Patienten warten auf Organe Hoffen auf ein neues Leben

Von Horst Kläuser

Die Diskussion um die Transplantationsmedizin nimmt bedrückende Züge an. Längst geht es nicht mehr um die Verfehlungen einzelner Ärzte, die aus Geldgier oder Geltungssucht ihren Patienten Spenderorgane verschafften. Die gesamte Organisation des oft lebensrettenden Verfahrens wird plötzlich kritisch gesehen. Im Streit von Juristen, Ethikern, Ärzten und Verbandsvertretern drohen die eigentlich Betroffenen unterzugehen – die Patienten.


Bereit zur Transplantation: Rechte Niere in einer Organspendebox

Warten auf eine Leber


Über 12.000 Menschen warten allein in Deutschland auf eine neue Niere, Leber, Herz, Lunge oder Bauchspeicheldrüse. Nicht selten ist ihre Überlebenschance ohne Transplantation in Monaten bemessen. WDR 2-Reporter Horst Kläuser hat im Uniklinikum Münster zwei Patienten besucht, die dringend auf eine Spenderleber warten. Gabriele Hölscher ist seit 1996 erkrankt. Was mit einer Gelbfärbung der Haut begann, wuchs sich zur lebensbedrohlichen Zirrhose aus, auch die Nieren versagten. Der ausgemergelte Körper wiegt unter 50 Kilogramm, kaum kann die schwache Justizangestellte eine Sprudelflasche öffnen, die Stimme ist schwach und stockend.

Überlebensprognose: wenige Monate

Ein Stockwerk tiefer wartet Thomas Kran aus Münster ebenfalls auf eine Spenderorgan. Seine Leber wurde durch eine Eisenspeicherkrankheit unheilbar geschädigt. Wenn Prof. Dr. Schmidt seinen Patienten untersucht, fällt nicht nur die tiefdunkle Haut auf, die sich wie Pergament spannt, Varizen und dunkelrote Flecken sprenkeln den Körper. Für den Laien fast erschreckend, wie nüchtern Arzt und Patient die Überlebensprognose darstellen: ohne neue Leber stirbt Herr Kran in wenigen Monaten.

Leben mit einer neuen Niere


Wie anders Angelika Schmitz. Die propere Mittfünzigerin aus Gladbeck hat ein Spenderorgan erhalten. Munter plaudert sie drauf los. Die Jahre der Entbehrungen und Einschränkungen sind vorbei. Statt Nierenversagen und angeborener Schrumpfniere lebt sie seit vier Monaten beinahe kerngesund mit der zweiten Niere, die ihr Mann ihr spendete. Lebensspende nennt man das Verfahren, das heute sogar Hürden überwindet, die vor kurzem als medizinisches Tabu galten: weder die Gewebemerkmale noch die Blutgruppe zwischen Herrn und Frau Schmitz stimmten überein.

Leben ohne Angst

Dank guter Vorbereitung leben Spender und Empfängerin heute ein völlig normales Leben, ohne Dialyse, ohne Angst, ohne bangen Blick auf Wartelisten. Ob sie anderen einen Spenderausweise empfehle? Klar, strahlt Frau Schmitz, und fügt hinzu: "Wissen Sie, dass die Chance selbst auf ein Spenderorgan angewiesen zu sein, viel höher ist, als zum Spender zu werden…?"


Stand: 07.08.2012, 19.01 Uhr