Flüge bis zum 23. März kommenden Jahres 25 Prozent Rabatt auf alle Alitalia-Tickets bekommen, egal wohin, wenn sie im Gegenzug ihre Mailadresse bekanntgeben. Einige User fanden jedoch heraus, dass es bei der Eingabe des Promocodes jedoch einen Software-Fehler auf der offiziellen Alitalia-Seite gab.

Weltreise zum Nulltarif


Wenn man seinen Flug über die japanische Seite von Alitalia buchte, waren plötzlich alle Flüge gratis. Man konnte also zum Beispiel einen Flug von Bologna über Abu Dhabi nach London-Heathrow zum Nulltarif buchen. Diese Nachricht verbreitete sich wohl ebenfalls via Facebook wie der Blitz.

Keine offiziellen Zahlen

Bis Alitalia reagieren konnte, waren bereits tausende, vermutlich eher zehntausende Gratis-Tickets gebucht. Offizielle Zahlen gibt Alitalia keine bekannt, die Pressestelle des Unternehmens reagiert nicht auf Anfragen. Glaubt man aber der Zahl des Alitalia-Facebook-Accounts, dann haben sich mehr als 180.000 Personen für das Sonderangebot interessiert, das der italienischen Fluglinie inzwischen ein ganz anderes Problem beschert hat.

Problem 'Shitstorm'

Alitalia kann sich vor Beschimpfungen im Internet kaum noch retten und steht im Zentrum eines sogenannten 'Shitstorms'. Die Gesellschaft hat nämlich offenbar die meisten Gratis-Tickets storniert. Ein Facebook-User hat einen Kommentar von der Alitalia-Seite geposted, auf dem es heißt, die Anti-Betrugs-Systeme der Company hätten Transaktionen mit Kreditkarten oder von IP-Adressen entdeckt, die nicht aus den Ländern stammten, für die sie vorgesehen seien. Diese User hätten eine Mail bekommen.

"Unfairste Gesellschaft 2012"

Wie es scheint, versucht Alitalia also offenbar auf diesem Wege, die meisten Gratis-Buchungen über die japanische Seite für ungültig zu erklären. Die Rache der Nutzer folgte umgehend: "Alitalia, gebt mir mein Ticket zurück", "Wir präsentieren die unfairste Gesellschaft 2012", "Hört auf, uns anzulügen", so lauten die noch harmloseren Kommentare auf der Facebook-Seite von Alitalia.

Verleumdungen im Internet

Die User dort beschweren sich auch darüber, dass Alitalia offenbar damit begonnen hat Posts zu löschen. Allerdings scheint das auch nötig zu sein, denn inzwischen finden sich Einträge wie "Stimmt es eigentlich, dass Alitalia ihre Flugzeuge nie wartet?", und ein User gibt den Tipp, die Ticketnummer schnell bei Saudi Airlines einzugeben und das dort noch als gültig angezeigte E-Ticket auszudrucken – mit der arabischen Airline bestehen nämlich offenbar Vereinbarungen über Code-Share-Flights.

Europäische Passagierrechte

Viele Facebook-Nutzer beschweren sich jedenfalls über die einseitige Annullierung eines rechtsgültigen Vertrags und drohen damit, die europäischen Passagierrechte einzufordern. Tatsächlich waren im Angebot von Alitalia keinerlei Beschränkungen vorgesehen, es war laut Presseinfo an Facebook-Follower in aller Welt gerichtet und ohne jedes Limit für alle Ziele gültig. Ob Alitalia derzeit weitere Facebook-Kampagnen plant, war übrigens nicht zu erfahren.


Stand: 22.10.2012, 12.59 Uhr