Blitzerattrappen gegen zu schnelles Fahren: Autofahrer-Schrecks
An über 3.000 Stellen in NRW ist am Dienstag (03.07.2012) geblitzt worden - eine Initiative gegen das Rasen. An anderen Stellen im Land haben Bürger im Kampf gegen Raser zur Selbsthilfe gegriffen.
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Offiziell ein Vogelhaus: Privater Starenkasten an einer Landstraße in Königswinter-Vinxel (Fotostrecke 1)
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- Audio: Private Initiativen gegen Raserei: Blitzerattrappen & Co. (03.07.2012) Till Opitz, WDR 2 Westzeit
Er ist grau, ungefähr so groß wie ein Briefkasten und hat täuschend echte Öffnungen für Blitz und Fotolinse. Die Rede ist von einem selbstgebauten Starenkasten. Er steht auf dem Privatgrundstück von Marie Hübel – an einer Landstraße in Königswinter-Vinxel zwischen Waldrand und dem Ortseingang: "Leider ist hier 70-Zone ohne Bürgersteig und Radweg. Die Autos fuhren über 90 Kilometer pro Stunde. Das ist für die Kinder viel zu gefährlich gewesen, und man selbst hatte Riesen-Angst. Deswegen haben wir den Starenkasten aufgestellt, und die Autos fahren jetzt wesentlich langsamer", sagt Marie Hübel.
Kleiner rechtlicher Kniff
Marie Hübel betreibt eine Ponyfarm für Kinder, ist selber Mutter von vier Kindern. Als sie vor zehn Jahren in das Haus direkt an der Landstraße gezogen ist, hatte ihr Vater die Idee mit dem Starenkasten. Große Gedanken, ob das erlaubt ist, haben sie sich nicht gemacht. Die Stadtverwaltung kam auch kurze Zeit später vorbei und hat die Konstruktion begutachtet. Ein kleiner rechtlicher Kniff macht den Starenkasten legal: "Das ist ein Vogelkasten. Die Vögel wohnen darin. Wir haben einen Eingang zum Innenraum des Blitzers. Deswegen darf der stehen bleiben. "
Keine echte Kamera
Eine echte Kamera ist im selbstgebauten Starrenkasten nicht drin. Schon zwei Mal wurde er aber von Unbekannten demoliert. Marie Hübel und ihr Vater haben ihn jedes Mal repariert. Und alle zwei Jahre wird er frisch gestrichen. Sie hatte auch schon mehrfach Anfragen für Baupläne. Doch der Starenkasten ist ein Unikat. Das Landesinnenministerium hat WDR2 auf Anfrage mitgeteilt, dass solche Imitate von Blitzkästen auf Privatgelände zumindest nicht verboten sind – so lange sie den Verkehr nicht gefährden. Das Aufstellen von Verkehrsschildern ist dagegen nicht erlaubt.
Gefahrene Geschwindigkeit wird angezeigt
Einen ganz anderen Weg im Kampf gegen Raser sind Anwohner einer viel befahrenen Straße in Köln gegangen. Bewohner der Friedrich-Schmidt-Straße haben vor fünf Jahren einen Verein gegründet und Geld gesammelt, um sechs so genannte Seitenradarmessgeräte zu kaufen. Sie zeigen den Autofahrern auf Displays am Straßenrand an, wie schnell sie fahren. Bertram Brennikmeyer-Lammers von der Anwohner-Initiative erläutert: "Die Geräte zeigen die gefahrene Geschwindigkeit an. Wir haben die so eingestellt, dass die ab Tempo 50 anfangen zu blinken. Dies soll dem Autofahrer signalisieren: 'Achtung, ich bin zu schnell!' Ich muss schon sagen, dass hat anfangs Einiges gebracht. Natürlich, mit der Zeit nutzt sich das ab."
Engagement, das sich lohnt
Gut 10.000 Euro haben die rund hundert Mitglieder für die Messgeräte investiert. Die Laternenmasten hat die Stadt zur Verfügung gestellt. Außerdem wurde ein 10-Punkte-Plan erstellt. Hauptforderung: Tempo 30. Das jahrelange Engagement der Anwohner hat sich gelohnt. Die Stadt hat beschlossen, die Straße noch in diesem Jahr zu einer Tempo-30-Zone zu machen und die Straße schmaler zu gestalten, damit weniger gerast wird.
Gute Erfahrungen der Anwohnerinitiative
Peter Loosen von der Anwohnerinitiative ist sich sicher, dass dieser Erfolg auch auf die konstruktive Haltung der Anwohnerinitiative zurückgeht. Sein Tipp: "Schauen, was es für Probleme gibt. Sammeln. Und dann muss man sehr schnell das Gespräch suchen. Denn die richtigen Fachleute sitzen in den Stadtverwaltungen und Bezirksregierungen. Da gibt's Know-How, das man sich holen muss. Dann kann man gute Vorschläge machen. Wenn man gute Ideen hat, werden die auch gehört."
Stand: 03.07.2012, 07.01 Uhr
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