Gérard Depardieu: Mon Dieu
Französischen Filmen haftet an, dialoglastig zu sein, meistens um Dreierbeziehungen zu kreisen und ab und zu von Chansons unterbrochen zu werden. Die Frauen sind zart, die Männer sind hart. In die französische Filmlandschaft gehört ein unverwechselbarer Schauspieler, der keinem Klischee entspricht, obwohl er durch und durch Franzose ist: Gérard Depardieu. Unsere Filmkritikerin Andrea Burtz ist ihm schon lange ihm verfallen.

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Gérard Depardieu im Film "Cyrano de Bergerac" (1990)
Alles begann im kalten Winter 1990 in einem kleinen Pariser Kino nahe den Champs Elysées: Auf der Leinwand kämpft ein wuchtiger Mann mit viel zu großer Nase um eine unerreichbare Liebe. Bedingungslos. Der stattliche Franzose kann fechten und schreien, aber auch ganz zarte Töne anschlagen. Beides beherrscht er glaubwürdig. Er spricht so gewandt in Versen, dass ich nach ein paar Minuten vergessen habe, dass er reimt. Mit dieser unverwechselbaren Stimme: Cyrano von Bergerac, alias Gérard Depardieu.
Der Vielgesichtige
Das Publikum applaudiert ergriffen in dieser gewöhnlich Nachmittagsvorstellung. Ich auch. In den folgenden Wochen stopfe ich die Wissenslücke "Depardieu" mit Büchern, Zeitschriften, Filmen wie "Die Ausgebufften" und "Die letzte Métro" und "Greencard".
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Gérard Depardieu im Film "Die Ausgebufften" (1973) (Fotostrecke 1)
Vom Bademeister zum Superstar
Dieser Bertrand, diese herzerweichende Hauptfigur aus Greencard, ist eng an die Biographie von Depardieu angelehnt. Sogar die Geschichte zu den selbst geritzten Tätowierungen auf den Armen stimmt. Gérard Depardieu, der Mann aus kleinen Verhältnissen, der es vom Strandbademeister zum Superstar geschafft hat.

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Gérard Depardieu im Film "Green Card" (1990)
Von Rodin bis Obelix
Ein Mann, der einen feingeistigen Künstler wie den Bildhauer Rodin mit der gleichen Überzeugungskraft spielt, wie die trottelige Comicfigur Obelix.

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Gérard Depardieu im Film "Obelix" (2001)
Von Kommerz bis Kunst
Von Kommerz bis Kunstkino: Gérard Depardieu bedient alles. Und kann es auch. Wie wunderbar im Interview zu erfahren, dass auch seine ganz persönliche Leidenschaft einem Truffaut-Film gehört. "Die Frau nebenan", die Geschichte einer Amour Fou, einer unmöglichen Liebe: Das original französische Litfass-Säulen Plakat thront seit Jahren über meinem Schreibtisch.

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Gérard Depardieu im Film "Die Frau nebenan" (1988)
Hans Dampf in allen Filmgassen
Zum Glück. Bis zu acht Filme dreht das Arbeitstier im Jahr. Lebenshungrig betreibt er mittlerweile drei Restaurants in Paris und mehrere Weingüter auf der ganzen Welt. Immer unterwegs. Im Jahr 2000 stoppt ihn sein Herz. Seitdem lebt Depardieu mit fünf Bypässen.
Probleme mit dem Herzen
"Die Herzgeschichte hat mich gerade mal drei Wochen gekostet. Dann habe ich schon 'Le Placard' gedreht. Ich nehme meinen Herzchirurgen sehr ernst. Deshalb habe ich auch stark abgenommen und halte mich mit dem Rauchen zurück. Naja, andererseits leben wir nicht in Amerika", so der Schauspieler.

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Gérard Depardieu im Jahr 2012
Jeder Rolle Würde verleihen
Das ist nun schon zwölf Jahre her. Und, ganz ehrlich: es sind wieder ein paar Kilo dazu gekommen und Geschichten im "Vermischten", über einen angetrunkenen und im Flugzeug pinkelnden Superstar. Und natürlich viele Filme, wie zum Beispiel "Chanson d'Amour". Darin spielt er einen alternden Sänger, der durch Tanztee-Salons in der Provinz tingelt. Ein Mann, der mit einer Ziege lebt, vor dem Gesichtsbräuner brät und schrecklich gemusterte Hemden trägt. Egal, ob mit angeklebter Nase oder Obelixbauch – Gérard Depardieu lässt seinen Figuren immer ihre Würde. Und genau deshalb ist er mein Nationheld.
Stand: 05.09.2012, 15.16 Uhr
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