Erfahrungsbericht Elektroauto Stromtanken in der Pizzeria

Bernd Lieneweg ist schon seit zwölf Jahren in der Elektroauto-Szene unterwegs. Im Gespräch mit WDR 2 berichtet er von den Besonderheiten des abgasfreien Fahrens – und wo man überall an Strom für das E-Auto kommen kann.


Bernd Lieneweg mit Elektroauto

WDR 2 Moderator Vogt: Sie sind vorbildlich – Sie fahren schon ein E-Auto. Wie blöd werden Sie eigentlich noch angeschaut, wenn Sie mit ihrem Gefährt so lautlos durch die Gegen rollen?

Bernd Lieneweg: Blöd eigentlich nicht. Verwundert, aber nicht blöd.


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Sie fahren eines der wenigen Serienmodelle, also eigentlich ein ganz normales Auto, von außen zumindest. Welche Strecke fahren Sie damit täglich?

Lieneweg: Das kommt sehr stark auf die Fahrweise an. Wenn man sehr schnell fährt – das Auto fährt ja 130 km/h – dann kommt man vielleicht 80 Kilometer weit, wenn man ganz langsam fährt, also mit 45 km/h, dann kommt man auch 170 Kilometer weit. Das entscheidende ist wirklich die Fahrweise.

Aber wenn man auf der Autobahn unterwegs ist, dann fährt man doch sicher mindestens 100 km/h. Da muss man doch immer schauen, ob da der Sprit, bzw. der Strom reicht.


Bernd Lieneweg mit Elektroauto
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Pionier des abgasfreien Fahrens: Bernd Lieneweg und sein aktuelles Elektroauto

Lieneweg: Ich schalte ja immer mein Navigationsgerät ein, dann sehe ich ja, welche Reststrecke ich habe, dann vergleich ich immer die angezeigte Restreichweite mit der Reststrecke, und wenn das überein stimmt, dann komme ich ans Ziel – sonst muss ich irgendwo Strom laden.

Wo kriegen Sie den Strom? An normalen Tankstellen gibt es doch sichern nur selten Strom!

Lieneweg: Ja, fragen kann man da auch. Ich brauche eigentlich nichts außer einer normalen 230-Volt-Streckdose, mit 16 Ampere abgesichert, und die gibt es in jeder Werkstatt und an jeder Tankstelle, und die gibt es vor allem aber auch in jedem Restaurant – da kann man die Ladezeit gleich wunderbar nutzen und zwischendurch essen gehen.

Sie fahren dann also beim Italiener vor und sagen: Einmal die Pizza Margherita – und ein Stromkabel hab ich auch gleich mit?

Lieneweg: Das Kabel bring ich selbst mit, und ich sage, ich esse ihre Pizza nur, wenn ich auch Strom von Ihnen bekomme.

Reicht das denn? Wenn Sie jetzt eine oder zwei Stunden einkehren, ist der Wagen doch noch nicht vollgeladen.

Lieneweg: Das stimmt. Es gibt zwei verschiedene Ladeweisen bei diesem Auto: Einmal die normale Ladung, da dauert der komplette Ladevorgang vier bis sechs Stunden. Da könnte man also nur nachtanken für die letzten 20 oder 30 Kilometer, und dann gibt's die Schnellladung, dafür braucht man aber eine spezielle Ladesäule, die leider noch nicht weit verbreitet ist. Da könnte man das Auto in einer halben Stunde auf 80 Prozent vollladen.

Ich bin ja schon seit zwölf Jahren in der Elektroautoszene, da kennt man eigentlich auch immer Leute, die einem Strom geben. Es gibt da zum Beispiel eine so genannte Drehstromliste, da bin ich auch Mitglied, das ist eine Gruppe, die sich rund um die Uhr gegenseitig mit Strom versorgt. Da haben alle eine Drehstromsteckdose an ihrem Haus. Wenn man dieser Liste also beitritt, dann kann man sich an über 200 Stellen in Deutschland Strom schenken lassen – verkauft werden darf der ja privat nicht.

Wann sind wir soweit, dass wir ein Großteil der Autos auf den Straßen Elektroautos sein werden?

Lieneweg: Wenn die Batterien günstiger werden, und wenn die Rechtweite noch etwas größer wird. Ansonsten funktioniert das aber auch schon im Nah- und Mittleren Bereich schon wunderbar. Und da die Autos momentan relativ schlecht gekauft werden, kriegt man Vorführ-Wagen schon zu einigermaßen günstigen Preisen.

Sie haben aber sicher zur Sicherheit noch einen normalen Tank an Bord?!

Lieneweg: Nein, das ist ein reines Elektroauto, ja, ja. Es gibt natürlich auch Hybrid-Fahrzeuge, die sind auch sehr schön, aber dieses Auto ist ein reines Elektroauto, und wenn die Batterie leer ist, dann steh ich.


Stand: 23.10.2012, 14.22 Uhr