Wunderschöner Altweibersommer Foto-Wetter

Wenn der Sommer warm ausklingt und das Laub sich verfärbt, dann wird das Licht besonders klar und erlaubt eine gute Fernsicht. Deshalb ist der Altweibersommer auch bei Fotografen sehr beliebt. Bei Ihnen auch?


WDR 2 Altweibersommer - Fotos von Hörern

Altweibersommer - Fotos von WDR 2 Hörern

Der Altweibersommer bezeichnet einen Zeitabschnitt gleichmäßiger Witterung im Spätjahr, oft im September, der sich durch ein Hochdruckgebiet, stabiles Wetter und ein warmes Ausklingen des Sommers auszeichnet. Das kurzzeitig trockenere Wetter erlaubt eine gute Fernsicht und intensiviert den Laubfall und die Laubverfärbung. Der Name kommt von Spinnfäden, mit denen junge Baldachinspinnen im Herbst durch die Luft segeln. Mit "weiben" wurde im Althochdeutschen das Knüpfen der Spinnweben bezeichnet.

In der ganzen Welt geliebt


Altweibersommer - Fotos von Hörern
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Altweibersommer - Fotos von Hörern: Sonnenaufgang in Büschhof, Oberbergisches (eingeschickt von Margit Schneider)

In Ungarn, Polen und Russland nennt man diese Zeit ähnlich wie im Deutschen "Weibersommer". In Nordamerika wird diese Wetterlage Indian Summer genannt. Ähnlich spricht man in Finnland von "Ruska-Aika" (Zeit der Braunfärbung) und in Schweden vom "brittsommar" (Birgitta-Sommer). In Skandinavien kommen Erscheinungen der aufkommenden Polarnacht hinzu. In der Übergangsphase von der Mitternachtssonne zur Polarnacht macht der Spätsommer mit seiner prachtvollen Laubfärbung Ausflüge in die Natur besonders attraktiv. In den Mittelmeerländern ist die späte Warmperiode, dort im November, als "St.-Martins-Sommer bekannt". In Japan wird ein warmer später Sommer als "kleiner Frühling" bezeichnet.

Kurt Tucholsky: "Es ist die fünfte und schönste Jahreszeit"


Herbstlich verfärbter Wald
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Leuchtende Farben eines herbstlich verfärbten Waldes

Wenn der Sommer vorbei ist und die Ernte in die Scheuern gebracht ist, wenn sich die Natur niederlegt, wie ein ganz altes Pferd, das sich im Stall hinlegt, so müde ist es – wenn der späte Nachsommer im Verklingen ist und der frühe Herbst noch nicht angefangen hat – dann ist die fünfte Jahreszeit.

Nun ruht es. Die Natur hält den Atem an; an andern Tagen atmet sie unmerklich aus leise wogender Brust. Nun ist alles vorüber: geboren ist, gereift ist, gewachsen ist, gelaicht ist, geerntet ist – nun ist es vorüber. Nun sind da noch die Blätter und die Gräser und die Sträucher, aber im Augenblick dient das zu gar nichts; wenn überhaupt in der Natur ein Zweck verborgen ist: im Augenblick steht das Räderwerk still. Es ruht.

Mücken spielen im schwarz-goldenen Licht, im Licht sind wirklich schwarze Töne, tiefes Altgold liegt unter den Buchen, Pflaumenblau auf den Höhen ... kein Blatt bewegt sich, es ist ganz still. Blank sind die Farben, der See liegt wie gemalt, es ist ganz still. Boot, das flußab gleitet, Aufgespartes wird dahingegeben – es ruht.

So vier, so acht Tage – Und dann geht etwas vor.

Eines Morgens riechst du den Herbst. Es ist noch nicht kalt; es ist nicht windig; es hat sich eigentlich gar nichts geändert – und doch alles. Es geht wie ein Knack durch die Luft – es ist etwas geschehen; so lange hat sich der Kubus noch gehalten, er hat geschwankt ... , na ... na ... , und nun ist er auf die andere Seite gefallen. Noch ist alles wie gestern: die Blätter, die Bäume, die Sträucher ... aber nun ist alles anders. Das Licht ist hell, Spinnenfäden schwimmen durch die Luft, alles hat sich einen Ruck gegeben, dahin der Zauber, der Bann ist gebrochen – nun geht es in einen klaren Herbst. Wie viele hast du? Dies ist einer davon. Das Wunder hat vielleicht vier Tage gedauert oder fünf, und du hast gewünscht, es solle nie, nie aufhören. Es ist die Zeit, in der ältere Herren sehr sentimental werden – es ist nicht der Johannistrieb, es ist etwas andres. Es ist: optimistische Todesahnung, eine fröhliche Erkenntnis des Endes. Spätsommer, Frühherbst und das, was zwischen ihnen beiden liegt. Eine ganz kurze Spanne Zeit im Jahre.

Es ist die fünfte und schönste Jahreszeit.


Stand: 02.09.2012, 10.10 Uhr