Ecuador gewährt Assange Asyl "Gefangen" in der Botschaft

Ecuador gewährt Julian Assange Asyl. Der Wikileaks-Gründer hat aber aufgrund der britischen Haltung kaum eine Chance, dorthin zu kommen. London lehnt es am Donnerstag kategorisch ab, dem 41-jährigen Australier freies Geleit zu gewähren und bewacht nun den Ein- und Ausgang der Botschaft.


Proteste vor der britischen Botschaft in Ecuador. Plakat mit Aufschrift: "Willkommen in Ecuador, Julian Assange!"
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Proteste vor der britischen Botschaft in Ecuador: "Willkommen in Ecuador, Julian Assange!"

Assanges Rechtsmittel gegen eine Auslieferung an Schweden sind ausgeschöpft: In einem anderthalbjährigen Prozessmarathon hatte er versucht, die Auslieferung dorthin zu verhindern. Als er auch in letzter Instanz kein Recht bekam, flüchtete er am 19. Juni in die ecuadorianische Botschaft in London.

Botschaft ist letztlich nur eine Wohnung


Die ecuadorianische Botschaft befindet sich im Londoner Stadtteil Knightsbridge. Dabei handelt es sich jedoch nicht um ein eigenes Gebäude, sondern um eine Etage in einem Mietshaus. Dort soll die Botschaft über eine Wohnung mit etwa zehn Zimmern verfügen, eins davon bewohnt nun Julian Assange. Da das Gebäude selbst nur über einen Ein- und Ausgang verfügt, ist es für die Londoner Polizei recht leicht zu überwachen. Stürmen werde man die Wohnung jedoch nicht, wie es am Donnerstag Vormittag noch unvorsichtigerweiße aus dem britischen Außenministerium klang. Der Passus im Gesetz von 1987, auf den man sich bezog, ist dafür gedacht, wenn Terroristen sich in einer Botschaft aufhalten. Assange sollte vor Ort also sicher sein.


Vor der ecuadorianische Botschaft in Großbritannien stehen Polizisten
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Die ecuadorianische Botschaft in Großbritannien: Polizisten wollen Julian Assange abfangen, der hier Asyl bekommen hat.

Asyl ist "historischer Sieg"


Für Assange ist die Asylentscheidung Ecuadors ein "historischer Sieg". "Unser Kampf hat aber erst begonnen", sagte er. "Die beispiellosen US-Ermittlungen gegen WikiLeaks müssen gestoppt werden." Assange erinnerte daran, dass ein Wikileaks-Informant, Bradley Manning, "über 800 Tage ohne Prozess festgenommen ist." Seine Ausreise nach Ecuador will Assange notfalls vor dem Internationalen Gerichtshof erstreiten.

Sondersitzung der Außenminister beantragt

Der diplomatische Konflikt zwischen Großbritannien und Ecuador um WikiLeaks-Gründer Julian Assange soll nach den Plänen Quitos eine größere internationale Dimension erhalten. Die ecuadorianische Führung beantragte eine Sondersitzung der Außenminister der Organisation Amerikanische Staaten (OAS), die sich mit dem Fall befassen soll. Am Sitz der OAS in Washington verlautete am Donnerstagabend, dass darüber erst am Freitag (17.08.2012) entschieden werden solle. Zuvor hatten die Briten am Donnerstagvormittag gedroht, sie könnten auf der Grundlage eines Gesetzes von 1987 auch in die Botschaft Ecuadors eindringen und Assange dort festnehmen. Am Nachmittag ruderte das Außenministerium dann aber zurück.

USA hält sich raus

In Schweden soll Assange zu Vergewaltigungsvorwürfen befragt werden. Die USA erklärten, sie hielten sich aus dem britisch-ecuadorianischen Streit heraus. Dabei befürchtet Assange, Schweden könnte ihn in die USA abschieben, die dem Fall besondere Brisanz geben. Er hatte vor zwei Jahren den Zorn der US-Regierung auf sich gezogen, als seine Enthüllungsplattform WikiLeaks Hunderttausende geheime Dokumente über den Krieg im Irak und in Afghanistan veröffentlichte.


Wikileads-Gründer Julian Assange 2012
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Wikileads-Gründer Julian Assange 2012

Keine Hilfe aus australischer Heimat


Umstritten ist Assange und sein Asylantrag in Ecuador auch in der australischen Heimat. Es gab Überlegungen, Assange den Pass zu entziehen, seine Familienangehörigen in Australien wurden beobachtet. Grund waren Emails, die Assange veröffentlich hatte, mit denen er zeigte, wie unkritisch Premierministerin Julia Gillard an die Macht kam und wie unkritisch sie den Vereinigten Staaten gegenüber ist. In einem offenen Brief fordern 200 prominente Australier - darunter Wissenschaftler, Professoren und Schriftsteller - sich für den Staatsbürger Assange einzusetzen, gerade in Anbetracht der Lynch-Stimmung in den USA.


Stand: 17.08.2012, 13.15 Uhr