Gericht erklärt Breivik für zurechnungsfähig Ein gefährliches Urteil?

Anders Breivik wird behandelt wie ein zurechnungsfähiger Mensch. Dadurch wird auch seine Tat als "normal" eingestuft. Das ist gefährlich, so die Einschätzung des Gerichtspsychiaters Reinhard Haller bei WDR 2.


Die Richter verlesen das Urteil gegen Breivik

Vordergründig seien alle zufrieden: Breivik, die Angehörigen, die Öffentlichkeit und selbst die Psychiater. Ob es mittelfristig auch so ein weises Urteil war, bezweifelt der österreichische Gerichtspsychiaters Reinhard Haller allerdings. Auf jeden Fall werde es gewisse Nebenwirkungen geben, sagte er im Gespräch mit WDR 2 Moderatorin Annette Wieners. Zum einen müssten wir zur Kenntnis nehmen, dass das Böse normal ist. Ein weiterer folgenschwerer Arspekt sei, dass sich ein psychisch kranker Mensch viel weniger zum Ideal und zur Nachahmung eignet. Der Gerichtspsychiater fürchtet außerdem, dass die ganze Breivik-Ideologie, die wir jetzt bereits haben, durch das Urteil weiter gefördert wird. Denn nun könne Breivik seine Biografie und seine Schriften vom Gefängnis aus veröffentlichen und verbreiten.

Urteil kommt Breivik entgegen

Breiviks Lächeln deutet Haller so, dass er der Meinung sei, er habe eine gerechte Tat getan, er habe sich für die Allgemeinheit geopfert, er müsse jetzt wie ein Märtyrer im Gefängnis dafür büßen. Das Urteil sei Breivik selbst auf jeden Fall entgegengekommen. Allein das sei schon ein Zeichen dafür, wie gestört der Mann ist. Er frage sich, ob man einen "Morbus Breivik" als eine nach Breivik erkannte Krankheit erfinden müsse, weil er so einmalig ist, dass es dafür keine Vergleichsfälle gibt.

21 Jahre Haft


Breivik ist vor Gericht für zurechnungsfähig erklärt worden. Die Richter verhängten die Höchststrafe von 21 Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung. Damit muss Breivik die Verantwortung für seine zwei Attentate mit 77 Toten vom vergangenen Sommer übernehmen. Breivik hatte am 22. Juli 2011 zuerst eine Autobombe im Osloer Regierungsviertel gezündet und so acht Menschen getötet. Später hatte er in einem grausamen Blutbad auf der Fjordinsel Ütöya 69 meist jugendlichen Sozialdemokraten das Leben genommen.

Taten vor Gericht gestanden


Der 33-Jährige hatte seine Taten vor Gericht zugegeben, aber keine Reue gezeigt. In seinem Geständnis bezeichnete er die Morde als "grausam, aber notwendig" und nannte als Tatmotiv Hass auf den Islam und die regierenden Sozialdemokraten. Während des gesamten Prozesses hatte sich Breivik vehement gegen eine Einweisung in die Psychiatrie gewehrt.


Stand: 24.08.2012, 14.21 Uhr