Studie über Folgen von Genmais Öfter Krebs bei Ratten

Von Ruth Schulz

Mit Genmais gefütterte Ratten erkranken einer Studie zufolge häufiger an Krebs und sterben im Schnitt früher als ihre Artgenossen. Ruth Schulz aus der WDR-Wissenschaftsredaktion hat die Studie unter die Lupe genommen.


Genetisch veränderter Mais
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Genetisch veränderter Mais

Was die Wissenschaftler untersucht haben

Auch mit einem gentechnisch veränderten Mais (NK603), der in Europa nur als Futtermittel zugelassen ist, der also hier nicht angebaut wird.

Der Studienaufbau


Drei Ratten-Gruppen – jeweils zehn Männchen und zehn Weibchen -  haben gentechnisch veränderten Mais im Futter gehabt – in jeweils unterschiedlichen Konzentrationen. Drei Gruppen haben Genmais gefressen, der zusätzlich mit einem Pestizid gespritzt war. Drei andere haben normalen Mais bekommen, aber Wasser getrunken, in dem verschiedene Konzentrationen dieses Pflanzenschutzmittels waren. Die Kontrollgruppe –  auch zehn Männchen und zehn Weibchen - bekam konventionellen Mais und unbelastetes Wasser.

Das Ergebnis

Ratten, die Genmais gefressen hatten und deren Futter das Pestizid enthielt, starben deutlich früher als die anderen Ratten. 50 % der Männchen und 70 % der Weibchen starben früher. Das ist eine hohe Rate. So deutliche Ergebnisse hat es noch nie gegeben. Aber: Ratten, die mehr Genmais im Futter hatten, starben nicht unbedingt früher als die, die weniger gefressen hatte. Das hätte man so auch nicht erwartet.

Kritik an Studie und Auswertung

Andere Wissenschaftler sagen, man habe mit den falschen Ratten gearbeitet, nämlich mit Albino-Ratten. Sie würden generell häufiger Krebs bekommen als andere Versuchstiere. Außerdem zweifelt man an der statistischen Auswertung der Studie und kritisiert die kleine Kontrollgruppe. Sie bestand auch nur aus jeweils zehn Männchen oder Weibchen. Stirbt aus dieser Gruppe eine Ratte früher, entspricht das einem statistischen Wert von 10 %. Ein Zufall ist kaum herauszurechnen.

Zwei Jahre im Labor

Normalerweise werden solche Fütterungsversuche für die Zulassung von Genpflanzen nur über drei Monate gemacht. Ein Beobachtungszeitraum von zwei Jahren ist also durchaus positiv. Aber man muss auch bedenken, dass Laborratten selten älter als zwei Jahre werden. Im Alter wird aber jeder Organismus anfälliger für Krankheiten wie Krebs. Interessant ist auch, dass man das Pflanzenschutzmittel (Roundup), gegen das dieser spezielle Genmais widerstandsfähig gemacht wurde, gleich mit getestet hat. Doch wenn die Wirkungen von Genmais und Pestiziden wirklich so drastisch seien, hätten Studien schon sehr viel früher Hinweise darauf finden müssen, sagen Kritiker.

Überprüfungen sind angekündigt und notwendig

Die Europäische Lebensmittelbehörde wird diese Studie noch einmal prüfen. Ob die Zulassungsverfahren für gentechnisch veränderte Pflanzen strenger werden, oder ob alles beim alten bleibt, muss man also abwarten. Jede wissenschaftliche Studie muss sich daran messen lassen, ob man sie wiederholen und die Ergebnisse bestätigen kann. Außerdem lassen sich die Ergebnisse von Mäuse- und Rattenstudien nur mit großer Vorsicht auf den Menschen übertragen.

Unabhängigkeit?

Es ist nicht immer leicht, die Gentechstudien sicher einzuordnen. Viele werden von großen Agrar-Unternehmen finanziert. Diese Studie wurde von einem gentech-kritischen Institut der Universität Caen in Frankreich durchgeführt.


Stand: 20.09.2012, 12.17 Uhr