Verkehrsmittel im Umweltvergleich Fernbus sparsamer als Zug

Von Martin Gent

Die "Allianz pro Schiene" hat am Donnerstag (20.09.2012) einen Umweltvergleich der Verkehrsträger vorgestellt. Die Eisenbahnfreunde müssen einräumen, dass der Bus weniger Energie braucht als der Reisezug. Das ist pikant, denn seit vergangener Woche ist klar, dass die Schiene Konkurrenz bekommt durch einen Fernbus-Linienverkehr.

Das schlechte Umweltimage von Auto und Lkw ist den neuen Zahlen zufolge durchaus berechtigt. Beim Energieverbrauch, bei den CO2-Emissionen und bei den meisten anderen Schadstoffen liegen Pkw und Lkw deutlich hinter der Konkurrenz.


Reisebus auf der A1 bei Hagen
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In Konkurrenz zur Bahn, auch in Fragen der Umweltverträglichkeit: Reisbusse

Überraschung Reisebus


Beim Personenverkehr schneidet der Reisebus erstaunlich gut ab, kann sogar den Fernzug toppen. Pro Fahrgast und Kilometer benötigt der Bus 160 Wattstunden, während es beim Fernzug 270 Wattstunden sind. Griffiger wird's, wenn man den Energieverbrauch überschlägig in Liter Treibstoff pro 100 Kilometer umrechnet: Der Bus liegt bei rund 1,5 Liter, der Fernzug bei 2,5 Liter und das Auto bei mehr als 5 Liter pro tatsächlich beförderter Person – wobei jeweils die ganze Vorkette, also die Produktion des Kraftstoffs und des Bahnstroms berücksichtigt ist.

Ökobonus der Bahn

Vorgestellt wurden die Zahlen auf der Verkehrstechnikmesse Innotrans in Berlin von der "Allianz pro Schiene", der auch viele Umweltverbände angehören, der Bahnindustrie und dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen. Grundlage sind Berechnungen des Heidelberger Institut für Energie- und Umweltforschung im Auftrag des Umweltbundesamtes. Die Eisenbahnfreunde unterstreichen in ihrer Presseerklärung die Vorteile der Schiene beim Güterverkehr und die großen Fortschritte, welche die Branche in Sachen Umwelt erzielt hat, Motto: " Schiene vergrößert Umweltvorsprung". Doch der Vorteil des Reisebusses wird nicht verschwiegen und bei genauerem Hinsehen muss die Eisenbahn auch nicht um ihr gutes Umweltimage bangen.

E-Mobilität auf der Schiene selbstverständlich

Der Vorteil des Busses schrumpft, wenn man nicht den Energieverbrauch sondern den CO2-Ausstoss vergleicht. Dabei kommt der Bahn offenbar zugute, dass sie zu einem großen Teil schon elektrisch fährt. Auch muss man aufpassen, dass man nicht Äpfel mit Birnen vergleicht. Die Zahlen wurden erhoben für Reisebusse, also häufig gut ausgelastete Gruppenfahrten. Das drückt den spezifischen Energieverbrauch pro Personenkilometer nach unten. Im Vergleich dazu haben wir ein flächendeckendes Schienenangebot, meist im Taktverkehr. Dabei werden zwangsläufig auch mal leere Plätze durch die Gegend gefahren, was die Energiebilanz verschlechtert. Außerdem sind zumindest Fernzüge deutlich schneller aus Busse, die maximal Tempo 100 fahren und nur durch Verzicht auf Zwischenstopps eine angemessene Reisezeit erreichen.

Kostenvorteile durch Energieeffizienz

Die Fortschritte in Sachen Energieverbrauch und Schadstoffausstoß waren in den letzten Jahren bei der Eisenbahn mit Abstand am größten. Während die Konkurrenten in den letzten elf Jahren die Effizienz nur im einstelligen Prozentbereich verbessern konnten, sank der Energieverbrauch der Eisenbahn im Personen- und Güterverkehr um 30 Prozent. Grund sind Austausch und "Remotorisierung" von Uralt-Diesellokomotiven. Fortschritte gab und gibt es aber auch bei E-Loks und Triebzügen. Der ICx als neuer Fernzug der Deutschen Bahn soll ab 2016 rollen und beispielsweise 30 Prozent weniger Energie brauchen als seine Vorgänger Intercity und ICE 1. Anders als der Bus erreicht er nicht nur Tempo 100 sondern fährt in der Spitze 249 km/h. Wegen des geringen Rollwiderstandes des Rad-Schiene-Systems sei der Zug perspektivisch im Vorteil, sagen die Eisenbahnverbände. Durch teure Kraftstoffe würden Auto, Lkw und Bus immer teuer, die Bahn hofft sich davon durch sparsame Fahrzeuge und Elektroantrieb noch am ehesten abkoppeln zu können.

Offenes Rennen

Noch weiß niemand, ob es in Deutschland ab 2013 tatsächlich einen nennenswerten Fernbus-Linienverkehr geben wird. Gegenüber dem WDR betonte der Geschäftsführer der "Allianz pro Schiene", Dirk Flege, dass ihm um den Wettbewerb nicht bange ist. Denn letztlich kommt es darauf an, wie viele Menschen mögliche Fernbusanbieter für diese Art des Reisens gewinnen können. Das ist Auslastung so groß ist wie im Reisebusgeschäft, sei kaum zu erwarten, meint Flege. Und außerdem werde die Eisenbahn immer schneller immer besser.


Stand: 20.09.2012, 17.27 Uhr