Radschnellwege für Pendler Ohne Stau zum Job

Von Martin Gent

Radschnellweg Ruhr: Nach stockenden Planungen gibt es jetzt endlich grünes Licht. Nicht nur für die Schnellroute durchs Revier sondern auch für fünf andere Projekte in NRW.


Ein Fahrradfahrer auf einer für Radfahrer gekennzeichneten Strasse
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Berufspendler sollen vom Auto auf das Rad umsteigen

Nicht auf der Autobahn auf dem Weg zur Arbeit im Stau stehen, sondern mit dem Fahrrad auf dem Rad-Schnellweg vorwärts kommen. So sieht Pendeln in Zukunft für die rot-grüne Landesregierung aus. Verkehrsminister Groschek hatte eingeladen und mit Verkehrsexperten aus dem ganzen Land über eine mögliche Autobahn für Fahrräder gesprochen. Radschnellweg Ruhr ist der Name des Projekts, das jetzt auf den Weg gebracht wird.

Der Blechlawine die Spitze nehmen

Ein Motiv für den Radschnellweg ist, etwas gegen den Dauerstau auf der A40 zu unternehmen. Wenn die vorübergehende Vollsperrung Ende September aufgehoben, werden am Dreieck Essen-Ost sich wieder bis zu 123.000 Autos pro Tag über das Asphaltband quälen. Breiter oder zweistöckig kann der "Ruhrschleichweg" kaum werden, der parallel laufende ÖPNV stößt auch an Grenzen, die Züge sind rappelvoll.

Erfahrungen aus Holland mit einer Anti-Stau-Prämie zeigen, dass manchmal schon geringe Verkehrsverlagerungen genügen, um den Infarkt zu vermeiden. Im Ruhrgebiet will man die Menschen bewegen, statt mit dem Auto mit dem Fahrrad zu fahren, besonders die Pendler.

Sicher, schnell mit hohem Fahrkomfort

Dafür soll ein attraktiver Weg in etwa parallel zur A40 gebaut werden: ohne Kreuzungen, getrennt von Fußgängern, ohne nervige rote Ampeln, breit genug fürs Überholen, mit gutem Belag und Winterdienst. Überholen und nebeneinander fahren soll immer möglich sein.

Der Radschnellweg Ruhr wird vorangetrieben vom Regionalverband Ruhr, seit Dezember 2011 gibt es eine Konzeptstudie für die 85 Kilometer lange Strecke von Hamm über Unna und Dortmund quer durchs Revier nach Duisburg.

Ausbau von West nach Ost

Teilweise wird schon an Teilstücken gebaut, zwischen Duisburg und Essen läuft die Strecke auf einer nicht mehr genutzten Eisenbahntrasse, diese 37 Kilometer sollen schon 2015 fertig sein. Komplizierter wird es östlich von Bochum, da gibt es keine alte Bahntrasse und man muss komplett neu planen. Das wird jetzt durch eine Machbarkeitsstudie vom Bundesverkehrsministerium unterstützt, das dafür immerhin 400.000 Euro gibt. Wenn alles gut läuft, ist 2020 alles fertig.

Voraussetzungen für den Erfolg

Wichtig erscheint, dass die Strecke wirklich attraktiv ist, ohne dabei umwegig zu werden. Direkt neben der Autobahn wird niemand fahren wollen. Außerdem muss der Radschnellweg Ruhr eingebunden sein in die Radverkehrsnetze der Städte. Falsch wäre es, die Mittel in einem Vorzeigeprojekt zu verjubeln und die örtlichen Radverkehrsnetze in dem oft miserablen Zustand zu belassen. Ein Motto könnte lautem: Jedem im Revier eine attraktive Route zum Radschnellweg.

Vorbilder und Umsteiger

Vieles spricht für den Erfolg: Die Akzeptanz von Radschnellwegen in den Niederlanden oder in der Fahrradmetropole Kopenhagen, die Teilnehmerzahlen bei Aktionen wie "Mit dem Rad zur Arbeit" oder auch die Ergebnisse der automatischen Fahrrad-Zählstellen hier in Köln: Trotz schlechten Wetters zählten die Anlagen im ersten Halbjahr fünf Prozent mehr Radfahrer. Immer mehr Menschen scheinen die Stärken des Fahrrades nicht nur für Freizeitzwecke sondern als Verkehrsmittel in der Stadt zu entdecken. Es sind nicht nur mehr Radler unterwegs, auch die Strecken werden länger. Manche pendeln durchaus auch über 10 bis 20 km täglich mit dem Rad zur Arbeit – dieser Trend wird unterstützt durch Elektroräder ("Pedelecs").

Ein Radschnellweg für jede Region

Das Land NRW unterstützt einen Planungswettbewerb für fünf weitere Radschnellweg-Projekte in NRW. Bis Mitte 2013 können sich Kommunen mit ihren Konzepte bewerben, die besten bekommen Geld für Machbarkeitsstudie und anschließend auch der Planung des Radschnellwegs.


Stand: 25.09.2012, 17.25 Uhr